Klosterneuburg

Erstellt am 15. Oktober 2016, 10:56

Willibald Eigner: „Muss ein Jüngerer her“. Landtagsabgeordneter Willibald Eigner legt heuer noch sämtliche politischen Ämter zurück. Sein Nachfolger wird Stadtrat Kaufmann sein. Die NÖN sprach mit ihm.

Auf mehr Zeit für seine Familie und Hobbys freut sich Landtagsabgeordneter Willibald Eigner.  |  NOEN, NÖN

Seit 2003 bekleidet Willibald Eigner die Funktion des Landtagsabgeordneten. Seit dieser Zeit vertritt der nun 68-Jährige die Interessen der Stadt im Land NÖ. Mit dem 15. November, dem Todestag Leopold des III., legt Eigner sein Amt nieder. Sein Nachfolger ist Stadtrat Christoph Kaufmann. Die NÖN bat zum Gespräch.

NÖN: Herr Landtagsabgeordneter, sind Sie nach 13 Jahren amtsmüde?

Eigner: In den ersten fünf Jahren war ich ganz alleine im Bezirk Wien Umgebung unterwegs. Das war natürlich eine stressige Sache. Vor allem, weil ich mir erst in diesem zerrissenen Bezirk alle Kontakte aufbauen musste. Amtsmüde bin ich nicht, aber ich hätte sicher ein Jahr später mit dem Ende der Legislaturperiode nicht mehr für den Landtag kandidiert.

Warum legen Sie Ihr Amt dann jetzt zurück?

Eigner: Weil ich es einem Jüngeren übergeben will. Durch die neue Bezirksaufteilung ist gefordert, dass man den ganzen Bezirk Tulln abarbeitet. Das ist nichts mehr für mich. Da muss ein Jüngerer her.

Wie wichtig ist es für Klosterneuburg, einen Landtagsabgeordneten zu haben?
Wichtig ist, dass ein Landtagsabgeordneter auch im Gemeinderat tätig ist, damit man die Sorgen und Probleme hautnah mitbekommt und an das Land weiterleiten kann.

Man sagt, dass kein gutes Verhältnis zwischen Stadt und Land NÖ herrsche. Haben Sie davon etwas bemerkt?
Nein, überhaupt nicht. Das hätte ich ja merken müssen, weil ich den Landeshauptmann regelmäßig sehe.

Der Wunsch des Bürgermeisters nach einem eigenen Kennzeichen wird aber vom Land nicht erfüllt.
Meiner Meinung nach hat das eigene Taferl keine Chance, weil es im Land als nicht wirklich wichtig angesehen wird.

Obwohl es die Bürger mehrheitlich wollen und kein Geld kostet.
Das müssten beide, das Land und das Ministerium, intensiv wollen, und das ist nicht der Fall.

Sie sind mit der Zeit als Gemeinde- und Stadtrat mehr als 27 Jahre in der Politik. Bleiben Sie im Klosterneuburger Gemeinderat?
Das muss ich noch mit dem Bürgermeister besprechen. Ich will auch im Gemeinderat mit Ende des Jahres aufhören.

Wie macht man das, nach so langer Zeit von heute auf morgen aus der Politik auszusteigen?
Ich glaube nicht, dass da für mich ein großes Loch entsteht. Ich habe in dieser Zeit auf so viele Hobbys verzichten müssen, außerdem habe ich ja noch mein eigenes Architekturbüro.

Was waren so die politischen Highlights des Willi Eigner in seiner langen Polit-Karriere?
Wichtig war für mich der Bau die Umfahrungsstraße. Die hat der Landeshauptmann zugesagt, aber in der Abwicklung ist das so oft steckengeblieben. Als ich bemerkt habe, dass da vielleicht ein paar auf der Bremse stehen, habe ich immer wieder über das Büro des Landeshauptmannes Dampf gemacht. Das zweite Highlight ist die IST-Austria. Hier werden hunderte Millionen vom Land NÖ hineingesteckt, denn da sollen ja irgendeinmal an die tausend Leute arbeiten. Forschung und Entwicklung ist das Einzige, mit dem wir gegen Billiglohnländer konkurrieren können.

Den Verlust der Bezirkshauptstadt und der 24-Stunden Chirurgie, Notarztstützpunkt und die Schließung des Essl-Museums sehen viele Bürger als Entwertung der drittgrößten Stadt Niederösterreichs. Wie sehen Sie das?
Der Notarztstützpunkt wird derzeit verhandelt, beim Essl-Museum hätte das Land mitgemacht, aber der Bund wollte nicht. Und zum Krankenhaus: Die Chirurgie war nie ganz ausgelastet. Wenn in der Nacht wenig Operationen sind, der Personalaufwand sehr groß ist, dann muss sich der Dienstgeber, die Holding, etwas überlegen. Herausgekommen ist die Tagesklinik.

Dass Klosterneuburg zum Bezirk Tulln kommt, war auch für Sie überraschend?
Ja, denn ich habe geglaubt, und es auch an höchster Stelle angeregt, dass man den Bezirk dann zumindest ‚Klosterneuburg-Tulln‘ benennt. Das wäre ganz einfach gewesen, das zu beschließen. Damit wäre das Kennzeichen auch kein Thema mehr gewesen. Dieser Vorschlag wurde aber nicht angenommen.