Erstellt am 27. Januar 2016, 05:58

von Christoph Hornstein

Scheibchenweise demontiert. Betriebsrätin Adler befürchtet eine systematische Aushöhlung des Spitalbetriebs bis zum Ende.

Landesklinikum Klosterneuburg  |  NOEN, zvg

Das Management der Landesklinken, die Landeskliniken Holding, dementiert zwar eine Auflösung des Klosterneuburg Spitals, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Zumindest für die Betriebsrätin Brigitte Adler: „Weil man nicht den Mut hat, zu sagen, dass es nicht mehr geht, demontiert man das Klosterneuburger Krankenhaus scheibchenweise.“

Die Krankenhäuser Niederösterreichs stehen im Zeichen eines Strukturprozesses. Besonders leiden die kleineren Krankenhäuser darunter. Mit dieser Entwicklung geht die Betriebsrätin des Krankenhauses Klosterneuburg Brigitte Adler hart ins Gericht: „Ich vermute dahinter eine Strategie: Die Kleinen werden solange ausgehöhlt, bis man sagen kann, das zahlt sich sowieso nicht mehr aus.“

So ist Primar Franz Hoffer mit seiner sehr erfolgreichen Adipositas-Chirurgie nach Hollabrunn abgewandert, Knieprothesen werden nicht mehr in Klosterneuburg gemacht, die chirurgische Leitung wird schon seit Jahren nicht nachbesetzt, und statt wie angekündigt bis Ende des Jahres soll der Spitalsbetrieb schon ab April 2016 auf eine Tagesklinik umstrukturiert werden. Dies bedeutet, dass es chirurgische Fachärzte nur mehr von Montag bis Freitag in der Zeit von 7 bis 19 Uhr in Klosterneuburg geben wird. Ohne chirurgische Betreuung in der Nacht ist also sogar eine Blinddarmoparation in Klosterneuburg ab April nicht mehr möglich.

Kurzfristig angesetzte Infoveranstaltung

Am 9. November klingelte bei Betriebsrätin Adler das Telefon. Die Regionalmanagerin der Holding informierte Adler, dass es am nächsten Tag eine Infoveranstaltung über die Zukunft der Chirurgie in Klosterneuburg geben wird. „Eine halbe Stunde vorher. Das Management ist also nicht bereit, rechtzeitig mit dem Betriebsrat zu sprechen.“

Dabei erleiden die Mitarbeiter des Spitals durch den Wegfall des Nachtdienstes empfindliche Einkommenseinbußen. So hat ein Mitarbeiter des Landes NÖ einen Verdienstentgang von 15 bis 20 Prozent prognostiziert. Das zeige laut Adler schon Wirkung. Bereits im Dezember hätten zwei gute Fachärzte in Richtung Wien und einer in Richtung Krems das Haus verlassen.

Adler: „Die Mitarbeiter resignieren, und den Klosterneuburgern wird suggeriert, dass sie gar nicht mehr in ihr Spital gehen sollen, sondern gleich nach Tulln, was die Zahl der Patienten in Zukunft sicher reduziert.“ Denn operiert werde nur, wer nicht über Nacht bleiben muss.

Ein schriftlicher Hilferuf von Adler an den obersten Dienstgebervertreter Landeshauptmann Erwin Pröll vom 30. Dezember 2015 blieb bis jetzt unbeantwortet. Auch eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus Klosterneuburg ist derzeit im Umlauf.

Ein tagesklinisches Vorzeigeprojekt

„Es stimmt. Die Abteilung Chirurgie wird im Rahmen der Schwerpunktbildung der Landeskliniken in eine Tagesklinik umgewandelt“, bestätigt Pressesprecher Bernhard Jany von der Holding. Alle planbaren OPs werden innerhalb eines Tages durchgeführt. Und es würden aber auch nach wie vor 90 Prozent aller operativen Leistungen am Standort erbracht. Das Klinikum Klosterneuburg werde ein tagesklinisches Vorzeigeprojekt mit Großstadtnähe.

Damit folge man aber nur einem Trend, denn Klosterneuburg hätte in den vergangenen Jahren den tagesklinischen Anteil sukzessive gesteigert und liege damit um zehn Prozent über dem Durchschnitt aller Spitäler. Gleichzeitig sei die Gesamtzahl der Aufenthalte auf der Chirurgie und Unfallchirurgie stark sinkend.
Jany versichert: „Auch weiterhin werden alle Klosterneuburger entsprechend notärztlich versorgt.“