Klosterneuburg

Erstellt am 18. Mai 2017, 05:56

von Christoph Hornstein

Sport- und Lifestyle-Zentrum "Barracuda" auf Raubzug?. Auf dem Strandbad-Areal der „Oase“ wird nun das Sport- und Lifestyle-Zentrum „Barracuda“ errichtet. Ein Antrag auf Ermäßigung des Strandbad-Eintritts erhitzt die Gemüter.

Die ÖVP will im Namen des neuen Barracuda-Clubs einer Ermäßigung für seine Mitglieder beim Eintritt ins Strandbad.  |  NOEN, Hornstein

Wer dereinst als Mitglied den gerade in Bau befindlichen „Barracuda“ Sport- und Lifestyle-Club betreten will, muss durch das Strandbad und an der Kassa Eintritt bezahlen, zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag. Zumindest eine Ermäßigung des Strandbadeintritts wünschen sich die „Barracuda“-Macher und traten an die Politik heran. Ein Dringlichkeitsantrag im Gemeinderat war die Folge, und eine heftige Diskussion, in der noch andere Fragen aufgeworfen wurden.

„Barracuda“ baut an der Stelle, wo einst die „Oase“ stand, ein Sportzentrum, das auf Schwimmen ausgelegt ist. Es wird eine Ruhezone mit Sauna und Solarium geben. Dafür wurde ein Pachtvertrag mit der Stadtgemeinde geschlossen und etwa 600.000 Euro investiert. Fertigstellung soll noch heuer im Sommer sein.

„Wir sind als Stadtgemeinde dazu verpflichtet, mit dem Vermögen der Allgemeinheit nach bestem Wissen und Gewissen umzugehen“

„Ich versuche zuzuordnen, ob das jetzt eine Förderung ist oder nicht“, fragt sich Stadtrat Johannes Kehrer (PUK). Bei einem Verein könne er sich eine Förderung noch vorstellen. Aber bei „Barracuda“ handle es sich um eine gewinnorientierte GmbH. „Wir sind als Stadtgemeinde dazu verpflichtet, mit dem Vermögen der Allgemeinheit nach bestem Wissen und Gewissen umzugehen“, sieht Kehrer eine Ermäßigung nicht ein.

„Alle unsere Pächter im Strandbad haben gewisse Zuckerl erhalten. Jeder Pächter bekommt eine Saisonkarte gratis dazu. Deswegen ist es legitim, dass ‚Barracuda‘ zumindest ein ermäßigtes Angebot bekommt, um seine Gäste zu lukrieren“, verteidigt Stadtrat Martin Czerny (ÖVP) seinen Antrag.

Teil des Donauarms für alle anderen gesperrt

58 Euro zahlt ein Normalsterblicher in der Saison für den Eintritt ins Strandbad. Für Barracuda-Mitglieder sollen es 32 sein. Auch für Stadtrat Josef Pitschko (FPÖ) nicht nachvollziehbar. „Wenn ein Mitglied bis zu 200 Euro im Jahr für Barracuda zahlen kann, ist es nicht einzusehen, warum man dann bei den Einnahmen für die Gemeinde spart“, so Pitschko, der mit Gemeinderat Hofbauer auch die Frage aufwirft, ob es für die Anlage auch eine wasserrechtliche Bewilligung gäbe. „Meiner Meinung nach dürften dort keine Zäune sein, und die Anlage müsste auf Piloten stehen“, ist Hofbauer überzeugt. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager betonte, dass es sich dabei um die Angelegenheit der Bezirkshauptmannschaft handle.

"Es gibt einen Vertrag darüber mit dem Stift für diese Wassernutzung.“

Die vom Stift gegebene Erlaubnis, einen Teil des Donaugewässers für die Barracuda-Schwimmer zu reservieren, sorgte wieder für Diskussionen. Schmuckenschlager: „Es gibt einen Vertrag darüber mit dem Stift für diese Wassernutzung.“ Hofbauer bezweifelt das: „Dass das Stift einen Vertrag über das Gewässer gemacht hat, halte ich nicht für möglich, weil das ein Arm der Donau und ein öffentliches Gewässer ist.“

Für die Grünen hat die Kartenermäßigung zwei Seiten: „Natürlich kann man der Meinung sein, dass das hergeschenktes Geld ist. Andererseits werden auch Neukunden kommen, die sonst nie in das Strandbad gekommen wären. Ich kenne das Strandbad seit Jahrzehnten und bin froh, wenn sich da einmal etwas tut.“

Für Stadtrat Kehrer stellt sich die Frage, ob sie nur durch die Ermäßigung angezogen werden. „Es müssen fast doppelt so viele Leute in den Barracuda-Club kommen, damit die Stadtgemeinde daraus einen Gewinn macht“, rechnet Kehrer vor.

Schmuckenschlager versucht zu beruhigen: „Wenn – und davon gehe ich aus – Barracuda neue Kunden ins Strandbad lockt, ist das für die Gemeinde immer ein Gewinn.“

Pitschko wirft noch die Frage auf, wer eigentlich der wirkliche Nutznießer der Ermäßigung sei: Der Baracuda-Kunde oder die Firma? Pitschko: „Wenn ich Mitglied bin, dann habe ich ja hoffentlich meine Saisonkarte schon mitbezahlt. Dann ist es aber klar eine Firmensubvention.“

Doch eine Wirtschaftsförderung

„Jetzt ist endlich Licht ins Dunkel gekommen. Wir diskutieren über eine Wirtschaftsförderung“, so Stadtrat Kehrer, der vorschlägt, einmal ein Jahr abzuwarten, um Zahlen und Erfahrungswerte zu sammeln. „Es ist zu früh, um eine Wirtschaftsförderung zu beschließen“, so Kehrer.

Nicht zu früh für den Antragsteller. Die Ermäßigung wurde mehrheitlich beschlossen.