Erstellt am 17. März 2016, 14:44

von Claudia Wagner

gekrönten Kaiserhäupter. Die Erbhuldigung – der Treue-Eid auf den Herrscher – und das heilige Juwel sind im Fokus der Jahresausstellung in der Stifts-Schatzkammer.

Der Erzherzogshut war ursprünglich dazu gedacht, den Schädel Leopolds zu bekrönen. Der Hut ist aber zu schwer  |  NOEN, zVg

Anmut, Eleganz und Erhabenheit strahlt der Erzherzogshut in der Vitrine der Stifts-Schatzkammer aus. Weniger glanzvoll ist da die Bezeichnung – denn den Namen trägt der Hut zu Unrecht. Der Titel „Erzherzog“ ist nämlich erschwindelt: „Rudolf der Stifter hat für die Habsburger eine Vormachtstellung innerhalb der deutschen Reichsfürsten beansprucht. Und diese meinte er zu erzielen, indem er ein Dokument – das berühmte Privilegius maius –  gefälscht hat“, erzählt Stifts-Kurator Wolfgang Christian Huber.

In dieser falschen Schrift taucht erstmals der Titel „Erzherzog“ auf, ebenso wie die besonderen Rechte, die diesem Herrscher zustehen. Durch das Privilegius maius ist dem Erzherzog auch erlaubt, eine besondere Krone – den Erzherzogshut – zu tragen. Das Spezielle an dem Hut ist, dass er zwei Elemente in sich vereint: den herrschaftlichen Hut eines Herzogs sowie Zackenkranz und Bügel, die an sich einer Königskrone vorbehalten waren.

Was eigentlich mit einer Fälschung – mit dem Privilegius maius – begann, wurde 100 Jahre später von Kaiser Friedrich III. zum geltenden Recht erklärt. Die Herrscher sowie alle männlichen und weiblichen Nachkommen durften sich dann also auch offiziell „Erzherzog“ nennen.

Jubiläumsausstellung inklusive Erbhuldigung

Den Hut trugen aber nur die Regenten, nämlich bei der Erbhuldigung. „Das ist die Zeremonie, wo der Erzherzogshut offiziell in Funktion trat“, verdeutlicht der Kurator. Bei den Huldigungen schworen die Vertreter aller niederösterreichischen Körperschaften ihre Treue auf die neuen Herrscher und bekamen im Gegenzug ihre Privilegien bestimmt. Diesen Akt können Schatzkammer-Besucher in der großen Jubiläumsausstellung nacherleben. Bücher und Kupferstiche dokumentieren die Erbhuldigungen von Joseph I., Karl VI. und Maria Theresia, als einzige gehuldigte Frau.

Und da ist jedes kleinste Detail der Zeremonie vermerkt: die Abholung des Erzherzogshuts am Vortrag, die Prozession über den Graben, die Messe im Stephansdom sowie die Festtafeln und die Ämter der anwesenden Personen. Die Erbhuldigung ist aber nur ein Teil von „400 Jahre Krone für Österreich“.

„Der Erzherzogshut war ursprünglich dazu gedacht, die Schädelreliquie Leopolds zu bekrönen.“ Wolfgang Christian Huber, Kurator der Erzherzogshut-Ausstellung

Im Fokus steht das Juwel aus Samt, Hermelin und Edelsteinen selbst, das auch heute noch an seinem rechtmäßigen Platz verweilt. Maximilian III., ein jüngerer Bruder Kaiser Rudolfs II., stiftete den Erzherzogshut mit dem Auftrag, dass die Krone in unmittelbarer Nähe von der Grabstätte des heiligen Leopolds im Stift aufbewahrt werden muss.

Diese Nähe wurde anfangs sogar sehr streng genommen, so Huber: „Der Hut war ursprünglich dazu gedacht, die Schädelreliquie Leopolds zu bekrönen. Man hat ihn aber sehr schnell wieder vom Schädel hinuntergenommen, weil der Hut viel zu schwer ist.“

Noch bis 15. November können Besucher der Stifts-Schatzkammer das majestätische Landesjuwel bestaunen.

Fakten zum Erzherzogshut

  • Bei zehn Erbhuldigungen wurde der Erzherzogshut von 1620 bis 1835 eingesetzt: Ferdinand II., Ferdinand III., Ferdinand IV. (starb vor seiner Krönung), Leopold I., Joseph I., Karl VI., Maria Theresia (bei ihrem Sohn Joseph II. wurde keine Erbhuldigung durchgeführt, da Joseph II. Zeremonien verabscheute), Leopold II., Franz II. (Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, später: Franz I., Kaiser von Österreich) und Ferdinand V. Bei Kaiser Franz Joseph wurde aufgrund der Revolutionen von 1848 auf eine Erbhuldigung verzichtet.

  • Den letzten offiziellen Auftritt hatte der Erzherzogshut 1989 beim Begräbnis von Zita, der letzten Kaiserin Österreichs.

  • Als heilige Landeskrone des Erzherzogtums Österreich ist der Erzherzogshut der heiligen ungarischen Stephanskrone und der heiligen böhmischen Wenzelskrone ebenbürtig.

  • Laut Stiftungsauftrag von Maximilian III. durfte der Erzherzogshut das Stift nur für die Erbhuldigung für maximal 30 Tage verlassen. In seiner Amtszeit erließ Joseph II. aber, dass alle Kronen der Habsburger nach Wien gebracht werden. Das Stift gab den Erzherzogshut nur unter Protest ab.

  • Papst Paul V. verfügte in der Bulla Pauli, dass jeder, der versucht, den Hut vom rechtmäßigen Ort im Stift zu entfernen, exkommuniziert wird.

  • Die Werkstatt des Juwels aus Samt, Hermelin, Rubinen, Smaragden, Perlen und einem Saphir ist nicht bekannt. Spuren führen nach Russland.