Klosterneuburg

Erstellt am 06. Juli 2016, 01:28

von Christoph Hornstein

Gewöhnungsbedürftig: Die Sechs-Stunden-Tortur. Die Umstellung der Chirurgischen Abteilung macht Probleme: Nach Beinbruch muss Klosterneuburgerin sechs Stunden auf Behandlung warten. Tulln überlastet?

Wer sich zum Wochenende verletzt, kann sich ab 1. Juli nicht mehr im LK Klosterneuburg behandeln lassen. Das wissen noch nicht alle.  |  NOEN

„Warum wird eine toll eingerichtete Abteilung des Landesklinikums Klosterneuburg einfach zugesperrt, wenn sich in Tulln die Patienten stapeln?“, fragt sich eine Klosterneuburgerin, die vorige Woche nach Tulln zur Behandlung gebracht wurde.

Am Samstagvormittag, 25. Juni, stürzt eine Klosterneuburgerin. Der Fuß tut sehr weh, das Knie ist aufgeschlagen und die Schulter schmerzt. „Ich habe gedacht, die Umstellung auf eine Tagesklinik kommt erst später, deswegen hat mich mein Mann ins Klosterneuburger Krankenhaus gebracht.“

„Dort herrschen Zustände, die sind ein Wahnsinn! Da war so viel los. Die haben dort die Patienten gestapelt, und überall haben alle gewartet.“

Eine Weidlingbacher Patientin zum Universitätsklinikum Tulln

Im Landesklinikum Klosterneuburg soll gähnende Leere geherrscht haben. Ein junger Arzt der Ambulanz macht die Erstuntersuchung. „Er hat gemeint, er könne nicht sagen, ob etwas gebrochen sei, es auch nicht feststellen, weil die Röntgenabteilung nicht besetzt sei“, erzählt die Patientin. Weil Tagesklinik, müsse sie in ein anderes Spital gebracht werden. „Nach einer Dreiviertelstunde warten wurde ich mit der Rettung ins Tullner Spital gebracht.“

Erst um 16 Uhr ins Gipszimmer

Da bot sich der Weidlingbacherin ein anderes Bild: „Dort herrschen Zustände, die sind ein Wahnsinn! Da war so viel los. Die haben dort die Patienten gestapelt, und überall haben alle gewartet.“ Erst um 16 Uhr soll die Patientin dann ins Gipszimmer gekommen sein: Bruch des Mittelfußknochens! Die Klosterneuburgerin erzählt weiter: „Da sind mehrere Betten nur durch Vorhänge getrennt. Der Gipser hat gesagt, dass früher nur ein Bett im Gipszimmer vorgesehen war, aber das ginge jetzt nicht mehr, weil kein zusätzlicher Raum zur Verfügung stünde. Sie sei nackt auf dem Bett gelegen. Dann wurde eine Decke geholt mit den Worten: ‚Das ist jetzt die letzte Decke, wir müssen neue kaufen‘.

Um 17 Uhr war die Patientin wieder zu Hause und zieht ihr Resümee: „Besonders die Tullner tun mir leid. Die sind total überlastet. Als ich um 16 Uhr mit dem Gips fertig war, warteten draußen noch 13 Patienten.“

Trotzdem ist der Weidlingbacherin eines wichtig: „Jeder, der mich behandelt hat und mit dem ich gesprochen habe, war sehr zuvorkommend, nett und freundlich zu mir.“

Behandlung der Patienten gewährleistet

Die NÖN bat das Landesklinikum Tulln zu einer Stellungnahme: „Da die Patientin das LK Klosterneuburg am Samstagvormittag aufsuchte, wurde sie vereinbarungsgemäß untersucht und an das Universitätsklinikum Tulln verwiesen“, erklärt Alexander Herz, Pressesprecher des Universitätsklinikums Tulln. Das Anfertigen eines Röntgenbildes im LK Klosterneuburg wäre zwar möglich, jedoch nicht sinnvoll gewesen, da die Anwesenheit eines chirurgischen Facharztes sowohl für die Befundung als auch für die daraus folgende therapeutische Konsequenz erforderlich wäre.

Ob durch die Umstellung die Universitätsklinik Tulln überlastet wäre? „Die Anzahl der Patienten an der chirurgischen Abteilung im Universitätsklinikum Tulln hat sich in den letzten Monaten nicht wesentlich verändert“, so Herz. Im Ambulanzbereich sei an Wochenenden und Feiertagen schon immer ein verstärktes Patientenaufkommen festzustellen. Die Behandlung der Patienten sei jedenfalls gewährleistet.

Die Umwandlung in eine chirurgische Tagesklinik erfolgte am Freitag, 1. Juli. Somit können noch keine Zahlen zu Patienten aus Klosterneuburg genannt werden.