Erstellt am 16. Dezember 2015, 00:03

von Christoph Hornstein

Entenjagd vor dem Flüchtlingsquartier. 250 Meter vor Asyl-Kaserne werden in Jagdgebiet des Stifts Enten geschossen. Unzumutbar für traumatisierte Flüchtlinge?

 |  NOEN, Symbolbild
Wo gejagt wird, wird geschossen. Dass dieser Umstand manchmal bei der Bevölkerung nicht sehr gut ankommt, ist bekannt. Nun wird aber in einem ganz sensiblen Umfeld der Jagdlust gefrönt. Auf der „Liebesinsel“, 250 Meter vom Flüchtlingsquartier Magdeburgkaserne, wurde letzten Freitag auf Enten Jagd gemacht. Das rief bei den Anrainern Empörung hervor. „Vielleicht kann die NÖN helfen, dort zu jagen finden wir nämlich entbehrlich.“

Am Treppelweg von der Kaserne zum Strandbad gehen täglich mehrere hundert Spaziergänger. In oft weniger als hundert Meter Entfernung von diesem Weg und etwa hundert Meter Entfernung vom Wohngebiet schießen seit einigen Tagen Jäger auf Enten. „Ich musste beobachten, wie eine Gruppe von Flüchtlingen erschrocken zusammen gezuckt ist, als wenige Meter von ihnen entfernt geschossen wurde, die verfielen regelrecht in Panik“, erzählt Spaziergängerin Sabine Zuklin-Pollany.

"Sehe Flüchtlingsthema kritisch"

„Ich sehe das Flüchtlingsthema durchaus auch kritisch, aber das ist nun wirklich nicht notwendig. Ein Teil der Flüchtlinge sind jedenfalls Menschen, die genau vor diesen Schüssen in ihrem Heimatland geflohen sind und sich jetzt Frieden erhoffen.“ Wenn sogar sie sich fürchten, dort spazieren zu gehen, wenn die Jäger wieder unterwegs sind, kann man sich vorstellen, wie es diesen Kriegsflüchtlingen geht.

Auch einige Kinder, die nichts ahnend dort spazieren gegangen seien, sollen hysterisch zu weinen begonnen haben. Und Zuklin-Pollany weiter: „So viele Enten gibt es dort nicht, und es gibt wirklich andere Orte, an denen die Jagd weniger gefährlich ist. Ist es notwendig, dort zu jagen und andere Menschen zu gefährden, traumatisierte Flüchtlinge nicht zur Ruhe kommen zu lassen – für ein paar Enten?“

Rechtlich gibt es keinen Einwand

Die NÖN erkundigte sich bei der Bezirkshauptmannschaft. Es handelt sich um ein Eigenjagdgebiet des Stifts Klosterneuburg, und die Jagd wird schon seit Jahren durchgeführt. Jagdtermine werden der Polizei immer vorher gemeldet, so auch am Freitag. Es wurden heuer bereits einige derartige Jagden durchgeführt. Bezirkshauptmann Andreas Strobl: „Verstöße gegen rechtliche Bestimmungen liegen keine vor. Eine bessere Information der Anrainer wäre empfehlenswert gewesen.“

Stifts-Pressesprecher Walter Hanzmann: „Die Jäger sind verantwortlich dafür, durch die Jagd niemanden zu gefährden. In Zukunft werden wir unseren Jagdpächtern empfehlen, besonders die Asylwerber von der Jagd zu informieren.“