Erstellt am 04. Januar 2016, 11:39

von Christoph Hornstein

Heuer gibt es keinen Eiswein. Die Klosterneuburger Winzer haben für ihren Eiswein heuer ein schlechtes Jahr erwischt. Fäulnis lässt die Ernte ausfallen.

Im Burgenland wurde dieser Tage Eiswein geerntet. In Klosterneuburg muss man 2016 auf Eiswein verzichten. Der Grund: ein schlechtes Eiswein-Jahr. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN
Um gefrorenen Trauben für den Eiswein ernten zu können, braucht es Frost. In der Nacht vom vergangenen Sonntag auf Montag hat es die benötigten minus sieben Grad gehabt. Doch in Klosterneuburg gibt es heuer keinen Eiswein. „Der Herbst bot heuer keine guten Voraussetzungen“, so die Klosterneuburger Winzer.

Im Nordburgenland herrschte bei Winzern in den letzten Tagen Hochbetrieb: Zunächst war es noch ungewiss, doch schließlich gab es etwa im Raum Gols für kurze Zeit ausreichend tiefe Temperaturen, um die begehrten Trauben für den Eiswein lesen zu können.

Gefroren und genug Zuckergehalt

Für die Eisweinlese gibt es zwei Kriterien: Einerseits müssen die Trauben gefroren sein. Sie haben dann eine Konsistenz wie ein Sorbet und fühlen sich körnig an, wie harter Grieß. Das zweite Kriterium: Der gewonnene Traubensaft muss mindestens 25 Grad Klosterneuburger Mostwaage (KMW) haben. KMW ist die in Österreich übliche Einheit zur Bestimmung des Zuckergehalts von Traubensaft.

Die Trauben werden noch im gefrorenen Zustand gepresst. Der Most wird dann filtriert und in der Regel für mindestens drei, vier Wochen zur Gärung gelagert. Eiswein-Liebhaber müssen sich dann noch ein wenig länger gedulden: Verkauft werden darf der neue Eiswein frühestens ab 1. Mai 2016.

In Klosterneuburg gibt es 2015 keinen Eiswein. Die Winzer, die sich traditionell um das beliebte Süßgetränk kümmern, sahen heuer keine Möglichkeit, Eiswein zu ernten. „Jetzt wären die Temperaturen ideal“, so der Bezirksobmann der Weinbauern Leopold Kerbl. Dem spannenden Krimi mit dem Frost stellte sich Kerbl heuer aber nicht. „Bei diesen lauen Wintern traut man sich das als Winzer nicht mehr.“

Auch das Stift muss auf Eiswein verzichten

Auch das größte Weingut Klosterneuburgs produziert heuer keinen Eiswein. Wolfgang Hamm, Weingutleiter des Stifts Klosterneuburg: „Es stimmt, jetzt wäre es möglich, die gefrorenen Trauben zu lesen. Aber wir haben im Herbst keine Trauben hängen lassen, obwohl wir es vorgehabt hätten.“

Durch Regen und Wärme bildete sich im Herbst leichte Fäulnis in den Trauben. „Wir haben aber noch Bestände aus 2014. Mir tut es leid, dass die Eisweinlese heuer ausgefallen ist.“

Auch Winzer Walter Vitovec aus Kritzendorf ist enttäuscht. „Natürlich haben auch wir vorgehabt, Eiswein zu produzieren. Aber der Herbst hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Es hätte schon zu Leopoldi Frost gebraucht. Aber da hatte es in Klosterneuburg um die 15 Grad plus. Und das mitten im November. Keine guten Voraussetzungen für Eiswein.