Erstellt am 17. Juni 2016, 05:40

"Austro-Nobelpreis" für IST-Forscher. Wittgenstein-Preisträger 2016 kommt vom IST Austria: Peter Jonas überzeugt mit grundlagenorientierter Hirnforschung.

Der Neurowissenschaftler Peter Jonas holt den mit 1,5 Millionen Euro dotierten Wittgenstein-Preis ans IST.  |  NOEN, APA/Herbert Pfarrhofer
Während andere Bierdeckel sammeln, hat Peter Jonas eine ansehnliche Kollektion restigeträchtiger Förderpreise zusammengetragen. In den vergangenen zehn Jahren erhielt der IST-Neurowissenschaftler den Leibniz-Preis, zwei „Advanced Grants“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) und nun mit dem Wittgenstein-Preis auch den „Austro-Nobelpreis“.

Im Mittelpunkt von Jonas‘ Interesse steht die Hirnforschung, speziell die Kommunikation von Hirnzellen. Das stellt, wie Jonas auf der Homepage seiner Arbeitsgruppe schreibt, „eine der größten Herausforderungen der Biowissenschaft im 21. Jahrhundert dar“.

„Hirnforschung erst am Anfang"

Denn jede einzelne der rund zehn Milliarden Nervenzellen (Neuronen) im menschlichen Gehirn bildet eine Vielzahl von Verknüpfungen. Dadurch stehen die Neuronen an „gigantisch vielen“, nämlich rund
einer Billiarde Kontaktstellen miteinander in Verbindung. Und diese Kontakt- und Kommunikationsstellen zwischen den Neuronen, die sogenannten Synapsen, sind der Forschungsschwerpunkt des IST-Wissenschaftlers, der entscheidend dazu beigetragen hat, das Zusammenspiel der verschiedenen an der Kommunikation beteiligten Membrankanäle und Transmitterstoffe zu erklären und im zeitlichen Ablauf darzustellen.

„Technologie ist der Schlüssel!“

Jonas: „Meiner Meinung nach steht die Hirnforschung erst am Anfang.“ In den vergangenen zehn Jahren seien zwar viele Fragen geklärt worden, gleichzeitig sei aber auch die Anzahl neuer Fragen „explodiert“. Obwohl seine Arbeit sehr grundlagenorientiert sei, ist es für den IST-Professor und seine etwa 15-köpfiges Forschungsgruppe ein „Fernziel“, auch Grundlagen für spätere therapeutische Anwendungen zu schaffen.

Einiges von dem, woran Jonas jetzt forscht, könnte in Zukunft zu wichtigen Erkenntnissen über psychische Erkrankungen führen. Und da setzt der Neurowissenschaftler auf Computersimulationen: „Technologie ist der Schlüssel!“