Erstellt am 17. Februar 2016, 05:54

von Christoph Hornstein

Anschlag auf die Weinfeste. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager schlägt Alarm: Weinfesten droht das Aus

 |  NOEN, zVg/APA

Kritzendorfer Riedenfest, Sturmfest in Weidling, Leopoldifest in der Babenbergerhalle – nur ein paar von unzähligen Festen, bei denen sich Klosterneuburgs Winzer präsentieren können. Das wird ihnen aber seit Anfang des Jahres erheblich erschwert. Der Grund dafür: die Registrierkassapflicht. Denn auch wenn die Winzer an ihrer Betriebsstätte natürlich eine Registrierkassa haben, sie brauchen für die Veranstaltungen außer Haus ein mobiles Gerät. Das ist Gesetz. Weinbaupräsident und Heurigenbesitzer Johannes Schmuckenschlager läuft Sturm dagegen: „Den österreichischen Weinfesten droht durch falsch angewandte Bürokratie das Aus.“

Seit 1. Jänner 2016 ist die neue Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht in Kraft. Einfach gesagt bedeutet das: Alle Bargeschäfte, die über den Landentisch gehen, müssen über eine Registrierkasse laufen. Ausnahmslos. Damit verbunden ist die Verpflichtung, einen Beleg dafür auszustellen.

Was für die die kleinen Unternehmer eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung bedeutet, ist für Winzer, die ihren Wein auch bei Weinfesten – also außerhalb ihrer Betriebsstätte – verkaufen, mit weiteren Kosten verbunden, denn sie müssen sich zusätzlich eine mobile Registrierkassa zulegen.

"Große Probleme im ländlichen Raum"

Der Österreichische Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager schlagt Alarm: „Obwohl mit der Steuerreform gute und vor allem für die Zukunft unumgängliche Maßnahmen gesetzt wurden, macht die weit an der Realität vorbeizielende Umsetzung der Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht bei den bäuerlichen Brauchtumsfesten dem gesellschaftlichen Leben im ländlichen Raum große Probleme.“ Schmuckenschlager fordert daher für die Weinfeste eine Ausnahme: „Eine vereinfachte Losungsermittlung und eine Änderung der Belegerteilungspflicht sind unumgänglich. Dabei ginge es nicht um eine steuerschonende Konstruktion, sondern schlicht um eine realitätsnahe Umsetzung und um die Rettung österreichischer Kultur und Lebensweise.“

„Wenn man dem Präsidenten der Wirtschaftskammer zuhört, will er doch die Bürokratie abbauen?“ Johannes Schmuckenschlager, Österreichischer Weinbaupräsident

Keiner wolle sich vorm Versteuern drücken. Die Winzer hätten dem Finanzamt aber ohnedies eine Erntemeldung und eine Bestandsmeldung zu liefern. Im Mittelpunkt der Weinfeste stünde die Präsentation der Weinbaubetriebe. Schmuckenschlager: „Die Feste sind nicht nur Sinnbild ursprünglicher Lebensart und Naturverbundenheit, sondern in erster Linie das Verbindungsstück zwischen Produzent und Konsument. Daher wird die Abwicklung vor Ort von den einzelnen Betrieben persönlich durchgeführt.“

10.000 Euro für mobile Registrierkassa

Eine Anschaffung einer weiteren, mobilen Registrierkassa würde die Weinbauern mit rund 10.000 Euro belasten. Da sieht Weinbaupräsident Schmuckenschlager die Feste in Gefahr: „Kosten und Nutzen stehen in keiner Weise in einem vernünftigen Verhältnis zueinander. Die Betriebe sind somit gezwungen, Feste abzusagen. Der ländliche Raum verliert so an Wertschöpfung und somit an Lebensqualität.“

Hier eine Ausnahme zu machen oder das System für die Winzer zu vereinfachen, kann für Schmuckenschlager auch nur im Sinne der Wirtschaft sein. „Wenn man Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zuhört, will er die Bürokratie abbauen. Weinfeste haben zudem noch einen Mehrfachnutzen, bringen Leute in die Region und sorgen für die Belebung des Tourismus.“

Von den Wirtschaftsvertretern kommt aber eine ganz klare Absage. Wirtschaftsbunddirektor Harald Servus: „Wir sind strikt dagegen, dass es zu Ausnahmeregelungen von der Registrierkassenpflicht für spezielle Gruppen, zum Beispiel für Weinbauern, kommt und unsere Gewerbebetriebe und vor allem unsere Wirte das Nachsehen haben. Wir fordern gleiches Recht für alle.“