Erstellt am 23. Mai 2016, 15:52

von APA Red

Wiens Fiaker-Pferde bekommen hitzefrei - ab 35 Grad. Die Stadt Wien erweitert die gesetzlichen Maßnahmen zum Schutz von Fiakerpferden: Künftig haben die Tiere hitzefrei - wenn es draußen 35 Grad oder mehr hat.

Bei großer Hitze haben die Pferde "Urlaub"  |  NOEN, APA (Gindl)

Die Neuerung soll noch für diesen Sommer in Kraft treten, hieß es auf APA-Nachfrage. Die Fiaker-Unternehmer zeigten sich von dem Vorschlag "schockiert" und "überrascht".

Wiens 28 Fiakerbetriebe müssen sich auf strengere Regeln einstellen: Denn wenn am Stephansplatz zumindest 35 Grad gemessen werden, gibt es für ihre 375 Pferde hitzefrei. Und das ist nicht unrealistisch, wenn man auf vergangenen Sommer zurückblickt.

Damals wurde dieses Temperaturlimit in der Innenstadt an 18 Tagen überschritten, teilten die für Tierschutz zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch am Montag mit.

Die Einhaltung der Vorgabe wird von der Polizei gemeinsam mit der MA 65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten) kontrolliert.

Die Einstellung der Kutschenfahrten bei zu großer Hitze ist Teil eines Sieben-Punkte-Pakets, das Rot-Grün zum Wohl der Pferde schnürte.

So ist weiters vorgesehen, dass die Tiere nur mehr jeden zweiten Tag im Einsatz sein dürfen. Die Betriebszeit wird am Abend um eine Stunde reduziert und künftig nur mehr von 10.00 bis 21.00 Uhr möglich sein. Bodenmarkierungen bei den Stellplätzen sollen Lage und Anzahl definieren.

Auch die Dokumentations-Verpflichtungen für die Kutscher erhöhen sich: Vor jedem Fahrantritt haben sie die Einsatztauglichkeit - inklusive Gesundheitscheck - der Pferde zu überprüfen. Dies muss in das Fahrtenbuch eingetragen werden und einer stichprobenartigen Überprüfung durch die Behörde standhalten.

Weiters dürfen nur mehr Tiere als Zugpferde eingesetzt werden, die aufgrund ihres Wesens und ihres Ausbildungs- und Trainingszustandes mit dem Einsatz als Fiakerpferd gut zurechtkommen. Neue Pferde werden vor dem ersten Arbeitstag durch Spezialisten auf ihre Eignung geprüft.

Weiters will die Stadt mehr Augenmerk auf "tierschutzrelevante Themen" legen - also etwa auf die Auswirkungen vom Tragen eines Maulkorbs, auf das Schweifanbinden oder das regelmäßige Füttern. Dabei setzt man auf verstärkte Aufklärung und Kontrollen.

Das Maßnahmenpaket wurde von der Stadt gemeinsam mit Pferdeexperten ausgearbeitet, hieß es in der Aussendung. Die Novellierung des Fiaker- und Pferdemietwagengesetzes soll im Juni den Ausschuss passieren und dann im Landtag beschlossen werden, sagte einer Sprecherin der Stadträtin auf APA-Nachfrage. Die neuen Regelungen sollen bereits diesen Sommer gelten.

Die Fiaker-Unternehmer sind "schockiert" vom Vorschlag. Mehr noch: "Wir wurden heute von der geplanten Neuregelung im Wiener Fiakergesetz überrascht", kritisierte Martina Michelfeit, Berufsgruppensprecherin in der Wirtschaftskammer Wien.

"Denn niemand hat uns über eventuelle Änderungen informiert, wir wurden nicht zu Verhandlungen und Gesprächen geladen bzw. wurden unsere Erfahrungen und Kenntnisse nicht in der Reglung berücksichtigt", ärgerte sich Michelfeit in einer Aussendung.

Durch die Neuregelung würde den Fiaker-Unternehmern die wirtschaftliche Grundlage entzogen bzw. würden diese in der Erwerbsausübung massiv beschränkt, beklagte sie.

Dabei übte die Branchensprecherin heftige Kritik an Tierschützern: Diese würden mit "oberflächlichen und pseudowissenschaftlichen Unwahrheiten" gegen die Wiener Fiakerunternehmer kampagnisieren: "Damit diskreditieren die vermeintlichen Tierschützer ein ganzes Gewerbe, das seit Hunderten Jahren in der Stadt tätig ist, viel Erfahrung mit Pferden hat und maßgeblich zum positiven Wien-Weltbild beiträgt."

In der Aussendung wurde außerdem versichert, dass Hitze keine Belastungssteigerung bei Pferden zeige. Dabei wurde auf Daten des Veterinäramtes (MA 60) eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2008 verwiesen.

Laut letzterer seien außerdem die Stress-Werte der Wiener Fiaker-Pferde stabil und mit jenen von anderen Arbeitspferden - zum Beispiel Dressurpferden - vergleichbar.

Weiters betonte Michelfeit, dass bereits jetzt Fiaker-Pferde nach Charakter und Körperbau ausgewählt und im Rahmen einer drei bis zwölf Monate dauernden Trainingsphase auf ihre Arbeit vorbereitet würden. Die Stadt sieht im Rahmen der neuen Maßnahmen vor, dass nur mehr Tiere als Zugpferde eingesetzt werden dürfen, die aufgrund ihres Wesens und ihres Ausbildungs- und Trainingszustandes mit dem Einsatz als Fiakerpferd gut zurechtkommen.

Scharf kritisierte die Fiaker-Sprecherin auch die neue Vorgabe, dass die Pferde künftig nur mehr jeden zweiten Tag im Einsatz sein dürfen. "Fiakerpferde haben (und müssen) schon heute an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche frei.

Außerdem gibt es in Wien insgesamt rund 400 beim Veterinäramt registrierte und laufend auf ihren Gesundheitszustand überprüfte Fiakerpferde - allerdings nur 58 Fiaker-Standplätze. Somit können pro Tag lediglich 116 Pferde zum Einsatz kommen", stellte sie klar.

Wenig Freude haben die Fiaker auch mit der Reduzierung der Einsatzzeiten - diese entziehe die wirtschaftliche Grundlage, so der Vorwurf. Künftig muss am Abend eine Stunde weniger gefahren werden, nämlich nur mehr von 10.00 bis 21.00 Uhr. Dies werde von den Unternehmen abgelehnt, da diese Zeiten würden benötigt, "um den Kundenwünschen nachzukommen".