Erstellt am 23. Februar 2016, 03:09

von Ewald Baringer

Begegnung mit Folgen. "Rendezvous": Die 100. Ausstellung erinnert an die Frühzeit der Sammlung. Zukunft des Hauses noch Verhandlungsthema.

Ein wesentlicher Wegbegleiter für das Sammlerehepaar Essl ist Hermann Nitsch - hier eine „Kreuzwegstation“ aus dem Jahr 1990.  |  NOEN, Archiv Nitsch

100. Ausstellung im Essl Museum - doch das Jubiläum ereignet sich in schwierigen, weil ungewissen Zeiten. Über dem weiteren Schicksal des Hauses lastet ein großes Fragezeichen. Die von Andreas Hoffer kuratierte Ausstellung „Rendezvous“ zeigt Meisterwerke aus der Sammlung und bezieht sich beinahe wehmütig auf das erste Rendezvous des Sammlerpaars im Jahr 1959 in New York.

In den folgenden Monaten tauchten Karlheinz und Agnes Essl in New York in die Galerien- und Museenszene ein und entdeckten ihre Liebe zur Kunst. Die Fortsetzung ist bekannt: Zurück in Österreich begannen sie eine Sammlung aufzubauen, die heute zu den wichtigsten in ganz Europa zählt.

„Wenn man jung ist, ist man wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Wir saugten Kunst auf. Es wurde eine Leidenschaft, die uns bis heute nicht losgelassen hat“, so Karlheinz Essl, der sich an viele Begegnungen mit Künstlern erinnert, beim Pressetermin vor der Ausstellungseröffnung.

Rendezvous fanden aber auch zwischen Künstlern selbst statt, etwa zwischen Maria Lassnig und Arnulf Rainer in Paris. Imaginäre Stelldicheins werden arrangiert: zwischen Max Weiler und Cecily Brown, Martha Jungwirth und Asger Jorn, Kurt Kocherscheidt und Antoni Tapies.

Ungewisser Ausgang - gibt es ein Happy End?

Wechselnde Rendezvous mit ungewissem Ausgang bilden den Abschluss im letzten Ausstellungsraum. Dazu werden Freunde der Sammlung Essl eingeladen, zwei Werke im Depot auszusuchen und diese in einem Ausstellungsraum aufeinandertreffen zu lassen. Den Beginn haben Agnes und Karlheinz Essl selbst gemacht, Eva Rossmann, Erwin Steinhauer und Chris Lohner folgen.

Wie aber geht es nun nach dem bauMax-Ende weiter mit dem Essl Museum? Die Sammlung selbst sei „zum Glück gesichert“, ist Essl nach wie vor froh über den Einstieg des Industriellen Hans Peter Haselsteiner. Den Museumsbetrieb habe man bisher mit hauseigenen Mitteln bewältigt. Ohne Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand wird das allerdings künftig kaum mehr möglich sein. Essl ist allerdings zuversichtlich, was ein positives Ergebnis der laufenden Gespräche betrifft. Man sei in Verhandlungen mit Bund und Land NÖ, das allerdings in Krems zurzeit selbst ein weiteres Museum für zeitgenössische Kunst baut. Ein „Happy End“ ist offensichtlich derzeit nicht absehbar.

Die „Rendezvous“-Ausstellung soll jedenfalls bis 22. Jänner nächsten Jahres zu sehen sein. Bis 6. März 2016 gibt noch die Schau „Diversity of Voices“ Einblicke in die junge Kunstszene Zentral- und Südosteuropas. www.essl.museum .