Klosterneuburg

Erstellt am 20. April 2017, 05:46

von Christoph Hornstein

„Brücke in Klosterneuburg ist überholt“. Donaubrücke steht wieder zur Diskussion. Bürgermeister Schmuckenschlager will eine. Verkehrs-Guru Knoflacher: „Kein Thema.“

Wie in Ybbs-Persenbeug könnte auch über das Kraftwerk Greifenstein eine Straße führen. So stellt es sich jedenfalls Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager vor.  |  NOEN, Hornstein

Brücke oder Tunnel? Dieses Thema erhitzte 2002 die Gemüter. Heute, 15 Jahre später, gibt es keines von beiden, das Thema Brücke ist aber nun wieder auferstanden.

Am 14. April 1906(!) titelte die „Neue Klosterneuburger Zeitung“: „Brücke von Klosterneuburg nach Langenzersdorf“. Damit feierte das Thema Klosterneuburger Brücke voriges Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Nun ist es wieder am Tapet. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager: „Ich bin ein Freund der Idee, eine Querungsmöglichkeit über die Donau beim Staudamm Greifenstein zu schaffen.“

„Ybbs-Persenbeug ist genauso lang, und es hat die gleichen Turbinen. Warum soll das in Greifenstein nicht gehen?“Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager

Der Verkehr vom ständig wachsenden Tullnerfeld durch das Donautal und Klosterneuburg nach Wien wird immer heftiger. Darunter stöhnt die Bevölkerung von Höflein, Kritzendorf und Klosterneuburg, obwohl die im Dezember 2008 dem Verkehr freigegebene Umfahrungsstraße doch einiges an Entlastung für die Stadt brachte. Gemeinsam mit der Umfahrungsstraße sollte der sogenannte Martinstunnel den Stadtplatz entlasten. Der wurde und wird wegen der zu hohen Kosten – nach Meinung vieler – nie gebaut.

Verkehrsexperte Professor Hermann Knoflacher war immer ein erklärter Gegner des Martinstunnels. „Die verkehrsplanerische Entscheidungsgrundlage für den Bau des Martinstunnels ist falsch und daher unbrauchbar. Die darin enthaltenen Annahmen entsprechen nicht der Realität. Daher ist es unverständlich und auch nicht zielführend, wenn die Politik darauf Hoffnungen knüpft“, meinte Knoflacher schon 2002 bei einer Bürgerversammlung in Maria Gugging.

Als Alternative sah der Verkehrsexperte die Brücke, nein, sogar zwei: eine auf Höhe der Industriezone Schüttau und
eine eben in Greifenstein. Diese von Professor Knoflacher aufgezeigte Alternative würde eine spürbare Entlastung des Durchzugsverkehrs bringen. Die Gemeinde Wördern hätte eine direkte Anbindung an die Autobahn, der Hauptwohnsitzentwicklung im östlichen Tullnerfeld würde ein Brückenschlag gerecht.

Machbarkeitsstudie wäre notwendig

Für Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager ist eine Entlastung des Donautals durch eine Querung über den Greifensteiner Staudamm eine gute Brückenvariante. „Man müsste natürlich eine Machbarkeitsstudie darüber machen, ob der Damm den Belastungen des Straßenverkehrs standhält.“ Als Beispiel führt Schmuckenschlager das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug an, wo über den Staudamm der Verkehr geführt wird. „Das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug ist genauso lang, und es hat die gleichen Turbinen. Ich wüsste nicht, warum das in Greifenstein nicht gehen sollte“, so Schmuckenschlager. Obendrein sei es die naturschonendste Art, die Donau zu überqueren, und der Verkehr aus dem östlichen Tullnerfeld könnte abgeschöpft werden.

„Ökologisch und wirtschaftlich sinnlos“

Für die Grünen ist das Thema nicht zu realisieren. „Die Idee ist prinzipiell nicht schlecht, aber leider nicht realistisch und illusorisch“, meint der Fraktionschef der Grünen, Sepp Wimmer. Man müsste umfangreiche Straßenzüge bauen, und das hätte wirtschaftlich und ökologisch keinen Sinn. Die Urheberin der neuen Brückendiskussion, Wirtschaftskammerpräsidentin Sonja Zwazl, die für eine Brücke plädierte, versteht Wimmer schon gar nicht. „Sie will das aus wirtschaftlichen Überlegungen, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, dass eine neue Donaubrücke Kaufkraft von Klosterneuburg abziehen würde“, so Wimmer.

Donauüberquerung über das Kraftwerk Greifenstein ebenfalls ein Thema

FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko erinnerte daran, dass das Land Niederösterreich bereits vor mehreren Jahren eine Standortuntersuchung für eine Brücke zwischen Klosterneuburg und Korneuburg durchgeführt hat. Auch die Donauüberquerung über das Kraftwerk Greifenstein wurde bereits diskutiert. Während die FPÖ damals im Gemeinderat eine Donaubrücke bei der Rollfähre – insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Einstellung des Fährbetriebes – befürwortete, hat sich die ÖVP dagegen ausgesprochen. Es mute daher geradezu grotesk an, wenn jetzt die langjährige ÖVP-Mehrfachfunktionärin Sonja Zwazl eine Donaubrücke fordere.

Wunsch nach Brücke ein alter Hut?

„Wenn Wahlen vor der Tür stehen, kramen die politischen Fossilien der ÖVP in ihren verstaubten Laden und holen alte Hüte hervor. Wie Sonja Zwazl die Donaubrücke, hat Josef Höchtl immer wieder die bereits längst von der Stadt Wien und dem Land Niederösterreich abgelehnte Verlängerung der U4 nach Klosterneuburg hervorgekramt“, so Pitschko sarkastisch.

Verkehrsexperte Professor Hermann Knoflacher hat indes seine Meinung in den Letzten 15 Jahren radikal geändert: „Das Brückenprojekt ist längst überholt, denn der Verkehr nimmt heute ab.“ Es sollte eine auf die Städte lokal bezogene Verkehrspolitik betrieben werden. Eine offizielle Machbarkeitsstudie, ob der Staudamm eine Straßenführung aushalten kann, gibt es nicht, denn die hätten damals Privatinteressen verhindert. Aber es stehe außer Zweifel, dass, wie in Ybbs-Persenbeug, dies von der Belastbarkeit möglich wäre.