Erstellt am 27. Juli 2016, 05:29

von Martin Gruber-Dorninger

„Übergang war gut“ . Johannes Kehrer und sein Vorgänger, Willi Eigner, im NÖN-Gespräch.

 |  NOEN

14 Ressorts gibt es in Klosterneuburg. Die NÖN führte mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr, Johannes Kehrer von der PUK, ein Interview – und das gleichzeitig mit seinem Vorgänger, Willi Eigner (ÖVP), der gleichzeitig auch Abgeordneter zum Landtag ist. Was den Reiz des Verkehrs in Klosterneuburg ausmacht und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt, verraten die beiden im NÖN-Gespräch.

Wie schwer ist es, in Klosterneuburg Verkehrsstadtrat zu sein, wo alles schon so gewachsen ist?
Willibald Eigner: Natürlich ist es schwer in einer Stadt, wo vieles festgelegt ist, einzugreifen. Vor allem wenn man ein Ressort über hat, das nicht so dotiert ist, wie viele andere. Damit haben wir immer gekämpft. Wir wollten Straßen sanieren, und es hing oft vom Finanziellen ab. Es gibt einen langfristigen Zeitplan, den man nach Notwendigkeiten abarbeitet. Die Arbeit ist in der letzten Zeit nicht leichter geworden.
Johannes Kehrer: Eigentlich hat Klosterneuburg durch die drei Täler eine ideale Struktur für Verkehrsplanung. Es gibt aber derzeit gerade im Verkehrsressort einige extrem spannende Punkte. Einerseits das neue Pionierviertel, andererseits werden aber auch alle Klosterneuburger Buslinien neu ausgeschrieben. Beim Kasernenareal ist die Anbindung durch den Weidlinger Bahnhof im Großen und Ganzen schon gewährleistet, da stellt sich noch die Frage nach der Realisierung der geplanten Sammelgarage.

Wie kann man sich diesen Planungsprozess bei den Buslinien vorstellen?
Kehrer: Es wird einmal alles grundlegend angeschaut. Der Leiter des Verkehrsreferats und ich investieren da sehr viel Kraft und Zeit gemeinsam mit dem VOR. Wir treffen uns alle zwei Monate und schauen, wo es Möglichkeiten gibt, dieses gewachsene System zu modifizieren. Kriterien für die Ausschreibung sind Bestgebot oder Busausstattung, aber auch „weiche“ Faktoren wie Freundlichkeit und gepflegtes Äußeres.
Eigner: Wichtig ist jetzt genau zu definieren, was wollen wir? Was soll in die Ausschreibung einfließen? Diese festgefahrenen Strukturen sollen eine Linie bekommen, um beispielsweise Umstiegsprobleme zu beheben und mehr Verbindungen in die Täler hinaus erzielen können.

Das neue VOR-Tarifsystem stößt nicht nur auf Gegenliebe. Wie empfinden Sie das?
Eigner: Nach langen Verhandlungen hat sich nun doch etwas herauskristallisiert, das für eine große Mehrheit der Klosterneuburger von Vorteil ist.
Kehrer: Laut Erhebungen für das Öffi-Konzept sogar für 93 Prozent. Das sind diejenige, die nicht in Heiligenstadt oder entlang der Franz-Josefs-Bahn bleiben. Man will erreichen, dass die Leute ihre täglichen Pendlerstrecken öffentlich bestreiten, das war ein Schritt in die richtige Richtung.

Hoher Individualverkehr führt zu Überlastungen

Hat Klosterneuburg ein Verkehrsproblem?
Eigner: Probleme gibt es sicher durch hohen Individualverkehr, der zu Stoßzeiten zu Überlastungen führt. Das ist aber in vielen Städten so. Wir müssen also versuchen, die Leute zum öffentlichen Verkehr zu bewegen. NÖ-weit nutzen 30 Prozent den öffentlichen Verkehr.
Keherer: Diese Zahlen wage ich zu bezweifeln. 30 Prozent in NÖ wären schön. Ich denke, dass damit gemeint ist, 30 Prozent nutzen die öffentlichen Verkehrmittel, nicht 30 Prozent der Wege werden öffentlich zurückgelegt. Puncto Verkehrsproblem gibt es ein Beispiel. Durch die Umfahrung wurde ein „Flaschenhals“ entlastet. Mittlerweile wurde das schon wieder kompensiert, es fahren am Stadtplatz wieder genauso viele Autos wie davor, plus jene auf der Umfahrung. Und andere Stellen werden zu Flaschenhälsen.

Wie schafft man es, den massiven Lkw-Verkehr einzudämmen?
Eigner: Der heimische Lkw sollte durchfahren können. Der nur durchfahrende sollte über die B14 und die Umfahrung geleitet werden und nicht über den Stadtplatz fahren. Das kann man aber nicht beeinflussen. Aber auch die vielen Baustellen, die wir haben, bedingen viel Lkw-Verkehr.
Kehrer: Ich glaube nicht, dass wir den großen Durchzugsverkehr haben. Es mag tatsächlich an den vielen Baustellen liegen.

Wie weh hat es getan, als Sie Ihr Ressort aufgeben mussten?
Eigner: Wenn man eine Funktion verliert, ist das schmerzhaft. Ich hatte ja auch noch ein Programm, das ich umsetzen wollte. Bei mir verschiebt sich das nun auf die Landesseite. Im Ausschuss für Hochbau habe ich aber genug zu tun. Es wurden in meiner Zeit als Stadtrat auch mehrere Konzepte in Auftrag gegeben. Was Johannes Kehrer damit macht, ist seine Geschichte.

Ist die Arbeit als Stadtrat so, wie Sie sich das vorgestellt hatten?
Keherer: Ich weiß nicht wie das ist, wenn man als Stadtrat einer Mehrheitspartei agiert. Ich bin aufgrund des Proporzes in dieser Funktion, trotz „Opposition“ meiner Fraktion. Alleine kann ich natürlich nichts entscheiden. Ich kann aber den Fokus festlegen.

Dass die schnellen Züge nun nicht mehr in Klosterneuburg halten, ist ebenfalls ein Streitthema. Wird sich das ändern?
Kehrer: Es wurden überall wirksam Park & Ride-Anlagen eröffnet und seitens des Landes Niederösterreich der Umstieg auf die Öffis propagiert. Jetzt bleiben aber die schnellen Züge nicht mehr stehen, was auch im Hinblick auf diese ganze Bezirkshauptstadtgeschichte unverständlich ist. Ich weiß nicht, was sich das Land dabei gedacht hat.
Eigner: Im Prinzip ging es darum, dass man bei den weit entfernten Gebieten versucht hat einzusparen. Züge vom Waldviertel sind jetzt zehn Minuten schneller in Wien. Das macht natürlich einiges aus, um die Leute dort auf die Schiene zu bringen.

Welches Thema liegt Ihnen in Ihrem Ressort besonders am Herzen?
Kehrer: Neben den eben angesprochenen Themen der Radverkehr. Das Forum Radverkehr wurde schon in der letzten Amtsperiode eingeführt. Wir treffen uns dabei jährlich mit den Beradelungsgruppen und erstellen konstruktiv eine Maßnahmenliste. Darauf aufbauend wird dann das Budget eingesetzt. Jetzt ist dann das Kautekviertel dran. Es geht darum, dass die Leute mit dem Rad zum öffentlichen Verkehr auch kommen. Bike & Ride hat riesiges Potenzial.
Eigner: Es ist eine wichtige Sache, dass man Verbindungen zu den Hauptverkehrsknoten erleichtert. Dann bringt man die Leute wirklich auf den öffentlichen Verkehr

 

Umfrage beendet

  • Verkehr in der Stadt: Sind Sie zufrieden?