Erstellt am 04. Januar 2012, 07:26

„Ökologisch ungefährlich“. GOLFPLATZ / Richtig gemacht, stellt er gesamtökologisch keine Gefahr dar. Landschaftsarchitekt Schmidt im NÖN-Gespräch.

DI Stefan Schmidt ist Landschaftsarchitekt: „Umwidmung ist das Problem.“  |  NOEN
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VON CHRISTOPH HORNSTEIN

KLOSTERNEUBURG /  Der geplante Bau eines Golfplatzes am Gelände des Weißen Hofs war das bestimmende Thema des letzten Jahres und wird es wohl auch 2012 sein. Viele ungeklärte Fragen schwirren um dieses Thema. Thesen werden als Argumente für Pro und Kontra verwendet. Die NÖN bemüht sich, ein bisschen Licht in die Fakten zu bringen, und sprach mit einem renommierten Landschaftsarchitekten: DI Stefan Schmidt.

NÖN: Herr Diplomingenieur: Sind Sie Golfer?

Schmidt: Nein, ich habe mich nur im Zuge meiner Tätigkeit als Grünraumgestalter mit Golfplätzen beschäftigt.

NÖN: Golfplatzgegner sagen, ein Golfplatz sei biologisch tot. Stimm das?

Schmidt: Prinzipiell kann man sagen, dass ein Golfplatz nicht mehr gedüngt wird als beim Anbau von Feldgemüse. Die Düngerbelastung ist in etwa ident. Intensive Landwirtschaft belastet den Boden nicht mehr als ein Golfplatz.

NÖN: Wie geht es den Tieren mit einem Golfplatz?

Schmidt: Ist der Golfplatz umzäunt, erlischt das Areal als Lebensraum für wild lebende Tiere. Das ist Faktum.

NÖN: Als kommt es wieder einmal auf das „Wie“ beim Golfplatzbau an...

Schmidt: Wenn der Golfplatz richtig angelegt ist, kann er mehr bringen als ein von der Landwirtschaft intensiv genutzter Boden. Beim Bau eines Golfplatzes gibt es unterschiedliche Philosophien. Golfplätze können sehr gut in die Landschaft angepasst sein.

NÖN: Können Sie mir positive und negative Beispiele nennen? Schmidt: In Schönborn im Weinviertel sieht man beide Möglichkeiten: Auf der einen Straßenseite ist der Golfplatz in der Landschaft integriert, auf der anderen Seite für die Spieler optimiert. Einen Golfplatz kann man durchaus so anlegen, dass ein landschaftlicher Mehrwert entsteht: Hochgras, mit Gewässern oder Heckenstrukturen. Oder aber man plant ihn so, dass er für den Sport das Optimum ist. Ein Negativbeispiel dafür ist der Golfplatz Tuttendörfl.

NÖN: Soll man jetzt den Golfplatz bauen?

Schmidt: Gesamtökologisch würde ich sagen, dass ein Golfplatz keine Gefahr darstellt, wenn auch die Grundwasserproblematik geklärt ist.

NÖN: Also umwidmen!

Schmidt: Die Umwidmung ist das eigentliche Problem. Was die Menschen auf die Palme bringt, ist der Verlust ihres Naherholungsgebietes. Der Golfplatz müsste also als solches zugänglich bleiben. Wenige, die bezahlen, bekommen eine Sportstätte auf Kosten des Naherholungsgebietes vieler.

NÖN: Also geht es primär um den Aspekt der Raumplanung?

Schmidt: Alles andere ist sekundär. Auf Zuruf eines Unternehmers wird einfach umgewidmet. Da muss sich doch vorher jemand etwas überlegt haben, und das wird jetzt einfach über Bord geworfen. Öffentlicher Raum wird durch Umwidmung privatisiert.