Erstellt am 29. September 2015, 16:27

von Christoph Hornstein

Nach 61 Jahren ist Bezirk Geschichte. Klosterneuburg zu Tulln, so will es die Landesregierung. Die Klosterneuburger sind wenig begeistert.

Stefan Schmuckenschlager  |  NOEN, NÖN
Die Schnelligkeit, in der in Österreich Bezirke von der Landkarte verschwinden, würde man sich bei anderen Problemlösungen – wie zum Beispiel der Frage der Unterbringung von Flüchtlingen – nur wünschen. Nur eine Woche nach Verkündigung der Bezirksauflösung Wien Umgebung wurde das Vorhaben nun im Landtag beschlossen: Der vor 61 Jahren gegründete Bezirk Wien Umgebung ist Geschichte. Zur Überraschung vieler ging dabei die Landesregierung auf fast alle Wünsche der Gemeinden ein. Schmuckenschlagers Dreier-Wunsch-Paket wurde dabei allerdings nur in einem Punkt erfüllt: Klosterneuburg bekommt eine BH-Außenstelle.

x  |  NOEN, privat


Klosterneuburg kommt unter die Verwaltung von Tulln, das bleibt – zumindest einstweilen – in Stein gemeißelt. Obwohl da noch die Variante der Statutarstadt, also eine Stadt, die sich selbst verwaltet, herumgeistert (siehe Seite 12). Die Auflösung und die Zuteilung der Gemeinden an bestehende Bezirke hat die Landesregierung jedenfalls beschlossen. Dass sie aber zu Kompromissen bereit ist, beweist die Tatsache, dass kurz vor der Landtagssitzung in einer Sondersitzung auf die Wünsche der Gemeinden eingegangen wurde: So kommt Gerasdorf nicht zu Gänserndorf, sondern zu Korneuburg, und der gesamte Gerichtsbezirk Purkersdorf wird – mit Gablitz und Mauerbauch – in Zukunft in den Bezirk St. Pölten eingegliedert.

Wie es mit Klosterneuburg weitergeht, darüber hat Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager klare Vorstellungen: „Zwei Forderungen wurden schon gestellt. Mit der Gründung der BH-Außenstelle sowie eines eigenen Kennzeichens für Klosterneuburg, um nicht in einer fremden Identität unterzugehen.“ Die weitere Zukunft der Stadt ist für Schmuckenschlager noch offen: „Aufgrund der Wünsche aller Parteien im Gemeinderat bin ich auch für eine Machbarkeitsstudie zum Thema Statutarstadt.“

Neue Variante: „W“ statt „TU“?

Eigenständige Verwaltung oder vielleicht doch zu Wien? Diese Variante befürwortet jedenfalls der Listenchef Peter Hofbauer. Als ob er zum Anschluss an Tulln eine Vorahnung gehabt hätte, lehnte Hofbauer bereits zu Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts diese Variante ab und stellte unter anderem auch eine Angliederung Klosterneuburgs an Wien zur Diskussion. „Wir wollen ganz einfach auch diese Möglichkeit auf Vor- und Nachteile geprüft wissen“, so Peter Hofbauer. „W“ statt „TU“ und die Wiener Öffis wären dann auch in Klosterneuburg.

„Ist eine politische Entscheidung“

Der längstdienende Bezirkshauptmann von Wien Umgebung, Wolfgang Straub, schaut auf seine 15-jährige Amtszeit zurück: „Die Auflösung ist für mich überraschend, aber nicht unerwartet gekommen. Seit es den Bezirk Wien Umgebung gibt, wird auch seine Auflösung immer wieder diskutiert.“ Und zur Sinnhaftigkeit der Auflösung: „Dazu kann ich nicht viel sagen, weil es eine politische Entscheidung ist und ich keine Unterlagen über die Einsparungen und Kosten habe. Was mich freut, ist, dass alle Bezirksbewohner die Arbeit der BH sehr geschätzt haben.“