Erstellt am 29. Oktober 2015, 05:02

von Christoph Hornstein

260 Flüchtlinge ins Vier-Stern-Hotel?. Als Ersatzquartier für die Kasernen- Asylwerber ist das Park Hotel in Verhandlung. Der derzeitige Pächter wurde schon gekündigt.

Eine bewegte Geschichte hat das Park Hotel in Klosterneuburg. Soll es jetzt Asyl für 260 Flüchtlinge bieten?  |  NOEN, NÖN

War es vorerst nur ein Gerücht, so ist es nun Tatsache: Das Bundesministerium für Inneres verhandelt mit den Eigentümern des Park Hotels Klosterneuburg, um dort Flüchtlinge unterbringen zu können. Das bestätigt auch die Tatsache, dass der Pachtvertrag mit dem bisherigen Pächter Bernd Hinteregger vor zwei Wochen gekündigt wurde.

Einst war es das touristische Glanzstück Klosterneuburgs. Das damalige Park Inn Hotel wurde mit hohen Fördergeldern erbaut und erlebte aber bald darauf seinen Niedergang: Versteigerung. Ersteigert haben es zu je 50 Prozent Michael Nicolussi-Moretto und Erwin Bruchard, die in der Folge das gesamte Hotel dem Hotelier Bernd Hinteregger verpachtete.

Kündigung des Pachtvertrages

Seit 2011 führt nun Hinteregger das Hotel – mit Erfolg, wie er sagt. Vor zwei Wochen flatterte gleichzeitig mit dem Gerücht, dass das Hotel zur Flüchtlingsherberge werden soll, die Kündigung des Pachtvertrags ins
Hotelbüro. Hintergegger sieht hier einen nachvollziehbaren Zusammenhang: „Die Eigentümer glauben wahrscheinlich, mit dem Bund und den Flüchtlingen das Geschäft ihres Lebens zu machen.“ Er fände das jedenfalls sehr schade, weil mit dem Ende der touristischen Einrichtung natürlich auch die touristische Wertschöpfung für Klosterneuburg wegfalle. „Wir hatten Gäste aus den verschiedensten Sportvereinen, der Filmakademie und aus der Musikbranche. Dass es das jetzt nicht mehr geben soll, ist schlecht für die Stadt.“

130 Zimmer hat das Hotel. Bis zu 260 Flüchtlinge könnten dort aufgenommen werden. Nach der Möglichkeit des Durchgriffsrechts kann der Bund entscheiden, ob der Hotelbau für die Flüchtlingshilfe verwendet wird.

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager ist nicht sehr erfreut über diese Entwicklung. „Ich bin kein Freund dieser Lösung. Meine Sorge ist nicht in Verbindung mit den Flüchtlingen zu sehen, sondern im Verlust des Hotels als Tourismusstandort.“

„Ich würde sofort einen neuen Vertrag unterschreiben und auch eine höhere Pacht bezahlen.“ Bernd Hinteregger, Hotelier

FPÖ-Fraktionschef Josef Pitschko beobachtet die Entwicklung mit Argusaugen: „Die ÖVP macht mit ihrem gottesfürchtigen und sittenstrengen Landeshauptmann, der inferioren und hoffnungslos überforderten Innenministerin und einem obrigkeitshörigen Bürgermeister ohne jede Durchschlagskraft aus der Bezirkshauptstadt Klosterneuburg die Asylwerberhauptstadt im Bezirk Tulln.“

Derzeit dürfte noch verhandelt werden. Vom Innenministerium konnte die NÖN vor Redaktionsschluss noch keine Ergebnisse erfahren.

Bernd Hinteregger ist aber weiter bereit, das Hotel weiterzuführen: „Ich würde sofort
einen neuen Vertrag unterschreiben und auch eine höhere Pacht bezahlen.“