Erstellt am 01. Juni 2016, 06:05

von Christoph Hornstein

Rauchern soll das Grausen kommen. Bis Mai 2017 wird es nur mehr Zigarettenpackungen mit Schockbildern geben. Trafikant Tauchner: „Halte nichts davon.“

Diese - von der EU freigegebenen - Bilder werden bald die Zigarettenpackungen zieren. Ein Blick ins Internet zeigt aber noch wesentlich Scheußlicheres, das die Packerln schmücken soll.  |  NOEN, Gesundheitsministerium

Mit zerfressenen Lungen, verfaulten Zähnen, und Leichenbildern setzt nun das Gesundheitsministerium das um, was die Europäische Kommission als Richtlinie vorgibt.

Den Rauchern soll der Spaß am Rauchen mit abscheulichen Fotos auf der Zigarettenpackung vergällt werden.

Ob dieses Unterfangen die gewünschten Früchte trägt, steht auf einem anderen Blatt. Trafikant Andreas Tauchner: „Ich glaube nicht daran. Die Raucher werden sich einfach an die Scheußlichkeiten gewöhnen.“

Ab sofort alle Packungen mit Abschreckungen

Seit 20. Mai ist die Novelle des Tabakgesetzes durch und beschlossen. Seit diesem Datum darf keine Zigarettenpackung mehr ohne Schockbilder produziert werden.

Ein Drittel der Zigarettenpackung ist dafür reserviert. Nach einer Übergangsfrist bis 20. Mai 2017 darf auch keine alte Packung mehr verkauft werden.

„Dieses neue Gesetz findet auch Zustimmung bei der Gesundheitsministerin“, weiß die Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums Raphaela Pammer. Die neue Schocklinie trage zur Bewusstseinsbildung bei.

Rauchern wird per Telefon geholfen

Auch die Ministerin wisse, dass es natürlich in absehbarer Zeit zu einem Gewöhnungseffekt käme. Trotzdem wird die neue Kampagne vom Ministerium voll unterstützt, aber auch gleichzeitig Hilfe angeboten.

„Auf jeder Packung wird die Nummer des ‚Rauchfrei-Telefons‘ stehen, damit kann jeder, der mit dem Rauchen aufhören will, kostenlos Hilfe bekommen“, so die Presssprecherin.

Trafikant Andreas Tauchner vom Stadtplatz glaubt nicht an die Wirkung der Schockbilder, die auf den Zigarettenpackungen und dem Feinschnitt für Zigarettenwuzler kommen soll: „Der Effekt der Abschreckung ist vielleicht am Anfang gegeben, aber weitergeraucht wird sicher. Vielleicht mit schlechtem Gewissen, oder weniger Lust an Rauchen.“

Raucher und Trafikanten nicht begeistert

Schon die Einführung der schriftlichen Warnungen auf den Zigarettenpackungen hätte aus Sicht des erfahrenen Trafikanten nicht viel gebracht.

Was wirklich etwas brächte, wäre die Arbeit mit den Jugendlichen. „Wir schauen penibel auf den Jugendschutz, das bringt mehr als scheußliche Bilder“, ist Tauchner überzeugt.

Die Einführung der Schockbilder hat schon Protest bei den Kunden Tauchners gebracht. „Schon jetzt fragen meine Kunden, wann denn die Bilder kommen, und zeigen sich nicht glücklich darüber.“

Und Tauchner zeigt Verständnis: „Wenn sich jemand eine Zeitung kaufen will, muss er sich demnächst ein ganzes Regal voller scheußlicher Bilder anschauen.“
 


Meinungen
 

x  |  NOEN, zVg
Oskar Schmid, 79 Jahre, starker Raucher, Höflein 

„Von solchen Bildern lasse ich mich sicher nicht abschrecken. Das ist ja eine Kinderei. Ich rauche seit fast 50 Jahren. Einmal habe ich versucht, mir das Rauchen abzugewöhnen. Nach drei Wochen hat dann meine Frau zu mir gesagt: Bitte fang wieder mit dem Rauchen an, du bist sonst unleidlich. Seit dem rauche ich wieder und auch die neuen Fotos auf den Packungen werden mich davon nicht abhalten.“


 

x  |  NOEN, zVg
Richard Raz, Gewohnheitsraucher, Vizebürgermeister

„Ich bin gerade beim Abgewöhnen und es fällt mir nicht leicht. Vielleicht helfen die abschreckenden Bilder bei den Personen, die gerade mit dem Rauchen anfangen. Einen langjährigen Gewohnheitsraucher werden diese Bilder sicher nicht abschrecken. Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss es selbst wollen. Und da geht es nur radikal und mit ärztlicher Unterstützung. Das habe ich am eigenen Leib gemerkt.“