Klosterneuburg

Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:04

von Christoph Hornstein

Schutzzonen doch zahnlos?. Reaktion Bürgermeister Schmuckenschlager schiebt nach Anlassfall Gemeinderat-Sondersitzung zur Verschärfung der Schutzzonen ein.

Vom Weidlingbach aus ergibt sich dieses Ortsbild nach Bau einer Wohnhausanlage trotz Schutzzone.. Die ÖVP Weidlung und VP-Gemeinderat Martin Trat sind fassungslos.  |  Gruber

Das eingeschoßige Haus Hauptstraße 13 in Weidling soll seine Bauwurzeln im Barock haben. Das aktuelle Erscheinungsbild ist wahrlich keine Augenweide, aber was jetzt hinter diesem Haus entstehen soll, bringt die Weidlinger auf die Palme: eine Wohnhausanlage mit sechs Häusern und 14 Wohnungen.

Dazu lediglich 14 Autoabstellplätze. Die Wohnungen werden jetzt schon im Internet angeboten, obwohl es nach Auskunft der Baubehörde noch keine Baubewilligung gibt und auch noch kein Ortsbildgutachten.

Auch die ÖVP Weidling läuft gegen dieses Projekt Sturm. „Es ist ein Wahnsinn, so etwas im historischen Ortskern von Weidling zu bauen“, ist VP-Gemeinderat Martin Trat außer sich. Die Bevölkerung fühle sich mit Füßen getreten ob solcher Bauprojekte. Und Trat wird noch deutlicher: „Es ist eine Frechheit, so etwas in den Ortskern bauen zu wollen.“

 „Es ist eine Frechheit, so etwas in den Ortskern bauen zu wollen.“

Martin Trat, VP-Gemeinderat 

Für den VP-Gemeinderat sind viele Fragen noch nicht gelöst. Eine davon ist der Verkehr, denn hier sei Weidling schon an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Und Martin Trat abschließend: „Das ist wieder einmal ein Beispiel des Bauens ohne Gefühl. Es geht nicht mehr darum, Wohnungen in eine Landschaft hineinzubauen, zu integrieren, sondern so viel Fläche wie nur möglich für den lukrativen Wohnbau auszunützen.“

Die NÖN sprach natürlich auch mit dem Projektplaner, der „raumnaturtechnik rnt GmbH“. Projektentwickler Frank Meitzner versteht die Aufregung nicht: „Das Erscheinungsbild von der Straße aus bleibt gleich. Das Bild ist ja ein Bild von der Rückseite.“ Alles sei mit dem Ortsbildgremium der Schutzzonen abgesprochen worden.

Darauf legte besonders das Denkmalamt wert. Es sei mit dem Ortsbildgremium so lange verhandelt worden, bis es ein OK gegeben hätte. Auf das abschließende Gutachten und die Baugenehmigung warte man noch.

Noch vor Genehmigung im Internet angeboten?

Warum dann die Wohnungen schon im Internet angeboten werden? Meitzner: „Nach der bestehenden Gesetzeslage können wir zum derzeitigen Status keine Wohnungen verkaufen. Wir sind jetzt in der Informationsphase für etwaige Käufer, es werden keine Verträge abgeschlossen.“

Schutzzonen-Sitzung wurde einberufen

Die Frage nach der Wirkung der neu installierten Schutzzonen in Klosterneuburg ist durch diesen neuen Fall aktueller denn je. Das weiß auch Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, der sofort eine Sondersitzung des Gemeinderats für den 21. Oktober einberufen hat. Thema: Verschärfung der Schutzzonen.

Schmuckenschlager: „Es stimmt. Das Projekt, aber auch die hier praktizierte Vorgangsweise ist auch Anlass für diese Sondersitzung, nachdem niemand will, dass Bauträger über ihre Anträge vorentscheiden. Ob und wie gebaut werden soll, obliegt noch immer der Gemeinde und richtet sich nach den bestehenden Gesetzen.“ Mit den Schutzzonen sei die Absicherung des bestehenden, historisch wertvollen Baubestandes gelungen.

„Jeder weitere Schritt muss sorgsam sein. Ich will keine Eigentumsrechte einschränken oder grassierenden Egoismus unterstützen. Verschärfungen sind aber geboten“, so Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager.