Erstellt am 18. Februar 2016, 05:54

von Claudia Wagner

"Offenheit für Kulturen ist Spezialität". US-Chorherr Daniel lobt Klosterneuburg für die Aufgeschlossenheit und das gemeinschaftliche Leben im Kloster.

Für die Kirchengemeinschaft in New York ist es ein besonderes Highlight, wenn Besuch aus Klosterneuburg kommt. Stiftskustos Nicolaus Buhlmann und Propst Bernhard Backovsky posieren für Erinnerungsfotos.  |  NOEN, Stift Klosterneuburg

Nicht nur die 24 Pfarren in Klosterneuburg und Umgebung werden von Stifts-Chorherren betreut. Auch das norwegische Bergen hat einen Priester aus der Babenbergerstadt. Die weiteste Entfernung zu Klosterneuburg haben aber die beiden Stiftspfarren in den USA.

Und dort hat die Gerüchteküche im Sommer 2011 mächtig gebrodelt: „Die Mönche sind aus Australien“, munkelte man, als zwei neue Pfarrer angekündigt wurden. Besagte Geistliche kamen aber nicht etwa aus Downunder, sondern aus Österreich, genauer gesagt aus dem Stift Klosterneuburg.

Von New York ins Stift und retour

Elias Carr und Daniel Nash übernahmen damals die Pfarren St. Patrick und St. Rocco – und kehrten so in ihre Heimat zurück. Denn beide Chorherren stammen ursprünglich aus Long Island.
Während ihres Studiums lernten die gebürtigen New Yorker den Augustiner-Orden kennen – und lieben. Besonders die Gemeinschaft im Kloster überzeugte Daniel: „Es ist super, Priester zu sein. Aber etwas fehlt, nämlich das Zusammensein.“ Das fanden die Amerikaner schließlich in Klosterneuburg. Elias trat 2002 ins Stift ein, Daniel folgte zwei Jahre später.

„Damals hatte ich die Hoffnung, diese Lebensform auch in die USA zu bringen“, erinnert sich Daniel. Und dieser Wunsch ist nur wenige Jahre später erfüllt worden, als die Chorherren die Stiftspfarren in New York übernahmen.

Seitdem hat sich auf Long Island eine familiäre Kirchengemeinschaft gebildet, trotz unterschiedlicher Herkunftsländer. „Die Menschen stammen aus 19 verschiedenen Ländern, das könnte zu Problemen führen. Aber nicht in der Kirche. Hier ist ein lebendiger Austausch innerhalb der Gemeinde“, erzählt Elias. Diese Aufgeschlossenheit im Pfarrleben haben die Chorherren aus der Babenbergerstadt importiert, verrät Daniel: „Die Offenheit für verschiedene Kulturen ist eine Spezialität von Klosterneuburg.

Hochwürden oder doch Vaterfigur?

Ebenfalls besonders – und sehr ungewohnt – ist für die Amerikaner die Art, wie Chorherren in Österreich angesprochen werden: „Hochwürden, das ist so distanziert“, wundert sich Daniel, „in den USA werden wir ,father‘, also Vater genannt. Dadurch haben wir sofort eine Beziehung zum Gesprächspartner.“ Immer, wenn er in Österreich ist, vermisst der Chorherr diese väterliche Anrede. Aber trotzdem kommt er immer wieder gerne zurück nach Klosterneuburg.

Und genauso gerne sind die Kollegen auch auf Long Island gesehen: „Die Gastfreundschaft, die wir in Österreich gelernt haben, leben wir auch in den USA“, so Daniel.