Klosterneuburg

Erstellt am 10. August 2016, 05:15

von Christoph Hornstein

„Verschenken keine Handys!“. Der Klosterneuburger Caritas-Geschäftsführer Schwertner ist empört über die Meldung, dass Flüchtlingen Handys gekauft würden.

 |  NOEN

Soziale Medien sind dazu prädestiniert, Falschmeldungen präzise und schnell in Umlauf zu bringen. So geschehen bei Facebook. Da wurde anonym auf einer Unterstützerseite für Bundespräsidenten-Kandidat Norbert Hofer gepostet, dass die Caritas an Asylwerber Handys verschenke. „Nichts davon stimmt. Weder neue noch alte Mobiltelefone werden an Flüchtlinge vergeben“, versichert Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner. Die Caritas will den Urheber ausforschen und überlegt sich eine Klage.

Noch vor kurzem – die Facebook-Seite wurde bereits gelöscht – war auf der Seite „Wir unterstützen Norbert Hofer“ im Facebook zu lesen: „Hartlauer-Mitarbeiter bricht Schweigen: Asylant kauft auf Kosten der Caritas ein I-Phone um 900 Euro! Nie mehr spenden für diesen Verräterverein!!! Stopp der Asylindustrie!!!“

„Ich bin entsetzt und enttäuscht, mit welchen Mitteln Ihre Unterstützer arbeiten und wie in einem Wahlkampf Stimmung gegen die Caritas gemacht wird.“

Posting von Klaus Schwertner an Norbert Hofer

„Ein Lügenmärchen, das wahrscheinlich bewusst in die Welt gesetzt wird“, empört sich der Klosterneuburger Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner. Die Caritas helfe allen Menschen in Not, unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion. Das sei auch in der Flüchtlingsarbeit nicht anders. Und Schwertner weiter: „Dabei sind wir derzeit mit vielen Fragen konfrontiert. Fragen, die wir gerne beantworten, weil Information nicht nur hilft, Ängste und Vorbehalte abzubauen, sondern auch bösartige Lügen aus der Welt zu schaffen. Zumindest teilweise.“ Seit etwas mehr als einem Jahr würden Gerüchte gezielt in die Welt gesetzt werden, um die Caritas in Misskredit zu bringen und um Vorurteile gegen Flüchtlinge zu schüren. Schwertner: „Frei nach dem Motto: Irgendwas wird schon dran sein.“

Über Facebook direkt an Norbert Hofer

Am 29. Juli wurde der Caritas-Geschäftsführer seinerseits aktiv und ließ Norbert Hofer per Facebook wissen: „Ich bin entsetzt und enttäuscht, mit welchen Mitteln Ihre Unterstützer arbeiten und wie in einem Wahlkampf Stimmung gegen die Caritas gemacht wird.“ Nichts davon stimme. Seit einem Jahr werde „dieses bösartige Märchen“ dementiert.

Seit einem Jahr wird in Facebook das Gerücht geschürt, dass die Caritas Flüchtlingen I-Phones im Wert von 900 Euro schenkt.  |  NOEN, privat

„Es macht mich wütend und traurig zugleich. Nächstenliebe ohne Wenn und Aber - dafür setzen wir uns auch in Zukunft ein. Die Würde des Menschen ist unteilbar. Wir helfen allen Menschen unabhängig von Religion, sozialer oder nationaler Herkunft“, so der Caritas Generalsekretär. Viele der Caritas-Einrichtungen und Angebote seien ohne die Hilfe unzähliger Spender sowie all der freiwilligen Helfer nicht möglich.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl weist Vorwürfe der Caritas-Geschäftsführung in Zusammenhang mit dem von der den freiheitlichen Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer unterstützenden Gruppe erstellten Facebook-Posting zurück.

Hartlauer und T-Mobile dementieren

„Dem Caritas-Geschäftsführer wäre es durchaus zuzumuten, mit Hofer direkt in Kontakt zu treten, ehe er ihn mit Behauptungen über angeblich von der Caritas bezahlte Handys für Asylwerber öffentlich in Verbindung bringt“, so Kickl. Hofer hätte ihm in diesem Fall versichern können, dass er sich bisher weder mit dem Preis von speziellen Handys noch mit deren Anschaffung durch oder für Asylwerber beschäftigt habe. Soweit eine Meldung der APA.

Auch die Firma Hartlauer und der Mobilfunkbetreiber T-Mobile dementierten bereits das Gerücht öffentlich. T-Mobile: „Dieses Gerücht wurde schon vor Monaten widerlegt, der betreffende Händler erklärte an diesem Wochenende erneut, dass die Behauptung falsch ist und durch Wiederholung nicht richtiger wird. Es würde dem mit solchen Unwahrheiten (angeblich) unterstützten Präsidentschaftskandidaten gut anstehen, solche Aktionen seiner Wahlkämpfer zurückzuweisen.“

Unwahrheiten müssen ausgemerzt werden

Für den Caritas-Geschäftsführer ist jedoch nur wichtig, Facebook-Unwahrheiten endgültig auszumerzen: „Die Caritas zahlt Flüchtlingen keine Markenkleidung, Küchen- und Wohnungseinrichtungen oder Flachbildschirme. Die Caritas finanziert auch keine Zigaretten oder andere Luxusartikel. Die Caritas übernimmt keine Rechnungen für Flüchtlinge in Supermärkten, Lokalen und anderen Geschäften.“

Richtig sei, dass Flüchtlinge mit gebrauchten Kleidern, Schuhen und anderen Sachspenden, wie Spielzeug für die Kinder, unterstützt werden. „Flüchtlinge bekommen von uns Gutscheine, damit sie die gebrauchten Waren in den ‚carlas‘ (Anm.: Caritas Secondhand Läden) günstig beziehen können. Auch in den Transitquartieren helfen wir den Flüchtlingen mit Sachspenden. Sachspenden, die wir bekommen haben, aber in der aktuellen Flüchtlingshilfe nicht einsetzen können, werden in den ‚carlas‘ verkauft“, erklärt Schwertner.

„Wir hoffen, dass wir damit Missverständnisse klären können und dass die vielen Menschen, die der Caritas vertrauen, dies auch weiterhin tun“, so Schwertner abschließend.