Erstellt am 11. Februar 2016, 05:48

von Christoph Hornstein

Rostockvilla: Keine Volksbefragung. Das eigens für die Erhaltung der Rostockvilla gegründete Komitee stellt seine Aktivitäten ein. Um 1.000 Unterschriften zu wenig.

Das Land NÖ als Eigentümer der Rostockvilla sucht weiter nach einem Käufer. Eine Volksbefragung über den Erhalt als Kulturstätte wird es aber nicht geben. Die Betreiber, das Bürgerkomitee, stellen ihre Aktivitäten ein. Das Ergebnis: 1.600 Unterschriften. Um 1.000 zu wenig.  |  NOEN, NÖN

Die angestrebte Volksbefragung zum Erhalt der Rostockvilla als Klosterneuburger Kulturstätte wird es nicht geben. Das eigens dafür gegründete Bürgerkomitee sammelte 1.600 Unterschriften. Um tausend zu wenig, denn für eine Volksbefragung wären um die 2.600 Unterschriften notwendig gewesen.

Rostockvilla für Kultur und Museen

Im April 2015 hat sich „Das überparteiliche Klosterneuburger Bürgerkomitee – Eine Villa für Museen, Kunst und Kultur“ gebildet. Namhafte Künstler und Kulturpreisträger setzten sich dafür ein, dass die Rostockvilla wieder in den Besitz der Stadtgemeinde kommt und der Kultur und Museen zur Verfügung gestellt wird.

Die Pläne der Stadtregierung waren freilich andere, und sie wurden auch umgesetzt. Die Widmung der Rostockvilla wurde durch Gemeinderatsbeschluss auf Bauland geändert und ein Rückkauf, obwohl es dafür ein verbrieftes Recht gibt, nicht erwogen. So blieb die Villa im Eigentum des Landes NÖ und wird derzeit am freien Markt zum Kauf angeboten. Die in der Rostockvilla untergebrachten Museen mussten die Villa räumen und haben zum Teil bis heute noch keine neue Heimat.

Trotz massiver Aktivitäten hat das Komitee die nötigen 2.600 Unterschriften verpasst. Mit Flyern, Werbung in der lokalen Presse, Aktionen am Stadtplatz, einem Straßenfest und zahlreichen politischen Aktivitäten warb es um die Gunst der Bevölkerung. Politisch standen die Grünen und die „Liste Peter Hofbauer“ voll hinter dem Begehren des Bürgerkomitees, die Koalition ÖVP/SPÖ war dagegen. Von dort wäre auch Druck auf das Komitee und die Bevölkerung ausgeübt worden. Sprecher Michael Bodenstein: „Unseren Mitgliedern wurden persönlich und hinsichtlich der Sache große Schwierigkeiten bereitet, und sie wurden angegriffen. Aussagen der Stadtspitze waren der Anlass für viele Bürger, uns zu sagen, sie würden gerne unterschreiben, trauen sich aber nicht, weil sie persönliche Nachteile fürchten.“

Die materiellen Mittel sind erschöpft

Warum das Bürgerkomitee nicht weiter Unterschriften sammelt? „Die Koalition in der Stadtgemeinde hat vollendete Tatsachen geschaffen, ohne auf ein Ergebnis des Initiativantrages zu warten. Aus diesem Grund und den zuvor angeführten Angstgefühlen ist es unwahrscheinlich, die weiteren noch erforderlichen 1.000 Unterschriften zu erhalten“, so die Sprecher des Komitees. Die vielen Aktivitäten hätten aber auch die „materiellen Möglichkeiten“ erschöpft.

Kein Druck von der Stadtspitze

„Mir ist nicht bekannt, dass nur irgendein Druck ausgeübt wurde“, kontert Kulturstadtrat Konrad Eckl. Im Gegenteil, man hätte die Aktivitäten voll akzeptiert. Es sei auch nicht vorstellbar, auf ein Ergebnis der Unterschriftensammlung zu warten, denn da gäbe es ja kein Zeitlimit. So wurde der Prozess im Sinne der ÖVP weitergeführt, aber immer mit dem Ziel der Erhaltung der Villa. Der Park blieb Grünland, das Villengrundstück wurde zum Bauland, um ein Wohnen möglich zu machen.

Eckl: „Das hat sichergestellt, dass ein Bauträger keine Möglichkeit haben kann, dort einen großen Wohnkomplex hinzustellen.“ Nach Rückfrage ist die Villa bis heute nicht verkauft. Das Land NÖ sucht weiter nach einem Käufer.