Erstellt am 21. April 2017, 05:09

von Victoria Heindl

Mutter klagt an: Wer ist schuld am Tod der 4-jährigen?. Vor etwa zwei Jahren verstarb ein Kind nach der Einnahme eines codeinhaltigen Hustensaftes. Nun begann Prozess.

Haben die Pharmafirma und der Abfüller ausreichend vor der Einnahme des codeinhaltigen Hustensaftes bei Kindern unter zwölf Jahren gewarnt? Diese Frage wird nun in einem Gerichtsprozess geklärt.  |  NOEN, Wagner

Der Verlust eines Kindes kann wohl durch nichts wieder gut gemacht werden. Aber zumindest möchte man eine Antwort darauf haben, wer für den Tod des Kindes verantwortlich ist. So empfand es wohl auch die Mutter jener Vierjährigen, die vor etwa zwei Jahren nach der Einnahme eines codeinhaltigen Hustensaftes einschlief und nie mehr aufwachte. Deshalb hat die Kritzendorferin nun die österreichische Pharmafirma und den deutschen Abfüller verklagt.

„Es ist schwer abzusehen, wie lange das Gerichtsverfahren dauern wird“, erklärt ihr Rechtsanwalt Franz Kienesberger. Zur Zeit ist eine Sachverständige vom Gericht beauftragt worden festzustellen, ob die Warnhinweise im Beipackzettel ausreichend waren.

Genau das bestreitet Kienesberger. Erst nach dem Tod der Kleinen wurde das Medikament mit einem neuen Beipackzettel mit einer Warnung versehen. „Hätte es schon vorher eine Warnung gegeben, hätte meine Mandantin ihrer Tochter das Medikament sicher nicht gegeben“, ist sich Kienesberger sicher.

Derzeit Klärung der Haftbarkeit

Ob die Pharmafirma und der Abfüller, der auch für den Beipackzettel verantwortlich ist, haftbar sind, hängt nun vom Gutachten ab, das derzeit von einer Sachverständigen erstellt wird. „Wenn die Sachverständige sagt, dass der Beipackzettel nicht ausreichend war, und die Pharmafirma das wusste und nicht geändert hat, dann sind nach dem Produkthaftungsgesetz beide Firmen verantwortlich und haftbar“, erklärt Rechtsanwalt Kienesberger.

Seit Sommer 2015 gesetzlich verboten

Bereits 2013 wurde die Verabreichung von codeinhaltigen Arzneimitteln zur Schmerzbehandlung bei Kindern unter zwölf Jahren deutlich eingeschränkt. Im März 2015 folgte dann vonseiten der AGES Medizinmarktaufsicht eine Empfehlung, auch Hustensäfte, die diesen Wirkstoff enthalten, Kindern nicht mehr zu verschreiben. Im Sommer 2015 wurde ein endgültiges Verbot dieser Arznei auch rechtlich umgesetzt.

All diese Maßnahmen kamen für die kleine Kritzendorferin leider zu spät. Nun muss ihre Mutter auch noch den Gerichtsprozess durchstehen. Wie lang dieser dauern wird, ist derzeit noch nicht absehbar.