Erstellt am 07. Mai 2016, 12:50

Wiener Spitalsärztin soll Gutachten gefälscht haben. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, soll eine Chirurgin der Wiener Rudolfstiftung im Vorfeld von Magenoperationen systematisch Patientengutachten gefälscht haben, um damit eine Kostenübernahme durch die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) zu erwirken. Die Angelegenheit wird derzeit überprüft.

 |  NOEN, APA (Archiv/Fohringer)

Die Ärztin wird demnach verdächtigt, unter frei erfundenen Identitäten psychologische und diätologische Atteste für adipöse Patienten erstellt zu haben, die anschließend bei der WGKK im Wege von Operationsbewilligungsanträgen eingereicht und genehmigt wurden. Solche Eingriffe bedürfen einer Genehmigung durch einen Chefarzt der Krankenkasse. Die Voraussetzung sind ein extrem hoher Body-Mass-Index (BMI) und/oder weitere Bedingungen wie Diabetes, auch psychologische Untersuchungen müssen vor einem solchen Eingriff erfolgen.

Die Krankenkasse sei - wie das Nachrichtenmagazin am Samstag mitteilte - bei einer Prüfung infolge eines anonymen Hinweises auf vorerst 45 Verdachtsfälle allein seit 2015 gestoßen. In einer Stellungnahme gegenüber "profil" hielt die WGKK fest: "Da es hier zu Auffälligkeiten gekommen ist, wurden im nächsten Schritt auch Patienten-Befragungen durchgeführt. Diese haben den Verdacht bestätigt." Wie "profil" weiters berichtet, hätte die ärztliche Leitung des Krankenhauses seit 28. April Kenntnis von mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten. Mittwoch vergangener Woche seien die Rudolfstiftung und der übergeordnete Krankenanstaltenverbund (KAV) von der WGKK über das Ausmaß der vermuteten Manipulation informiert. Laut KAV wurden mittlerweile die Patientenakten der Medizinerin ausgehoben, "um sie einer ersten Kontrolle zu unterziehen". Die WGKK hat den Disziplinarrat der Österreichischen Ärztekammer involviert, die Chirurgin selbst wollte sich laut dem Magazin gegenüber "profil" nicht äußern.