Erstellt am 20. Januar 2016, 05:48

von Christoph Hornstein

"Kandidat mit Rückgrat". Bürgermeister Schmuckenschlager (VP) bewertet die Präsidentschaftskandidaten.

NOEN, zVg

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Nur die FPÖ hält sich mit ihrem Präsidentschaftskandidaten noch bedeckt. Die ÖVP schickt Senioren-Chef Andreas Khol ins Rennen, die SPÖ Sozialminister Rudolf Hundstorfer, die Grünen stellen ihre Galionsfigur Alexander Van der Bellen zur Wahl, und die Juristin Irmgard Griss, bekannt durch ihre Arbeit im Hypo-Untersuchungsausschuss, will ohne Parteihilfe Bundespräsidentin werden. Als möglicher Kandidat der FPÖ wird Rechnungshofpräsident Josef Moser genannt, der soll aber schon abgewunken haben. Als gewählt gilt derjenige Kandidat, der mehr als 50 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen auf sich vereinen kann.
 


Erreicht im ersten Wahlgang kein Kandidat diese Marke, wird eine Stichwahl mit den beiden stimmenstärksten Kandidaten des ersten Wahlganges durchgeführt. Als Wahltermin wird Sonntag, 24. April gehandelt. Vor Redaktionsschluss stand der Termin aber noch nicht fest.

Was sagt nun Klosterneuburgs Stadtchef zu den Kandidaten? Die NÖN sprach mit Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP).

„Ihre Art der Kandidatur steht für Eigenständigkeit und Unabhängigkeit“, so Schmuckenschlager zur einzigen weiblichen Kandidatin Irmgard Griss. Sie liefere konkrete Antworten und sei fachlich für das Amt qualifiziert. Der Vorteil der parteipolitischen Unabhängigkeit sei aber auch ihr Nachteil. Die aktive politische Mitarbeit käme reichlich spät. Schmuckenschlager: „Ihr Antreten wirkt, als würde sie die gewonnene Aufmerksamkeit aus der Untersuchung zur Hypo sehr stark ausnutzen.“ Niemand könne sagen, ob sie tatsächlich die ordnende Rolle der Bundespräsidentin ausfüllen könne.

„Hochzeit kurz vor Wahl wirkt bemüht"

Reiche politische Erfahrung konstatiert Schmuckenschlager dem Grünen (unabhängigen) Kandidaten Alexander Van der Bellen. Als Wirtschaftsprofessor teile er nicht alle linken Ansichten seiner Parteifreunde und beweise dadurch Rückgrat. Die Schwäche der Grünen in ökonomischen Fragen konnte er gut verteidigen. Schmuckenschlager: „Seine Heirat kurz vor der Wahl wirkt etwas bemüht und zerstreut romantische Träumereien. Gerade diese Träume zeichnen aber das grüne 68er Milieu besonders aus. Die proklamierte Parteiunabhängigkeit wirkt sehr gezwungen.“ Seine Rolle als Uni-Beauftragter der Stadt Wien hätte bis heute den Geschmack von grünem Postenschacher.

„Als Abwrackprämie für die Gewerkschaftsbank BAWAG erhielt er das Amt des Sozialministers“, fällt Schmuckenschlager zu SPÖ Kandidat Rudolf Hundstorfer ein, aber seine Hemdsärmeligkeit und Nähe zu den Menschen und ihren Problemen wirke ehrlich. Hundstorfer sei durch und durch ein Parteisoldat. Ein Kadermann der ersten Stunde, ohne nach links oder rechts zu blicken. Auffällig ist seine stete Involvierung in sämtlichen Führungsetagen, ohne für nachgewiesene Misserfolge gerade stehen zu müssen. Seine außenpolitische Rolle im Amt sei sehr schwer einschätzbar.

Und Schmuckenschlager abschließend zum Parteikollegen Andreas Khol: „Er ist kulturell und intellektuell ein idealer Kandidat für dieses Amt.“