Erstellt am 09. Juli 2014, 08:46

von Martin Gruber-Dorninger

"Werde antreten, weiß nur noch nicht wo“. Sommergespräch Teil 1: Johannes Kehrer von der Liste SAU steht beim ersten Teil der Gespräche der NÖN Rede und Antwort.

Johannes Kehrer setzt sich für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ein. Zu seinem Arbeitsplatz in Wien fährt er stets mit dem Zug.  |  NOEN, Gruber

Die Klosterneuburger NÖN wird ab dieser Woche sogenannte „Sommergespräche“ mit den Spitzenkandidaten der Stadtparteien veröffentlichen. Den Anfang macht die Liste SAU mit Johannes Kehrer.

NÖN: Die anderen Fraktionen im Gemeinderat loben Sie in den höchsten Tönen. Wird die Liste SAU, so wie sie jetzt ist, auch bei der nächsten Gemeinderatswahl antreten?

Johannes Kehrer: Diese Frage kann ich jetzt noch nicht so recht beantworten. Es gab gute Gespräche mit allen Fraktionen des Klosterneuburger Gemeinderates. Abgesehen von FP und SP scheinen alle an mir interessiert zu sein. Das ist für mich eine Bestätigung der Arbeit. Wichtig ist für mich aber, dass jene Partei, für die ich antrete, meinen Idealismus teilt.
 

"Viele Gründe, sich den NEOS anzuschließen"


Es geht auch das Gerücht in der Stadt um, dass Sie für die NEOS antreten werden. Wäre das auch eine Option?

Kehrer: Es ist noch nicht einmal klar, ob die NEOS überhaupt für den Gemeinderat bei der nächsten Wahl kandidieren. Es ist durchaus auch möglich, dass die Liste SAU weiterhin bestehen bleibt. Aber es gibt schon viele Gründe dafür, sich einer Fraktion anzuschließen.

Die da wären?

Kehrer: Die Vorbereitungen für Gemeinderatssitzungen sind beispielsweise unglaublich anstrengend, wenn man eine Ein-Mann-Fraktion ist. Man investiert viele leere Kilometer. Die Last wäre auf mehrere Schultern verteilt, und ich könnte mich mehr meinen Themen widmen. Ich habe etwa ein bis zwei Jahre benötigt, um mich als Gemeinderat einzuarbeiten. Ich glaube der Stadt nun noch mehr helfen zu können, will also weiter im Gemeinderat bleiben, muss allerdings dahinterstehen können, was ich mir denke und was ich auch sage.

Haben Sie nicht die Angst, dass Ihre Themen in den diversen Parteigremien untergehen werden?

Kehrer: Nein, weil das meine Hauptbedingung wäre, mich für eine andere Partei in den Gemeinderat zu setzen. Ich habe meine Steckenpferde, es wäre schade, würde diejenige Partei mein „Know-how“ nicht nutzen. Auf der anderen Seite gibt es auch Gebiete, von denen ich nur wenig Ahnung habe. Ich muss mich da in die Materie immer mühsam einlesen. Es wäre gut, in den eigenen Reihen Experten für alle stadtrelevanten Themen zu haben. Eine Fraktion mit Klubzwang ist für mich aber sicher keine Option.
 

"Expertise kann der Stadt helfen"


Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Kehrer: Meine Stärken liegen sicherlich in der Verkehrsplanung und Stadtentwicklung. Ich bin auch in diesem Gebiet auf der TU Wien als Assistent angestellt. Ich bin mir sicher, dass ich mit meiner Expertise der Stadt Klosterneuburg helfen kann. Darum gibt es auch die Liste SAU.

Was würden Sie an der Verkehrsplanung in Klosterneuburg ändern?

Kehrer: Zunächst sollte man versuchen, die Stadt weitestgehend vom Individualverkehr zu entlasten. Das heißt, den Durchzugsverkehr sollte man bereits vor der Stadtgrenze dezentral auf die Bahn bringen. „Park & Ride“-Anlagen im Tullnerfeld wären eine Möglichkeit. Sogenannte Car-Pool-Fahrbahnstreifen wären eine weitere Möglichkeit. Derzeit sitzen durchschnittlich 1,1 Personen in einem Pkw. Durch diese Fahrbahnstreifen, die man nur benutzen kann, wenn man mindestens zu zweit in einem Wagen sitzt, würde man mehr Leute in ein Auto bringen. Die hätten wiederum die Möglichkeit, schneller im Verkehr voranzukommen. Der öffentliche Verkehr muss auch besser organisiert werden. Es kann nicht sein, dass ich von Weidling nach Kritzendorf zweimal umsteigen muss.
 

"Kasernenareal bietet große Chance"


Wo sehen Sie die größten Chancen in der Klosterneuburger Stadtentwicklung?

Kehrer: Für die Entwicklung der Stadt gibt es viel zu bedenken. Wir sollten uns an Städten orientieren, wo die Planung funktioniert hat. Da gibt es etliche Beispiele in Deutschland. Tübingen hat ebenfalls ein Kasernenareal zu einem Stadtzentrum entwickelt. Dort haben sie es, meiner Meinung nach, geschafft. Das Stadtzentrum ist belebt, und das ohne den Individualverkehr. Das Kasernenareal bietet auch für Klosterneuburg eine große Chance. Mit dem neuen Stadtteil könnte man Bildung, Wohnen und Einkaufen verbinden, und das am besten autofrei.

Sind Sie mit dem Prozess zufrieden, wie derzeit an der Realisierung des Stadtteils „Kasernen-Areal“ gearbeitet wird?

Kehrer: Der kooperative Planungsprozess ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mir geht das aber noch nicht weit genug. Meiner Meinung nach sollte auch die Bürgerbeteiligung intensiviert werden. Vor allem jene Menschen, die künftig dort wohnen, sollen auch ihre Ideen und Wünsche einbringen können.

Was hat die Stadtregierung in den letzten Jahren gut gemacht, wo hat sie, Ihrer Meinung nach, versagt?

Kehrer: Ich bin erst seit der letzten Wahl im Gemeinderat. Was ich aber mitbekommen habe, ist das Klima und der Umgang zwischen den Parteien, unter Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, besser geworden. Negativ würde ich auf jeden Fall nennen, dass in dieser Legislaturperiode nicht recht viel weitergegangen ist. Beim Thema „Golfplatz“ hat die VP absolut auf das falsche Pferd gesetzt. Das war ein Desaster für die regierende Partei, sie haben niemals mit so einem Ergebnis bei der Volksbefragung gerechnet. Die Anteilnahme der Bevölkerung war riesig, das gehörte mit zu den größten Tagen meiner Amtsperiode.

Wird die VP-Absolute im Stadtparlament bei der nächsten Wahl fallen?

Kehrer: Ich denke schon. Die ÖVP muss sich nach der Wahl einen Partner suchen. Wer das sein wird, kann man derzeit nur mutmaßen.


Zitiert

x  |  NOEN, zVg




"Jo Kehrer ist ein angenehmer und engagierter Kollege im Gemeinderat. Wir haben viele Übereinstimmungen bei unseren Themen und Ansichten." Peter Hofbauer, Liste Hofbauer, Gemeinderat
 





 

x  |  NOEN, zVg





"Der Herr Kehrer hat sich wirklich zu einem ernsthaften Gemeinderat gemausert. Er hat den Sprung von einer Spaßpartei zu einem wichtigen Mitglied geschafft." Bernd Schweeger, Liste PUK, Gemeinderat




 



Liste SAU
  • Gemeinderatswahl 2014: 2,77 Prozent, 396 Stimmen

  • Mandate: 1

  • Mandatare: Johannes Kehrer.