Erstellt am 14. Januar 2016, 14:04

von APA/Red

Zweites Gutachten über Grazer Amokfahrer widerspricht erstem. Der Prozess gegen den Amokfahrer von Graz wird noch dauern: Das zweite psychiatrische Gutachten weicht in seinen Ergebnissen von den Beurteilungen des ersten Sachverständigen ab.

Die blutige Amokfahrt hatte drei Mennschen das Leben gekostet  |  NOEN, APA

Daher könnte nun eine dritte Expertenmeinung von einem "Obergutachter" eingeholt werden müssen, teilte die Staatsanwaltschaft Graz am Donnerstag mit.

Einigkeit bestehe bei den beiden Gutachtern darüber, "dass der Beschuldigte die Taten unter dem Einfluss einer geistigen und seelischen Abartigkeit höheren Grades begangen hat und bei ihm die Gefahr weiterer solcher Taten besteht", heißt es in der Mitteilung der Behörde. Die Einschätzung, ob der Beschuldigte zurechnungsfähig war, wurde aber von einem verneint, vom anderen bejaht.

Die beiden Sachverständigen werden nun aufgefordert, Stellung zu nehmen und dabei auch die Ergebnisse des jeweils anderen einzubeziehen. "Lassen sich dadurch die Diskrepanzen in den Schlussfolgerungen nicht ausräumen", sei ein drittes Gutachten nötig. Dieses muss von einem Psychiater mit Lehrbefugnis an einer in- oder ausländischen Universität erstellt werden. Wer das sein könnte, stehe noch nicht fest, sagte Staatsanwalt Christian Kroschl.

Der Amokfahrer hatte angegeben, dass er sich zum Tatzeitpunkt verfolgt gefühlt hatte, sprach von Schüssen, die er gehört haben will, und dass er deswegen Angst gehabt habe. Laut der Tageszeitung "Österreich"soll der zweite Gutachter, Peter Hofmann, geprüft haben, ob es sich bei diesen Wahrnehmungen um Simulieren handelte, fand jedoch dafür keinen Anhaltspunkt. Für Gutachter Manfred Walzl dagegen war der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig.