Erstellt am 29. März 2016, 13:30

von NÖN Redaktion

Jenseits purer Fitness. Die Ausstellung „Body & Soul“ widmet sich Aspekten der Körperlichkeit zwischen klassischem Akt, aktionistischem Exhibitionismus und seelischer Befindlichkeit.

Elke Krystufek changiert zwischen Intimität und Öffentlichkeit: My Picabia, 1997, Acryl auf Stoff. Foto: Sammlung Essl/Courtesy Galerie Georg Kargl  |  NOEN, Sammlung Essl/Courtesy Galerie Georg Kargl
“Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare“. Dieses Zitat von Christian Morgenstern dient der Ausstellung “Body & Soul“, die am 5. April im Essl Museum eröffnet wird, als Motto. Andreas Hoffer und Viktoria Calvo-Tomek haben die Schau kuratiert (bis 4. September in der Ausstellungshalle und im Großen Saal).

Die Ausstellung will der verstärkten künstlerischen Auseinandersetzung rund um Körper, Körperlichkeit, dem Verhältnis von Körper und Seele sowie den Fragen nach Identität Rechnung tragen. Dieser Themenkomplex ist in der Sammlung Essl sehr umfangreich vertreten, einerseits mit Werken des Wiener Aktionismus, andererseits mit Arbeiten junger Künstler.

Das Verhältnis zum eigenen Körper, der Körper als Ausdrucksort für seelische Zustände, aber auch die ewige Frage nach Schönheit und Vergänglichkeit werden thematisiert. Zeitlich spannt die Ausstellung einen Bogen von den frühen 1950er Jahren bis zu ganz aktuellen Positionen.

„Wer nach dem Begriffspaar Body and Soul im Internet sucht, findet sofort die Webseiten von Fitnessstudios und Modelagenturen. Ist der gestylte Körper ein Fetisch für die Seele, oder sogar ein Ersatz dafür? Nein, auch für das seelische Wohl hat die Dienstleistungsgesellschaft ein breites Angebot an esoterischen Wohlfühl-Seelen-smoothies. Körper und Seele sind im festen Griff der westlichen Wohlstandsgesellschaft“, sagt Kurator Andreas Hoffer.

Nacktes Fleisch und konservativer Geist

Der prüden Zwangsverhüllung des Körpers im 19. Jahrhundert folgen rüdes Zurschaustellen und Verdinglichung des Körpers als Objekt am Anfang des 21. Jahrhunderts. Internet-Pornos lassen selbst Fotos der Wiener Aktionisten der frühen 1960er Jahre alt aussehen.

Besonders Künstlerinnen haben sich seit den 1960er Jahren mit dem eigenen Körper kritisch auseinandergesetzt. Valie Export thematisiert in vielen Arbeiten aus den frühen 1960er Jahren die Rolle der Frau als Objekt und deren Verfügbarkeit.

30 Jahre später kreiert Elke Krystufek eine Kunstfigur, die exhibitionistisch Körper und Sexualität zur Schau stellt und damit die Grenze von Öffentlichkeit und Privatheit aufhebt.

Am Beginn des Ausstellungsrundgangs sind klassische Akte von Herbert Böckl zu sehen. Diese sind noch ganz der akademischen Tradition der Aktmalerei verpflichtet.

Der eigene Körper als Akt kann als Ausdrucksfläche seelischer Zustände und Empfindungen fungieren, wie bei Maria Lassnigs „body awarenes paintings“. Franz Ringel wiederum quält und zerkratzt seine umrissbetonten Figuren mit spitzen Gegenständen.

Schönheit in ganz klassischem Sinn findet man beispielsweise in der Malerei von Martin Schnur, bei der die Zurschaustellung des Körpers Anlass für malerische Raffinesse ist. Auch der Endlichkeit allen Seins und aller Körperlichkeit widmet die Schau einen eigenen Abschnitt.