Erstellt am 06. April 2016, 11:59

von APA/Red

Essl Museum stellt Ausstellungsbetrieb ein. Das Essl Museum in Klosterneuburg stellt mit 1. Juli 2016 den Ausstellungsbetrieb ein.

NOEN, Essl
Die Finanzierung sei trotz aller Bemühungen nicht mehr möglich, sagte Karlheinz Essl am Dienstag anlässlich der Presseführung zur Schau "Body & Soul", die am Abend eröffnet wird.

Das Museum war aufgrund der finanziellen Probleme der baumax-Kette von Museumsgründer Karlheinz Essl in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner hatte sich schließlich über eine Stiftung an der Kunstsammlung Essls beteiligt und einen "sparsameren Museumsbetrieb" angekündigt.

Museum weiter Depot für Essl-Sammlung

Karlheinz Essl stellt klar: „Das Land Niederösterreich hatte sich bereit erklärt, einen wesentlichen Beitrag zu leisten, wenn der Bund Mittel im selben Ausmaß zur Verfügung gestellt hätte. Leider hat es von Seiten des Bundes keine positive Zusage gegeben. Ich bedaure es sehr, aber diese Situation zwingt uns nun, den Ausstellungsbetrieb zu schließen. Die Sammlung Essl wird daher ab Juli 2016 nicht mehr sichtbar für die Menschen sein.“
 
Und weiter: „Die Sammlung Essl selbst bleibt von der Schließung des Ausstellungsbetriebes unberührt. Das Essl Museum wird weiterhin als Depot für die Sammlung Essl genützt.“

Essl dankt Besuchern, Künstlern und Mitarbeitern

„Ich möchte mich bei allen Besucherinnen und Besuchern, die uns über die Jahre hinweg treu waren, herzlich bedanken. Den Künstlerinnen und Künstlern danke ich für das Vertrauen und die hervorragende Zusammenarbeit, die zu unvergesslichen Ausstellungen geführt haben", so Essl. "Mein ganz besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Essl Museums, die immer ihr Bestes gegeben und wesentlich zum Erfolg beigetragen haben."

Bis einschließlich 30. Juni ist das Essl Museum noch geöffnet. Im Rahmen eines großen Finales mit zahlreichen Kunstvermittlungs- und Kulturangeboten will man noch einmal die Vielfalt des Essl Museums aufleben lassen.

Familie trug 17 Jahre lang alle Kosten

"Die Familie Essl hat den Bau des Essl Museums und alle laufenden Kosten für Betrieb und Ausstellungen 17 Jahre lang aus eigenen Mitteln finanziert. Dies ist nun leider nicht mehr möglich", begründete Karlheinz Essl die mit Juli angekündigte Schließung des Hauses, nachdem eine Finanzierungszusage des Bundes ausgeblieben war.

Im Rückblick auf die Entwicklung des 1999 eröffneten Ausstellungshauses - "es war eine aufregende Zeit" - verwies Essl auf viele maßgebliche Schauen wie etwa die weltweit erste Ausstellung der neuen Leipziger Schule oder "Blut & Honig - Zukunft ist am Balkan". Die Kunstvermittlung sei eine Säule der Aktivitäten des "offenen Hauses" gewesen, seit 1999 wurden Konzerte Neuer Musik aufgeführt, ab 2011 kam eine Schiene für aktuelle Literatur dazu.



Essl hob weiters die Bedeutung des Essl Art Award CEE für die junge Kunstszene sowie die Zusammenarbeit mit großen und kleinen Museen weltweit hervor. Auf seinen Reisen habe er die internationale Wertschätzung des Klosterneuburger Museums, das auch von der Wissenschaft als Kompetenzzentrum anerkannt worden sei, erfahren.

"Viele innovative Projekte konnten wir nur durchführen, weil wir all die Jahre unabhängig und privat waren", betonte Essl, dass man frei und flexibel - ohne politischen Einflüsse - agieren konnte. Die Kunst brauche solche Felder, wo es keine Zwänge gebe, wo die Programmatik nicht von den Gesetzen des Marktes oder von Besucherzahlen bestimmt wird, zeigte er sich überzeugt. Vorrangiges Ziel sei es gewesen, den Menschen durch Kunst Freude zu bereiten.

"Unser Herz schlägt nach wie vor für die Kunst"

"Meine Frau und ich werden auch weiterhin aktiv am Kunstgeschehen teilnehmen, denn unser Herz schlägt nach wie vor für die Kunst“, so Essl.

Das Wiener Künstlerhaus ist für ihn kein idealer Ort, um nach der Schließung seines Museums in Klosterneuburg künftig seine Sammlung zu präsentieren. "Das Künstlerhaus kann man ja mit dem Essl Museum überhaupt nicht vergleichen", sagte Essl am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal".

"Der Ball liegt bei der öffentlichen Hand"

Bekanntlich wird das Künstlerhaus von Hans Peter Haselsteiner, der mit seiner Stiftung auch 60 Prozent an der Sammlung Essl hält, renoviert und soll ab Herbst 2018 mit heimischer Kunst nach 1945 bespielt werden.

"Das Künstlerhaus ist eine Ausstellungshalle, das Essl Museum ist ein Sammlungsmuseum", so Essl mit Verweis auf die bis zu zehn Ausstellungen, die das Essl Museum pro Jahr realisiert hat. Das Künstlerhaus sei zu klein und würde darüber hinaus lediglich drei oder vier Ausstellungen pro Jahr machen können. Personalen wie im Essl Museum seien in diesem Umfang nicht möglich.

Dass sein Museum künftig nur als Depot dienen soll, will Karlheinz Essl selbst noch nicht richtig wahrhaben. Das von Heinz Tesar errichtete Museum sei "ja eine Architekturikone mit den schönsten Ausstellungsräumen der Welt". Zudem habe man zugleich über ein Depot verfügt.

"Die meisten Häuser in der Welt sind Kunsthallen, die immer irgendwo ihre Sachen zusammentragen müssen. Wir können auf unseren Fundus zurückgreifen." Er selbst sei jedenfalls am Ende seiner Möglichkeiten angelangt, das Museum weiter zu betreiben. "Der Ball liegt jetzt ganz eindeutig bei der öffentlichen Hand."

Haselsteiner gibt er an der Schließung keine Schuld: "Doktor Haselsteiner hat immer erklärt, dass er mit dem Essl Museum nichts zu tun hat - das wäre meine Angelegenheit. Okay. Das habe ich auch zur Kenntnis genommen", so Essl, der klar sagt: "Es liegt mehr oder weniger am Verständnis des Bundes, ein Museum, das jetzt 17 Jahre von uns, von meiner Frau und von mir eben betrieben worden ist. Wir haben alles getan, was wir tun konnten."
 

Essl Museum eröffnete mit "BODY & SOUL" seine vorletzte Ausstellung

Standing Ovations und lang anhaltender Applaus für den Museumsgründer und Sammler Karlheinz Essl: Im Essl Museum ist am Dienstagabend mit "BODY & SOUL" die vorletzte Ausstellung vor der mit Juli angekündigten Schließung des Hauses eröffnet worden - eine allerletzte folgt noch am 4. Mai mit "Die Sammlung eSeL", einem partizipativen Ausstellungsprojekt von Lorenz Seidler.

Essl dankte den Besuchern, die das Privatmuseum mit dem Fokus auf österreichische Kunst nach 1945 auch im internationalen Kontext 17 Jahre lang mit Leben erfüllt hätten, ebenso wie den Künstlerinnen und Künstlern für die "vielen schönen Momente, die wir mit ihnen teilen durften." Er wiederholte seine Aussagen vom Vormittag, wonach die Familie die Kosten nicht mehr tragen konnte, eine Teilfinanzierung der Ausstellungstätigkeit durch den Bund aber leider nicht zustande gekommen sei.

"Kunst ist etwas, das bleibt"

Mit dem 1999 eröffneten Museum sollte der in Jahrzehnten aufgebauten Sammlung ein Zuhause gegeben werden, um die Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, betonte Essl. Die Programme seien gut angenommen werden, verwies er auf die Kunstvermittlung auch im musikalischen und literarischen Bereich, Highlights wie u.a. "China now" oder Personalen zu Alex Katz oder Georg Baselitz sowie insbesondere die Förderung junger Kunstschaffender.

Andreas Hoffer, der zusammen mit Viktoria Calvo-Tomek "BODY & SOUL" kuratiert hatte, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass andere Institutionen den Weg des Museums, junge Künstler zu fördern, weiterführen werden. Die Schau rund um Körper und Seele umfasst rund 100 Werke aus der Sammlung, vom klassischen Akt bis zum Video, gegliedert in Themenbereiche wie u.a. "Mannsbilder", "weibliche Identitäten", "Lust und Leid" oder "die gequälte Seele".

Unter den Besuchern dieser vorletzten Eröffnung war auch Architekt Heinz Tesar, der das Ausstellungshaus in Sichtweite des Augustiner-Chorherrenstiftes einst geplant hatte. "Open Days" wird es in der finalen Woche Ende Juni geben. So sehr er das Aus für das Museum, das weiter als Depot für die rund 7.000 Exponate dienen soll, bedaure, es bestehe kein Grund zur Trauer, meinte Essl abschließend: "Kunst ist etwas, das bleibt."