Erstellt am 24. März 2015, 16:05

von Christoph Hornstein

Riesen-Wohnblock trotz Schutzzone?. In der historischen Mühlengasse besteht der Plan, einen Wohnblock zu bauen, obwohl Schutzzone und Bausperre gelten.

Fraktionschef Sepp Wimmer von den Grünen ortet lasche Schutzbestimmungen in Klosterneuburg.  |  NOEN, NÖN

Die alte Schutzzonen-Verordnung zum Erhalt von typischen Klosterneuburger Stadtvierteln wurde auch von der ÖVP als nicht ausreichend empfunden. Auf Anregung der NÖN wurde daher beschlossen, die Verordnung gemäß dem Modell der Stadt Baden zu adaptieren. Um einem Einreichboom entgegenzuwirken, verhängte die Stadtgemeinde gleichzeitig eine Bausperre, die aktuell aufrecht ist. Trotzdem gbit es derzeit ein Bauverfahren über ein Bauprojekt in der Mühlengasse. Geht es nach dem Willen der Planer, soll mitten in der historischen Häuserzeile ein riesiger Wohnblock entstehen. Da läuft nicht nur die Anrainerschaft Sturm dagegen, sondern auch der Grüne Stadtrat Wimmer: „Mit
einem solchen Vorgehen wie in der Mühlengasse treiben wir die Bevölkerung ja regelrecht in die Politikverdrossenheit.“

Historische Häuserzeile aus Zwischenkriegszeit

Die Mühlengasse ist rechtsseitig des Kierlingbaches eine Häuserzeile aus historisch wertvollem Baubestand aus der Zwischenkriegszeit. Sie entspricht den Vorstellungen einer „Gartenstadtidee“ für die damalige Mittelschicht. Diese Gartenstadtidee ist ursprünglich ein vom Briten Ebenezer Howard im Jahr 1898 in England entworfenes Modell als Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse sowie die horrend steigenden Bodenpreise in den stark gewachsenen Städten. Nicht zuletzt deshalb hat sie die Stadt schon vor Jahren zur Schutzzone erklärt. 2013 wurde darüber hinaus noch eine Bausperre verhängt.

„Da stimmt einiges nicht mit unseren Schutzbestimmungen.“
Fraktionschef Sepp Wimmer, Grüne

„Und nun soll es möglich sein, dass in dieses einzigartige Stadtjuwel, wo es nur einstöckige Reihenhäuser gibt, ein riesiger Wohnblock mit neun Wohneinheiten hinkommt?“, versteht Wimmer die Welt nicht mehr. Vorige Woche wurde bereits eine Bauverhandlung an Ort und Stelle abgehalten. Einsprüche der Anrainer waren die Folge. Derzeit läuft aktuell ein Bauverfahren über dieses Projekt.

Wieso hat die Baubehörde so ein großes Problem, dieses Projekt abzulehnen? Das Projekt mit neun Wohneinheiten widerspricht ganz eindeutig dem Schutzcharakter der Mühlengasse. Im Klosterneuburger Bebauungsplan zu Schutzzonen heißt es ganz klar: „Punkt 6.1: Die das Ortsbild prägenden baulichen Strukturen und architektonischen Formen der Schutzzonen und des Altortsgebietes sind zu erhalten. Neu- und Zubauten von Gebäuden sind in Umfang und Baumassengestaltung diesen Strukturen im Umgebungsbereich anzupassen.“

Schmuckenschlager und Wimmer eins

Ein Wohnblock mit neun Wohneinheiten passt sich weder von der Kubatur noch der Baustruktur noch mit seiner architektonischen Form den einstöckigen Reihenhäusern an. Warum können Schutzzone und Bausperre (siehe Kasten) diesen riesigen Wohnblock in der Mühlengasse nicht sofort verhindern? Muss erst die betroffene Bevölkerung auf die Barrikaden steigen, um das zu verhindern?

„Da stimmt einiges nicht in unseren Schutzbestimmungen“, so Wimmer. Diesmal dürfte der Grüne Wimmer Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager zumindest teilweise als Mitstreiter haben. „Das geplante Bauvorhaben Mühlengasse ist im Vergleich mit der Umgebung meiner Meinung nach zu massiv und unangepasst“, steht nämlich auch Schmuckenschlager kritisch zu diesem Bauvorhaben. Um die Ortsverträglichkeit unabhängig feststellen zu lassen, wurde von der Bauabteilung der Stadtgemeinde ein Ortsbildgutachten beauftragt.

„Lasse mir Schutzzonen nicht kaputt machen“ 

Schmuckenschlager: „Diesem Ergebnis möchte ich nicht vorgreifen. Ich bin mir aber sicher, dass die Vorbereitungsarbeit von mehr als 18 Monaten für die neuen Schutzzonen in unserer Stadt nicht ohne Einfluss auf die Beurteilung bleiben kann.“ Dies werde auch bei anderen Projekten in Zukunft der Fall sein. Schmuckenschlager klar: „Ich lasse mir die Schutzzonen zum Erhalt der Lebensqualität nicht kaputtmachen.

Als Bürgermeister platzt mir der Kragen, wenn ich ständig Entwürfe vorgelegt bekomme, die ausschließlich Flächenoptimierung ohne Berücksichtigung auf gewachsene Struktur aufweisen.“
Stefan Schmuckenschlager, Bürgermeister, ÖVP

Als Bürgermeister platzt mir der Kragen, wenn ich ständig Entwürfe vorgelegt bekomme, die ausschließlich Flächenoptimierung ohne Berücksichtigung auf gewachsene Struktur aufweisen.“ In Zukunft werde nach Schmuckenschlager neben den Schutzzonen auch die nun gültige Novellierung der NÖ Bauordnung für eine gezügelte Bauentwicklung sorgen.

Nichtsdestotrotz werden die Grünen schon in der nächsten Gemeinderatsitzung am kommenden Freitag einen Antrag für strengere Schutzbestimmungen einbringen.