Klosterneuburg

Erstellt am 12. April 2017, 04:52

von Christoph Hornstein

Kebapstand-Ende: „Lass mir Familie nicht kaputt machen“. Der Kebabstand nach der Unterführung Kierlinger Bahnhof ist Geschichte. Stadtgemeinde beendet jahrelangen Streit um Standort.

Gyros statt Kebab: Die Stadtgemeinde vergibt den Standort dem griechischen Lebensmittelhändlern Maria und Ilias Polychronakis.  |  NOEN, Hornstein

Es gab zwar eine Baubewilligung, die war aber befristet. Und so verschwand der Radfahrer-Treff nach der Unterführung aus dem Ortsbild von Klosterneuburg. 2015 kam der Abbruchbescheid. 2012 begründete Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager diesen Schritt: „Es wurde eine befristete Baubewilligung ausgesprochen, weil wir immer wussten, dass im Zuge einer Kanalzusammenführung großräumige Grabarbeiten notwendig werden.“

Einen Alternativstandort lehnte der Eigentümer Ismail Kahraman ab, doch ein Vertrag wurde angeboten, unbefristet, damit Kahraman wieder eine neue Kebab-Hütte aufbauen könnte. Nun ist aber dem jahrelangen Tauziehen ein Ende gesetzt. Schmuckenschlager: „Das Thema ist erledigt.“

Lebenswerk wurde zerstört

35.000 Euro soll die Familie Kahraman noch 2014 in die Kebab-Hütte gesteckt haben. Mit der Hoffnung, auf einen Wiederaufbau mit neuem Vertrag, konnte Kahraman damit leben, dass sein Lebenswerk abgerissen wird. Zahlreiche Pläne sollen bei der Baubehörde eingereicht worden sein und nur der letzte, im Juni 2016 wurde behördlich auch abgesegnet. „Die wollten nur Zeit gewinnen, weil die Grabungsarbeiten länger gedauert haben“, vermutet Kahraman.

„Die vertraglich vereinbarte Frist ist abgelaufen. Kaharaman hat über ein Jahr lang Zeit gehabt, sich dort etwas aufzubauen.“Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager

Mittlerweile hatten sich aber einiges an Schulden angesammelt. 3.500 Euro soll Kahraman der Stadtgemeinde an Pacht, Containerlagerung und Strafe schuldig sein. „Als ich auf Urlaub in der Türkei war, wurde mir deshalb der neue Vertrag gekündigt“, beteuert Kahraman, der dann auch noch von der Polizei gesucht wurde.

Bürgermeister Schmuckenschlager machte eine Anzeige – „Er hat mir gegenüber Selbstmordabsichten geäußert. Da ist es meine Pflicht, Anzeige zu machen“ und so musste sich Kahraman verpflichten, den Amtsarzt in Tulln aufzusuchen: „Das hab ich anfangs verweigert, zwei Wochen später war ich aber dort.“

Familie lebt von 530 Euro im Monat

Ismail Kahraman soll nun mit seiner Familie von 530 Euro im Monat leben: „Wie soll sich das ausgehen? Ich muss betteln gehen, denn ich hab mittlerweile Schulden in der Höhe von 50.000 Euro.“ Er fordert entweder einen neuen Vertrag, oder eine Ablöse für die Anschlüsse von Kanal und Strom, die seiner Meinung nach von ihm bezahlt wurden. „Warum soll das jetzt der Nachfolger bekommen?“, fragt sich Kahraman.

Bei Bürgermeister Schmuckenschlager soll Kahraman seit Ende Juli 2016 keinen Termin mehr bekommen haben. Der NÖN gegenüber sagt Schmuckenschlager, dass der Platz bereits an den Griechischen Gemüsehändler vom Rathausplatz vergeben sei: „Die vertraglich vereinbarte Frist ist abgelaufen. Kaharaman hat über ein Jahr lang Zeit gehabt, sich dort etwas aufzubauen. Der Vertrag wurde aber nicht erfüllt, jetzt hat den Platz der Grieche.“

Ein neuer Vertrag mit Kahraman ist für Schmuckenschlager keine Option mehr, denn er sei vertragsbrüchig geworden.