Erstellt am 11. September 2015, 06:27

von Claudia Wagner

„Der Weg zur Normalität“. Museumsdirektor und Leiter des „Haus der Künstler“ Johann Feilacher sieht die Kunst als Prozess, dass psychische Kranke eine eigene Persönlichkeit entwickeln können.

Nina Katschnig ist Leiterin der »galerie gugging«, Johann Feilacher Leiter vom »Haus der Künstler« und Museumsdirektor. Gemeinsam mit ihrem Team möchten sie die bestmöglichen Bedingungen für die Gugginger Künstler schaffen. »Die Kunst ist ein enormer Denk- und Lernprozess«, so Feilacher.  |  NOEN, Claudia Wagner
Johann Feilacher hat zwei Leidenschaften: Psychiatrie und Kunst. In seiner Rolle als Leiter des „Hauses der Künstler“ und Direktor des „museum gugging“ hat der Bildhauer seine beiden Hobbys verbunden und zum Beruf gemacht.

Der Weg dorthin war nicht immer rosig, das Ziel aber stets klar vor Augen: „Die Idee war es, ein integratives Kulturzentrum zu gründen, das den Guggingern die selbe Chance vermittelt, die jeder andere Künstler weltweit auch hat“, erinnert sich Feilacher an seine Anfänge zurück.

1986 löste der gebürtige Kärntner seinen Vorgänger Leo Navratil ab und übernahm die Leitung des Zentrums für Kunst- und Psychotherapie in Gugging, wie es damals noch hieß. Den Namen änderte der Neo-Chef aber bald, denn „das Zentrum hat mit Kunst zu tun, nicht mit Psychiatrie, deswegen ,Haus der Künstler‘“, so Feilacher.

Als Therapie an sich möchte er die Kunst nicht bezeichnen, sie ist vielmehr „der Weg zur Normalität“. Ihre psychischen Krankheiten verwehren den Guggingern nämlich ein alltägliches Leben mit Beruf und Einkommen.

Zwölf Personen im „Haus der Künstler“

„Ihre Talente bieten ihnen aber genau das und die Fähigkeit, eigene Persönlichkeiten zu entwickeln. Das ist ein ganz wichtiger Nebeneffekt“, erklärt der Museumsdirektor.
Und gestärkt durch diesen Vertrauens-Schub bessern sich auch das Sozialverhalten der Künstler und der Umgang miteinander. Feilacher: „Die Kunst ist ein enormer Denk- und Lernprozess für die Gugginger Künstler.“

Das sehe man auch an den zwölf Personen, die momentan im „Haus der Künstler“ betreut werden. Für sie möchte der Leiter „eine Umgebung schaffen, die möglichst günstig für ihren psychischen Zustand ist“. Da gehört auch der Besuch im offenen Atelier dazu.

Dort werden den Künstlern Materialien zur Verfügung gestellt, um ihre Werke zu gestalten. Die fertigen Malereien, Zeichnungen und Kunstfiguren werden dann bei internationalen Ausstellungen oder in Museum und Galerie in Maria Gugging gezeigt.

Und hier machen sich die Künstler dann auch gerne selbst ein Bild von ihren Werken – und erzählen den Kulturhügel-Besuchern stolz von ihrer Kunst.