Klosterneuburg

Erstellt am 22. August 2016, 12:54

von Christoph Hornstein

Kehrer: „Grundlose Panikmache“. Dem Vorwurf von Zuklin, durch die neue Ausschreibung Nachteile zu haben, kann Verkehrsstadtrat Kehrer nichts abgewinnen.

Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer (PUK) versteht die Sorgen der Klosterneuburger Busunternehmerin Zuklin nicht.  |  noen, privat

Die Frage, welches Busunternehmen in Zukunft das Busnetz in Klosterneuburg betreiben wird, soll nächstes Jahr geklärt werden. Es gibt eine europaweite Ausschreibung. Für Sabine Zuklin – Chefin der derzeitigen Betreiberfirma – ist diese Ausschreibung nicht gerecht, denn sie hat durch den Standort mit Werkstätte in Klosterneuburg zusätzliche Fixkosten, die andere Mitbewerber nicht haben (Die NÖN berichtete).

Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer versteht die Aufregung nicht: „„Wir haben die neue Ausschreibung unter Einbeziehung der Kundenwünsche erarbeitet und uns strikt nach deren Bedürfnissen orientiert. Schließlich geht es um Millionen an Steuergeldern. Dass die Ausschreibung nun für alle Busanbieter offen ist, ist ja wohl die fairste Lösung und im Interesse aller und entspricht auch dem Bundesvergabegesetz.“

Der Vergabemodus mittels Ausschreibung sei heutzutage eine Selbstverständlichkeit, um Qualitätsstandards zu garantieren, und funktioniere innerhalb des Verkehrsverbunds Ost Region (VOR) bestens. „Abgesehen von der Festlegung der Preise sind nun auch erstmals Sanktionen möglich, wenn der Busunternehmer vertragsuntreu wird, das ist ein großer Fortschritt im Sinne der Fahrgäste und der Gemeinde“, so Kehrer.

Qualitätsstandards für Busse

Bisher wurde ein Unternehmer direkt beauftragt, aber ohne Qualitätssicherheit und ohne genauen Anforderungskatalog. „Eigentlich hat der Auftraggeber, nämlich Gemeinde und Verkehrsverbund, nur das Grundnetz vorgegeben, zusätzliche Kurse erfolgten dann oft nach den Vorstellungen des Busunternehmers. „Diese Kurse orientierten sich dann erfahrungsgemäß leider eher am eigenen betriebswirtschaftlichen Vorteil als an den Kundenbedürfnissen“, so Kehrer.

Dass der VOR die Planung innehat und nicht die Buslinien, ist für Kehrer daher absolut notwendig. Nun hat der Verkehrsstadtrat unter Einbeziehung der Klosterneuburger Bürger und in Kooperation mit der Gemeinde einen detaillierten Anforderungskatalog formuliert. Darin enthalten ist beispielsweise eine gute Abstimmung der Buszeiten bei den Umsteigestellen, ausreichend Platz für Kinderwägen sowie übersichtliche Informationstafeln an den Haltestellen.


Öffis für alle attraktiv machen

Dass – wie von mehreren Stimmen befürchtet – nur noch ausländische Busunternehmen in Klosterneuburg verkehren werden, entbehrt laut Kehrer jeglicher Realität. „Welcher Betreiber kann sich so lange Anfahrten mit dem Bus erlauben? Ein Standort in der Nähe ist das Um und Auf für den effizienten Betrieb der Linien.“
Und dass das Busunternehmen Zuklin gegen eine öffentliche Ausschreibung protestiert, verwundert den Verkehrsstadtrat ebenso: „In anderen Gemeinden hat Zuklin sich ja aktuell an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt und sogar Aufträge erhalten, und in der eigenen Gemeinde möchte sie sich einem fairen Prozedere nicht unterwerfen? Das ist erstaunlich.“

Kehrer abschließend: „Unser Ziel ist ganz klar, die große Chance zu nutzen, die sich durch eine Ausschreibung und dadurch eine Neustrukturierung des Busnetzes in Klosterneuburg ergibt, und den Öffis in Klosterneuburg jenen Qualitätsschub zu geben, den sie brauchen. Denn mit dem Auto nach Wien zu fahren, wird dank Park-
pickerl künftig immer schwieriger. Daher müssen wir den Umstieg attraktiver machen.“