Erstellt am 26. August 2016, 05:57

von Ewald Baringer

Baustelle - bitte warten!. Das einst beliebte Ausflugsziel dämmert seit Jahren als Sanierungsobjekt dahin und verfällt langsam zur Ruine - eine ebenso unrühmliche wie offenbar unendliche Geschichte.

Demarkationslinie, Eiserner Vorhang, Kriegsgebiet? Mitnichten - so bietet sich das einstige Ausflugsziel Leopoldsberg heute den erstaunten Blicken der Touristen: stacheldrahtbehängt. Eine Sanierungsmaßnahme?  |  NOEN, Baringer

Seit acht Jahren ein Dauerthema in der Öffentlichkeit und in den Medien ist die Situation um die wiederholt in Aussicht gestellte Sanierung des Areals am Leopoldsberg: Das einst gern besuchte Ausflugsziel verfällt weiterhin - zur Verblüffung der noch immer am Burgtor aufkreuzenden Touristen aus aller Herren Länder.

Der Eingang zur Burg, mittlerweile mit allerlei unfreundlichen Anmerkungen verärgerter Besucher verziert, bleibt jedoch verbarrikadiert. Von den angekündigten Sanierungsmaßnahmen ist nichts zu sehen, die einzige optische Veränderung betrifft die Anbringung von Stacheldraht am alten Gemäuer, was auch nicht gerade zur Attraktivierung beiträgt.

Zur Vorgeschichte: Das Stift Klosterneuburg als Eigentümer verpachtete die Burg samt Baurecht für 100 Jahre an den Architekten Alexander Serda - mit der Auflage, das Objekt binnen einer gewissen Frist zu sanieren und einer Verwendung zuzuführen.

Jahrelanger Stillstand, kein konkretes Konzept

Doch statt dessen folgte jahrelanger Stillstand, trotz Bürgerinitativen und tausenden Unterschriften. Das Bundesdenkmalamt nahm Untersuchungen auf, ursprüngliche Pläne für ein Hotel erwiesen sich offenbar als nicht realisierbar, auch ein Restaurant wird es am Leopoldsberg nicht mehr geben.

Im Mai dieses Jahres schien Bewegung in die Sache zu kommen: Wie einige Tageszeitungen kolportierten, hätten sich Stift und Serda geeinigt, bis Ende 2017 zumindest die Kirche wieder zugänglich zu machen. Auch von Festsälen, Ausstellungsräumen und einem Archiv als langfristige Perspektiven war die Rede - und davon, dass im Sommer mit den Arbeiten zumindest an der Kirche begonnen werden sollte.

Davon ist allerdings nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Laut „Wiener Zeitung“ bliebe es Serda überlassen, ob er das Bauvorhaben (welches eigentlich?) überhaupt zu Ende bringt. Im Pachtvertrag seien keine Sanktionsmöglichkeiten vorgesehen, sollte er die Anlage auch in den nächsten Jahrzehnten nicht renovieren. Stellt sich die grundsätzliche Frage, ob ein Vertrag mangels Vertragserfüllung nicht aufzukündigen wäre.

Weitere Verlängerung?

Die aktuelle Baustellengenehmigung läuft jedenfalls laut Aushang an der Burg bis 30. September. Dass die MA 46 der Stadt Wien eine weitere Verlängerung genehmigt, scheint nicht ausgeschlossen.

Über das Architekturbüro Serda, das von Venedig bis Dubai international tätig ist, zuletzt jedoch mit der Insolvenz eines Privatschulprojekts in St. Gilgen negative Schlagzeilen gemacht hatte, läuft übrigens auch der Verkauf der sogenannten „Residenz Klosterneuburg“ mit insgesamt 15 Appartements im ehemaligen historischen Schmiedehof, die unter den auf der Homepage angebotenen Luxusimmobilien aufscheint.

Bis Redaktionsschluss ist die vom Architekturbüro Serda erbetene Stellungnahme zum aktuellen Stand des Leopoldsberg-Projekts nicht eingelangt.