Erstellt am 01. Dezember 2015, 11:45

von Ewald Baringer

Architektur aus dem Sandkasten. Der Klosterneuburger Bildhauer und Kulturpreisträger Thomas Kosma kritisiert die Stadtpolitik.

Übt heftige Kritik in Sachen Rostockvilla und auch betreffend Entwicklung des Stadtbilds: Kulturpreisträger Thomas Kosma.  |  NOEN, Foto: Wolfgang Fuchs

Die Klosterneuburger Kulturlandschaft, insbesondere die Situation der Museen, aber auch Stadtbildfragen sind Gegenstand anhaltender Kontroversen. Im NÖN-Gespräch übt nun Thomas Kosma, Bildhauer, Kulturpreisträger und Proponent des Rostockvilla-Bürgerkomitees, heftige Kritik am gegenwärtigen Umgang der Stadtpolitik mit vorhandener Bausubstanz.

NÖN: Was läuft falsch in Klosterneuburg?
Kosma: International geht der Trend zum Sanieren von Altbeständen, hierzulande ist man diesbezüglich noch sehr rückständig. Ich hätte mir auch von Stadtchef Stefan Schmuckenschlager einen ganz anderen Zugang erwartet zu ökologischem Bauen. Aber was da gemacht wird, ist Sandkastenarchitektur unter Ausnutzung jedes Kubikmillimeters. Schrecklich! Die Abkassierer schauen: Was ist noch drinnen? Das ist reiner Raubtierkapitalismus. Und das schaut dann alles entsprechend gesichtslos aus. Ich hätte gehofft, dass man es Bauträgern unmöglich macht, das Zentrum zu verschandeln. Das Gegenteil passiert. Ich frage mich: Wo ist da das Bundesdenkmalamt, wo sind Kontrollorgane, die das etwas steuern?

NÖN: Konkrete Beispiele?
Kosma: Mein Nachbarhaus in der Agnesstraße, ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, ist über Nacht weggerissen worden. Das Denkmalamt hat gemeint, es sei nicht schützenswert. Mir tut es aber leid um jedes Gewölbe, im Vergleich zu dem, was dann hinbetoniert wird. Das hat gar nichts zu tun mit modern oder unmodern, das hat zu tun mit Respekt. Auch mit Respekt vor Material und Form.
NÖN: Zur Rostockvilla, die das Land NÖ zum Kauf anbietet – ist der Zug nicht schon abgefahren?
Kosma: Das glaube ich nicht. Und wenn es leere Kilometer sind, dann zahlt man eben wieder Lehrgeld. Die Gemeinde kauft einerseits um 4,7 Millionen Euro an Steuergeldern ein kontaminiertes Grundstück und will andererseits das Geld nicht aufbringen, altes Kulturgut wie die Rostockvilla zu sanieren, die für Kunst, Lesungen, Theater hervorragenden Außen- und
Innenraum bietet. Es steht allerdings zu befürchten, dass der Denkmalschutz nun scheibchenweise“ demontiert wird. Man lässt auch jegliches Engagement totlaufen, selbst von solchen Persönlichkeiten wie Patzak, Ruzowitzky, Kitlitschka - da wird eigentlich drübergefahren.

NÖN: Das Argument der Politik besteht meist im wachsenden Bedarf an Wohnraum, der mit wachsendem Angebot gedeckt wird...
Kosma: Die Argumentation stimmt ja nicht. Das ist doch ein konstruiertes Wachstum. Und es geht auch um die Zerstörung von schönen Plätzen und kleinen Freiräumen. Da ist die Rostockvilla der letzte, der einzige! Es gibt ja sonst nichts. Die Zukunft des Essl Museums ist völlig unklar, ebenso, ob der White Cube, von dem der Kulturstadtrat spricht, in drei oder fünf Jahren oder gar nicht kommt. Es gibt keine adäquate Ausstellungsmöglichkeit für eine Stadt mit 30.000 Einwohnern. Das ist doch ein Armutszeugnis!