Erstellt am 25. November 2015, 05:03

von Martin Gruber-Dorninger

Grüntaler werden kämpfen. In Bürgerbeteiligung sprachen verzweifelte Grüntaler vor und hoffen auf Hilfe von Baubehörde. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager: „Bausperre soll ,Hintertürl’ schließen.“ / 

Martin Eppschwandtner, Claudia Ziegler, Eva Mestan, Bernhard Roider sowie Elisabeth und Günther Riener (v.l.) brachten in der Gemeinderatssitzung, im Zuge der Bürgerbeteiligung, ihr Anliegen vor.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

Das hat es im Gemeinderat schon lange nicht gegeben. Etwa 30 Anrainer des Grüntals nutzten die letzte Gemeinderatssitzung, um im Rahmen der Bürgerbeteiligung ihr Anliegen vorzutragen. Es geht um ein Bauprojekt, das, nach Meinung der Grüntaler, nicht bewilligt werden dürfte.

Der Zuschauerraum im großen Sitzungssaal des Rathauses war zum Bersten gefüllt, eine Gruppe verzweifelter Anrainer suchte Unterstützung. Claudia Ziegler, selbst Architektin, und Initiator Günther Riener ergriffen das Wort. Üblicherweise bleiben diese Reden vom Gemeinderat unkommentiert. Die Opposition bestehend aus Grünen, FPÖ und PUK beantragten, die Bürgerbeteiligung zu debattieren. „Man kann sie nicht mit nichts nach Hause schicken“, so Sepp Wimmer.

„Monsterbau“ auf Bauland-Agrar?

Hintergrund: Im Grüntal soll ein neues Bauprojekt realisiert werden. Die Besonderheit an diesem Fall ist, dass das Grundstück, das die Haring Group besitzt, als „Bauland Agrar“ gewidmet ist. Darauf sind pro Parzelle vier Wohneinheiten beziehungsweise 40 Prozent der Grundstücksfläche zur Bebauung gestattet. „Es wurden drei Grundstücke gekauft, diese dann im Jänner umgeteilt, damit sie besser bebaubar werden“, erklärt Ziegler, die befürchtet, dass dort eine Wohnhausanlage mit zwölf Wohneinheiten entstehen soll. Nicht nur die Dimension des „Monsterbaus“ schreckt die Bürger, sie halten das Bauprojekt auch für rechtswidrig.

„In Klosterneuburgs Entwicklungskonzept ist festgehalten, dass große Wohnhausanlagen in Randgebieten mit schlechter Verkehrsanbindung unerwünscht sind“, führt Ziegler aus. Außerdem seien „Wohnhausanlagen“ im Bauland Agrar unzulässig und vier Wohneinheiten pro Grundstück nur bei passendem Umfeld zulässig.

Architekt Emanuel Baumgartner von der Haring Group versteht die Aufregung nicht: „Egal, wo in Klosterneuburg gebaut wird, es wird protestiert.“ Außerdem habe man die zulässige Maximalhöhe und Bebauungsfläche nicht zur Gänze ausgenützt. „Wir planen auf vier Parzellen drei Wohneinheiten. Diese bestehen aus zwei Reihenhäusern und einem Terrassenhaus,“ so Baumgartner.

„Egal, wo in Klosterneuburg gebaut wird, es wird protestiert.“ Emanuel Baumgartner, Architekt

Enttäuschung macht sich bei den Anrainern breit, da ihrer Meinung nach die Baubehörde das Bauprojekt hätte ablehnen müssen. Dieser Meinung schließt sich auch die PUK an: „Es ist eine Kombination von zwei jahrelangen Gemeindeversäumnissen“, so Stefan Hehberger in der Gemeinderatssitzung. Seiner Meinung nach würde vom Bauträger ein Gesetzesschlupfloch ausgenutzt. Außerdem sei die sogenannte „Nuller-Regelung“ zur Anwendung gekommen. „Darin wird es ermöglicht, mehrere Flächen zusammenzulegen, um dann neuerlich zu zerteilen“, erklärt Gemeinderat Stefan Hehberger.

Bürgermeister Schmuckenschlager bezieht Stellung: „Die Stadtgemeinde agiert hier in einem behördlichen Verfahren. Dabei ist die Gesetzeslage und nicht der politische Wille entscheidend.“ Die Stadtgemeinde wolle in diesem Gebiet keine dichte Verbauung. „Nur durch das ,Hintertürl’ der Sonderwidmung Bauland-Agrar wurde dies möglich“, so Schmuckenschlager, der auf diesen Fall reagierte und umgehend eine Bausperre auf alle verbleibenden gleichen Widmungsarten legte.

Die Anrainer des Grüntals wollen gegen das Projekt „Kampfmaßnahmen“ ergreifen und im Internet ( www.initiative-gruental.at ) auf ihr Problem aufmerksam machen.