Erstellt am 12. Mai 2016, 05:14

von Claudia Wagner

"Diebstahl am Rande der Legalität". SP-Obmann Stich unterstellt Turnern gesetzeswidriges Verhalten. Staatsanwalt Friedrich Köhl: "Es liegt kein Diebstahl vor".

Nur liegend schmückte der Maibaum der SPÖ das Volksheim. Denn der Männerturnverein entwendete den Baum, bevor er aufgestelllt werden konnte. Ortsparteiobmann Stich sieht »falsches Verständnis von Brauchtum«. Staatsanwaltschaft klärt auf: Da nichts beschädigt und Baum zurückgebracht wurde, liegt kein Diebstahl vor.  |  NOEN, Wagner

Den Tag der Arbeit feierte die SPÖ ohne Maibaum. Denn der wurde in der Nacht auf den 1. Mai vom Männerturnverein entwendet (die NÖN berichtete). Während sich die jungen Turner ins Fäustchen lachten, verging den SP-Politikern der Spaß. Verständnis für die Aktion haben die Roten nicht.

Und auch von Tradition will Ortsparteiobmann Christoph Stich nichts hören: „Der Diebstahl unseres Maibaums stellt keine Heldentat, sondern ein falsches Verständnis von Brauchtum dar.“ Jeder könne sich selbst ausrechnen, „woher dieser Anschlag auf eine friedliche Maikundgebung kommt“, so Stich weiter.

Nur wenige Stunden blieb der Maibaum in den Klauen der jungen Turner. Noch am Sonntagvormittag brachten sie das „Diebesgut“ zurück zum Volksheim. Da hätten die Burschen zwar einen netten Eindruck auf den Ortsparteiobmann gemacht, das Entwenden des Maibaums prangert er trotzdem an: „Sie haben sich zumindest am Rande der Legalität bewegt.“

„Sie haben den Baum ja zurückgegeben und nichts beschädigt. Also handelt es sich nicht um Diebstahl.“ Friedrich Köhl, erster Staatsanwalt

Dieser Fall wurde bei der Polizei nicht gemeldet. Hätte sich die SP an die Exekutive gewandt, müsste Chefinspektor Georg Wallner eine Anzeige entgegennehmen. „Dazu sind wir verpflichtet“, erklärt der Polizist. Alles Weitere liege aber nicht mehr in seiner Macht. Denn ob hier nun ein traditioneller Streich oder doch ein Verbrechen vorliege, könne die Exekutive nicht entscheiden, nur die Staatsanwaltschaft.

Kein Diebstahl ohne Zueignungsabsicht 

Und dafür wäre das Korneuburger Gericht zuständig. Maibaum-Diebstähle seien vor den Korneuburger Richtern schon verhandelt worden, in diesem Fall sieht der erste Staatsanwalt Friedrich Köhl jedoch keinen Diebstahl – aber nicht wegen Brauchtums, wie es ein gängiger Irrtum besagt.

„Grundsätzlich kann auch das Wegnehmen von Maibäumen ein Diebstahl sein. Das setzt voraus, dass eine Zueignungsabsicht vorliegt“, so der Jurist. Die Turner hätten sich den Maibaum aber nicht behalten wollen. „Sie haben den Baum ja zurückgegeben und nichts beschädigt. Also handelt es sich nicht um Diebstahl“, schließt der Staatsanwalt.