Erstellt am 01. Juni 2016, 06:05

von Martin Gruber-Dorninger

"Dann lassen wir es halt unten". Bürgerproteste gegen Bauvorhaben auf Areal der alten Feuerwehr trugen Früchte. Bürgermeister lenkt bei Bauhöhe ein.

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, Adolf Heinrich, Ortsvorsteher Karl Josef Weiß und Klosterneuburgs Baudirektor Stellvertreter Peter Neubauer (v. l.) schauten sich die Pläne noch einmal ganz genau an.  |  NOEN, Martin Gruber-Dorninger

Na, das war vielleicht ein Aufruhr. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager stellt sich alljährlich den Wünschen und Beschwerden der Bevölkerung im Zuge von „Offen gesagt“ in den Katastralgemeinden.

Dieses Mal war das Ortszentrum in Weidling Schauplatz und das Hauptthema zweifelsohne die Bebauung und Widmung der Fläche, auf dem derzeit noch das alte Feuerwehraus steht.

Das alte Feuerwehrhaus kommt weg, ein Wohnhaus mit Geschäftslokalen im Erdgeschoß soll an selber Stelle entstehen (die NÖN berichtete).

Dazu kommt, dass sich die NÖ Bauordnung kürzlich verändert hat. Mit Widmung des Baufeldes, rund um das alte Feuerwehrhaus, wollte man diesem gleich in einem Aufwasch entsprechen.

Bauklasse IV sorgt für Unmut

Auf diesem Baufeld stehen ältere Gebäude, die nach neuem Bebauungsplan der Bauklasse IV entsprechen würden, derzeit aber noch Bauklasse III, nach altem Bebauungsplan gewidmet sind.
 

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Das geplante Wohnhaus sollte dann neu Bauklasse IV haben und genau da lag der Hund für die Weidlinger bei „Offen gesagt“ begraben.


„Es geht uns nicht darum, dass dort etwas gebaut wird. Nur darum, dass es nicht zu hoch sein soll und das Ortsbild von Weidling verschandelt“, bringt es Irene Edtmayer auf den Punkt und forderte die Bauklasse III für das neue Haus.

„Lassen wir einmal Bauklasse IV zu, dann ist hohen Bauten künftig in Weilding Tür und Tor geöffnet“, befürchtete ein anderer Besucher der Veranstaltung. „Das nenn ich Diktatur, wenn dem mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung nicht stattgegeben wird“, drückte es Freddie Schwardtmann voller Pathos aus.

Eine Anrainerin des Baufeldes zeigte sich besorgt wegen eines vermeintlichen Parkplatzmangels, ein anderer Gast fühlte sich in Weidling ohnehin schon zu beengt.

Emotionale Diskussion führt zu Erfolg

Ortsvorsteher Karl Josef Weiß beruhigte die Diskussion, Baudirektor Stellvertreter Peter Neubauer versuchte sich in baurechtlichen Erklärungen, Stadtrat Roland Honeder stand ihm zur Seite und Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager beantwortete eine Frage nach der anderen.

Das alles nutzte nichts, es brandete abermals eine hitzige, sehr emotionale Diskussion auf. Dann lenkte der Stadtchef ein und sagte: „Na gut, dann lassen wir es halt unten.“ Und meinte damit die Bauklasse für das geplante Wohnhaus, das statt der Feuerwehr entstehen sollte. Dieses Mal brandete Applaus für den Bürgermeister auf.

Irene Edtmayer ergänzte in einem offenen Brief: „Wir wünschen uns sehr, dass die gemeinsame konstruktive Arbeit zwischen Politik, Gemeinde und Bevölkerung weiter gedeihen kann.“

Bauhöhe soll auch zukünftig beschränkt werden

Schmuckenschlager versprach sich im Gemeinderat für eine Beibehaltung der maximalen Bauhöhe III für das ganze Areal bei der alten Feuerwehr einzusetzen. „Wenn Pläne für Menschen nicht nachvollziehbar sind, soll man die Pläne ändern und nicht versuchen die Menschen zu ändern“, erklärt Schmuckenschlager im Gespräch mit der NÖN.

Bei „Offen gesagt“ wurden auch noch weitere Themen angesprochen. So soll es auch künftig keine Gebäude mit Bauklasse IV in Weidling geben, ein Verkehrskonzept erarbeitet und präsentiert werden, sowie Parkplätze geschaffen werden.

Über die Furt in der Feldergasse soll weiterhin keine Brücke gebaut, das Fahrverbot aufrecht bleiben und eine dauerhafte Durchfahrtsverhinderung angedacht werden.