Erstellt am 24. September 2015, 07:12

von Victoria Heindl

Die Wurzel des Übels. Bei den Bauarbeiten für die neue Lärmschutzwand wurden die Baumwurzeln derart beschädigt, dass nun die gesamte Baumgruppe an der Ortsgrenze gefällt werden muss.

Ortsvorsteher Manfred Hoffelner zeigt die Beschädigungen an den Wurzeln. Nun bestätigt ein Gutachten, dass alle Bäume gefällt werden müssen. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar.  |  NOEN, Victoria Heindl
Noch sind die Fundamente des neuen Abschnitts der Lärmschutzwand in Höflein hinter hohen Bäumen versteckt. Aber bald schon werden die Anrainer freie Sicht auf die Lärmschutzwand haben, da der jetzige Baumbestand gerodet werden muss. Der Grund dafür sind die Bauarbeiten, bei denen die Wurzeln massiv geschädigt wurden.

Schon bei den ersten Begehungen durch die ÖBB und die Stadtgemeinde wurde festgestellt, dass der Baumbestand an der Ortsgrenze zu Kritzendorf nur mehr etwa einen Meter Abstand zu der neuen Lärmschutzwand haben wird. Auf die Gefahr, dass die Bäume durch die Bauarbeiten gefährdet sein könnten, wies die Stadtgemeinde Klosterneuburg mehrfach hin und hielt dies auch schriftlich fest.

Stadtgemeinde bestand auf Erhalt der Bäume

Nach einer Begehung in diesem Juni wurde die Entscheidung der Stadtgemeinde nochmals der ÖBB übermittelt. In einer E-Mail stellte Referatsleiter Bernhard Klammer klar, dass die Stadtgemeinde Klosterneuburg einer Rodung des hohen und dichten Baumbestandes auf einer Länge von etwa 155 Meter nicht zustimmt, wenn diese nur der vereinfachten und leichteren Herstellung der Lärmschutzwand dienen sollte.
An dieser Entscheidung wurde auch bei einer weiteren Baufeldbegehung im August 2015 festgehalten. Die Rodung und Entfernung der Bäume und der Gebüschreihen hätten ausschließlich nur im unbedingt erforderlichen Ausmaß zu erfolgen.

Doch nun, nachdem die beauftragte Baufirma – STRABAG – die Baggerarbeiten abgeschlossen hat und die Fundamente gegossen sind, stellt sich heraus, dass die Bäume gerodet werden müssen.
Der Grund: Durch die Baggerarbeiten sind bei den Bäumen, die sich direkt neben den Bahngleisen befinden, die Wurzeln abgerissen worden.

„Wenn vorsichtig gegraben worden
wäre, hätte man die Bäume retten können.“
Manfred Hoffelner, Ortsvorsteher Höflein

Nun bestätigt ein Gutachten, das die Stadtgemeinde in Auftrag gegeben hat, dass es für diese Bäume keine Rettung mehr gibt. Und auch die restliche Baumgruppe wird der Axt zum Opfer fallen müssen, da sie durch die Rodung an der Bahnstrecke ihre Stabilität verlieren wird. „Wäre vorsichtig gegraben worden, hätte man die Bäume retten können“, zeigt sich Ortsvorsteher Manfred Hoffelner erbost über die entstandene Situation.

„Im Vorfeld wurde darauf hingewiesen, dass man sich im Zuge der Baufeldfreimachung – Vorschriften und Standards wurden dabei eingehalten – die Situation anschauen wird, ob man die Baumreihen erhalten kann oder nicht. Ein hundertprozentiges Zusichern und Versprechen konnte davor nicht abgegeben werden, weil man vorher nicht genau sagen kann, wie die Wurzeln gelagert sind und wie sich die Ausschlagskraft präsentiert“, kontert Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB. Die Gemeinde habe dies gewusst und den Maßnahmen zugestimmt, erklärt Seif weiters. Außerdem sei bei einer Begutachtung durch Experten festgestellt worden, dass einzelne Bäume krank seien.

Die Stadtgemeinde ihrerseits hat allerdings immer wieder darauf hingewiesen, dass sie einer Rodung der 20 bis 30 Jahren alten Bäume nicht zustimmt.

Wie geht es mit dem Grünstreifen weiter?

Nun müssen die Bäume gefällt werden. Wie es danach mit dem Grünstreifen weitergehen soll, steht noch nicht fest. „Nach Abschluss der Arbeiten wird man sich die neue Situation ansehen und überlegen, wie eine Neubepflanzung ausschauen kann“, beruhigt Seif. Wer allerdings die Kosten dafür übernehmen wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Die nächste Baubesprechung findet am 30. September statt.