Erstellt am 04. November 2015, 05:02

von Christoph Hornstein

Bauen ohne Bauern?. Ursprünglich diente die Flächenwidmung dazu, dass Bauern Bauland agrarisch nutzen können. Jetzt werden Häuser gebaut.

Günther Riener will auch für sein Enkerl das Grüntal lebenswert erhalten und wehrt sich gegen die dichte Verbauung von Grundstücken.  |  NOEN, Hornstein

In einer Sondersitzung des Gemeinderates wurde einstimmig eine Bausperre für alle Grundstücke mit der Flächenwidmung „Bauland-Agrargebiet“ beschlossen. Der Grund für diese Maßnahme: Im Grüntal sollen gegen den Willen der dort lebenden Bevölkerung auf einem so gewidmeten Grundstück drei Wohnhäuser gebaut werden. Die Bausperre kommt für dieses Bauvorhaben freilich zu spät, denn die Pläne wurden bereits beim Bauamt eingereicht.

Günther Riener, der im Grüntal lebt, kämpft weiter gegen das Bauvorhaben. 85 Grüntaler protestieren bereits mit einer Unterschriftenliste gegen die dichte Verbauung des Grundstücks in einer Gegend, die nur aus Einfamilienhäusern besteht.

„Was hatte der Landtag vor, mit dieser Widmung?“ FP-Chef Josef Pitschko

Eine schmale Gasse führt durch das Tal, die, wird das Bauvorhaben durchgesetzt, bald 24 Autos mehr aufnehmen muss. „Das ist für uns alle, die dort leben, unvorstellbar“, ist Riener entsetzt.

Alle Flächen Klosterneuburgs sind im Flächenwidmungsplan für eine Verwendung bestimmt. Dort darf nur das geschehen, was im Flächenwidmungsplan vorgesehen ist. Das Grundstück im Grüntal hat aber eine besondere Widmung, nämlich „Bauland-Agrar“. Zum Gesetz wurde diese Widmung, damit ein Landwirt auf einem Bauland auch Agrarwirtschaft betreiben kann.

Großer Protest der Bevölkerung

Im Grüntal wurde nun von einem Bauträger ein großes „Bauland-Agrar“-Grundstück gekauft, geteilt und drei Wohneinheiten eingereicht. Der Protest der Bevölkerung zwang nun den Gemeinderat zu einer Bausperre, um Zeit zur Überarbeitung des Flächenwidmungsplans zu haben. Denn wie der Kierlinger Ortsvorsteher Johann Fanta weiß, ist „seit 30, 40 oder sogar 50 Jahren kein Bauer mehr dort.“

Für FP-Chef Josef Pitschko unverständlich: „Es mus ja einen Grund haben, warum das Bauland-Agrar heißt.“ Seiner Meinung nach muss zumindest ein agrarischer Bezug da sein. Und weiter: „Was hatte der Landtag vor, mit dieser Widmung?“

Darauf Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager: „Sinn ist, dass man im Bauland auch agrarische Betriebe führen kann.“ Das Problem sei eines der Gleichbehandlung: „Warum darf das ein Landwirt und ein anderer aber nicht?“

Planungsstadtrat Christoph Kaufmann: „Das Dilemma ist, wenn der Landwirt verloren geht, dann erlischt nicht automatisch auch die Widmung.“ Er wolle sich das aber mit Landwirten und Ortsansässigen genau anschauen und erheben, bei welchen Flächen so eine Widmung notwendig sei.

PUK brachte den Stein ins Rollen

Baudirektor Manfred Fitzthum: „Diese Widmung ist zum Beispiel dafür gemacht, damit ein Landwirt auch eine Pension errichten kann.“ Pitschko: „Es muss aber etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben.“ Fitzthum: „Das steht aber im Gesetz nicht so.“

Gemeinderat Stefan Hehberger, dessen „Plattform Unser Klosterneuburg“ (PUK) den Stein mit einem Dringlichkeitsantrag ins Rollen gebracht hat: „Wir werden uns inhaltlich dieser Bausperre anschließen.“

Stehe aber nach der Prüfung fest, dass keine agrarische Nutzung besteht, werde die PUK ganz genau darauf achten, wie die zukünftige Widmung der Grundstücke dann aussehen wird.

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