Erstellt am 06. April 2016, 13:58

von APA Red

Künstlerhaus für Essl-Sammlung nicht ideal. Das Wiener Künstlerhaus ist für Karlheinz Essl kein idealer Ort, um nach der Schließung seines Museums in Klosterneuburg künftig seine Sammlung zu präsentieren.

Karlheinz Essl und Hans Peter Haselsteiner  |  NOEN, APA

 "Das Künstlerhaus kann man ja mit dem Essl Museum überhaupt nicht vergleichen", sagte Essl am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal".

Bekanntlich wird das Künstlerhaus von Hans Peter Haselsteiner, der mit seiner Stiftung auch 60 Prozent an der Sammlung Essl hält, renoviert und soll ab Herbst 2018 mit heimischer Kunst nach 1945 bespielt werden. "Das Künstlerhaus ist eine Ausstellungshalle, das Essl Museum ist ein Sammlungsmuseum", so Essl mit Verweis auf die bis zu zehn Ausstellungen, die das Essl Museum pro Jahr realisiert hat. Das Künstlerhaus sei zu klein und würde darüber hinaus lediglich drei oder vier Ausstellungen pro Jahr machen können. Personalen wie im Essl Museum seien in diesem Umfang nicht möglich.

Dass sein Museum künftig nur als Depot dienen soll, will Karlheinz Essl selbst noch nicht richtig wahrhaben. Das von Heinz Tesar errichtete Museum sei "ja eine Architekturikone mit den schönsten Ausstellungsräumen der Welt". Zudem habe man zugleich über ein Depot verfügt. "Die meisten Häuser in der Welt sind Kunsthallen, die immer irgendwo ihre Sachen zusammentragen müssen. Wir können auf unseren Fundus zurückgreifen." Er selbst sei jedenfalls am Ende seiner Möglichkeiten angelangt, das Museum weiter zu betreiben. "Der Ball liegt jetzt ganz eindeutig bei der öffentlichen Hand."

Haselsteiner gibt er an der Schließung keine Schuld: "Doktor Haselsteiner hat immer erklärt, dass er mit dem Essl Museum nichts zu tun hat - das wäre meine Angelegenheit. Okay. Das habe ich auch zur Kenntnis genommen", so Essl, der klar sagt: "Es liegt mehr oder weniger am Verständnis des Bundes, ein Museum, das jetzt 17 Jahre von uns, von meiner Frau und von mir eben betrieben worden ist. Wir haben alles getan, was wir tun konnten."

Betroffen von der Schließung des Essl Museums zeigte sich Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Einen Zusammenhang mit der Renovierung des Künstlerhauses und der dortigen Präsentation von Werken aus der Sammlung Essl will er aber nicht gesehen wissen. Ab Ende 2018 möchte er dort - im Sinne Karlheinz Essls - jedenfalls stark auf Kunstvermittlung setzen.

"Wir alle haben miterlebt, wie sehr sich das Ehepaar Essl bemüht hat, trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in der das Unternehmen baumax gesteckt ist, alles zu tun, um die Sammlung zu erhalten und den Betrieb des Museums zu sichern. Dabei war es klar, dass das eine herkulische Herausforderung darstellt, bei der es am Ende sein kann, dass sie nicht zur Zufriedenheit erledigt wird. Das ist jetzt sicher eine große Enttäuschung, aber nicht ganz überraschend. Tut mir aber sehr, sehr leid", so Schröder hörbar betroffen.

Sehr bedauerlich findet auch Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums in Wien, die Schließung des Essl Museums ab 1. Juli. "Es kann nicht sein, dass dieses Haus leer steht", meinte er am Mittwoch im Gespräch mit der APA: "Man muss Ideen generieren." Wipplinger sieht mehrere mögliche Perspektiven für das Klosterneuburger Museum, dessen Architektur sich hervorragend bewährt habe.