Klosterneuburg

Erstellt am 13. Oktober 2016, 05:07

von Christoph Hornstein

Wie weit geht Waldwirtschaft?. Unser Wald wird verjüngt, vitalisiert und soll auch zur Energiegewinnung verwendet werden. Debatte in der Sitzung.

Die Stadt hegt und pflegt ihren Gemeindewald beim Haschhof, damit er noch vielen Generationen Freude bereiten und ein Naturerlebnis bieten kann.  |  NOEN, Stadtgemeinde Klosterneuburg/Zibuschka

Die letzte Gemeinderatssitzung stand auch im Zeichen des sehr sensiblen Themas der Waldschlägerung. In der Holzsaison 2016/2017 stehen im Gemeindewald wieder Pflegemaßnahmen an. Dringlichstes Ziel ist die Verjüngung des Forstes, dessen Baumbestand teilweise stark überaltert ist. Spaziergänger und Naturliebhaber sollen auch künftig in den Genuss eines vitalen Waldes kommen.

Die Pflegemaßnahmen sind auch im Sinne der Artenvielfalt, nicht zuletzt dienen sie der Sicherheit. Ein neues Bewirtschaftungskonzept sieht aber auch die wirtschaftliche Nutzung des Gemeindewaldes vor. Da läuteten bei den Grünen und der PUK (Plattform Unser Klosterneuburg) die Alarmglocken. Das Konzept kam im Gemeinderat zur Abstimmung.

Insgesamt sind etwa 1,5 Hektar Waldfläche von Fällungen in Form von Lichtungshieben und Wegesicherungsmaßnahmen betroffen. In diesen Waldstücken befinden sich beliebte Spazierwege, die es zu sichern gilt. Alle Maßnahmen dienen dazu, den Gemeindewald zu verjüngen, die Artenvielfalt zu fördern und die Wegesicherheit zu gewährleisten.

Antrag auf Verschiebung des Beschlusses

Die Grünen fordern die Einbindung des Naturschutzbunds und stellen daher den Antrag, den Beschluss bis zur nächsten Gemeinderatssitzung aufzuschieben. Stadtrat Sepp Wimmer: „Es gibt vom Naturschutzbund Einwände. Es geht um die Vereinbarkeit der Ziele des Biosphärenparks, oder aber auch, wie man mit Alt- und Totholz umgeht.“ Auf der einen Seite wären die Schädlinge wie der Borkenkäfer problematisch, auf der anderen Seite werde allen immer mehr bewusst, dass auch nicht kultivierte Bereiche im Wald notwendig sind.

Stefan Hehberger von der PUK bringt es auf den Punkt: „In dem Antrag ist für mich ganz klar zu erkennen, wo die Richtung hingehen soll, nämlich, dass der Gemeindewald sukzessive zu einem Energiewald umfunktioniert wird.“ Das stehe auch so im Antrag. In den nächsten Jahren sollen Hackschnitzelanlagen errichtet werden, und es soll dafür der eine oder andere Energieholzwald entstehen. Hehberger: „Ich halte das für bedenklich.“ Der zweite Punkt, der ihn stört: Eine Forststraße soll gebaut werden, von der offensichtlich die Beamtenschaft noch nicht weiß, wo sie verläuft.

„Im Antrag ist klar zu erkennen, wo es hingehen soll: Der Gemeindewald soll sukzessive zu einem Energiewald werden.“

PUK-Gemeinderat Stefan Hehberger
Energieeffizienz-Stadtrat Roland Honeder versucht aufzuklären. Grundsätzlich sei der ÖVP sehr bewusst, dass Klosterneuburg einen Zugang zur Waldwirtschaft hat. Der Umbau zum Energiewald sei definitiv nicht angedacht. Von etwa 150 Hektar werden nur 3.000 Quadratmeter als Energiewald angepflanzt, um zu zeigen, wie es gehen könnte. Honeder: „Wir werden genügend Waldflächen haben, wo es Totholz gibt, denn wir haben genug Flächen, die sowieso nicht bewirtschaftbar sind.“ Es werde behutsam vorgegangen.

„Auf der einen Seite müssen wir unsere Verantwortung im Bereich des Wirtschaftens und der Versorgungssicherheit wahrnehmen, auf der anderen Seite soll es ein Wald sein, der für alle da ist.“ Das sei naturgemäß eine Gratwanderung. Und Honeder weiter: „Wir haben in Zukunft eine Situation, die vielleicht ein bisschen wirtschaftlicher ist als in der Vergangenheit.“ „Wenn Energiegewinnung durch den Wald bedenklich ist, was bleibt über? Atom?“, versteht Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager die Einwände nicht.

„Wenn schon Energiegewinnung durch den Wald bedenklich ist, was bleibt über? Atom?“

Stefan Schmuckenschlager, ÖVP Bürgermeister

FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko versteht die Aufregung nicht: „Es steht doch auch im Siedlungskonzept der Kaserne, dass eine Hackschnitzelanlage gebaut werden soll. Wer sich also jetzt überrascht zeigt, hat wieder einmal nichts mitbekommen.“ Pitschko fordert ein Liegenschaftskonzept für Klosterneuburg. Das Waldbewirtschaftungskonzept wurde mehrheitlich angenommen. Der Antrag auf Verschiebung abgelehnt.