Erstellt am 25. November 2015, 05:03

von Ewald Baringer

Sorge um die Standorte: Museumsstadt rüstet ab. Während das "Ende einer blühenden Museumslandschaft" konstatiert wird, sieht Kulturstadtrat Konrad Eckl durchaus positive Zukunftsperspektiven.

Sorge um Klosterneuburgs Museumslandschaft: Christine und Fritz Chlebecek (Museum Kierling)  |  NOEN, zVg

„Das Jahr 2015 wird in die Geschichte Klosterneuburgs als das Jahr des Endes einer blühenden Museumslandschaft eingehen“: Christine Chlebecek, Direktorin des Museums Kierling, schlägt Alarm.
„Nachdem die Rostockvilla dem Land NÖ überlassen wurde und von diesem verkauft werden soll, haben das Feuerwehrmuseum Klosterneuburg und das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum ihre Standorte verloren. Ersteres wird ,aufgeteilt‘, das Mährisch-Schlesische Museum hat nach 97 (!) Jahren, davon 40 in Klosterneuburg, seine Aktivitäten beendet und übergibt seine Bestände dem Land NÖ. Der Künstlerbund ist schon vor einiger Zeit ausgezogen“, zeigt sich Chlebecek besorgt über die Situation der Museen in der Stadt.

„2015 wird in die Geschichte Klosterneuburgs als Jahr des Endes einer blühenden Museumslandschaft eingehen.“ Christine Chlebecek, vom Museum Kierling

Und ist auch skeptisch, was die Zukunft betrifft: „Das Pioniermuseum hat seit dem Verkauf der Magdeburg-Kaserne ebenfalls Standortprobleme, es existiert derzeit noch unter ,Aufsicht‘ des Heeresgeschichtlichen Museums. Der Betrieb der Sammlung Essl soll noch für 2016 gesichert sein.“ Die noch vorhandenen Prospekte der im Jahr 2000 gegründeten Klosterneuburger Museumsplattform über die einstmals 13 Museen und Sammlungen könnten jedenfalls in die Altpapiersammlung entsorgt werden, ist Christine Chlebecek sicher.
Kulturstadtrat Konrad Eckl hält zunächst fest, dass „die Museumsplattform ein freiwilliger Zusammenschluss der Klosterneuburger Museen ist, der völlig unabhängig von der Stadtgemeinde agiert und dessen primäres Ziel es war und ist, die Aktivitäten der einzelnen Häuser abzustimmen und Kooperationen zu erleichtern und zu koordinieren.

Die Stadtgemeinde ist durch das Stadtmuseum ein gleichberechtigtes Mitglied des Gremiums.“ Ein Herbeireden des Endes der Museumsplattform sei nicht fair den verbliebenen Institutionen gegenüber, so Eckl: „Wenn Frau Chlebecek diese Sorgen für die Zukunft der Museumslandschaft hegt, bin ich jederzeit für ein Gespräch bereit, um die Möglichkeiten der Stadtgemeinde hier zu besprechen und die Museumsplattform zu unterstützen.“

Eckl bestätigt Pläne für neues Kulturzentrum

Er bedaure die Entscheidung des Vorstandes des Mährisch-Schlesischen Heimatmuseums, sehe aber in der künftigen Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv auch Potenzial, erklärt Eckl: „Mit der Aufnahme der Sammlung im NÖ Landesarchiv wird die Hoffnung verknüpft, dass die Bestände auch weiterhin einem breiten Publikum in Form von Sonderausstellungen, Leihgaben und Publikationen zugänglich gemacht werden.“
Die Stadtgemeinde Klosterneuburg habe in den letzten Monaten alles versucht, ein Ersatzquartier und damit eine Lösung für den Fortbestand des Mährisch-Schlesischen Heimatmuseums zu finden. Nachdem andere Varianten sich als nicht durchführbar erwiesen hatten, sei dem Museum eine mehrere tausend Quadratmeter große ehemalige Lagerhalle des Bundesheeres am Kasernenareal als Ersatzquartier für eine vorübergehende Lagerung der Exponate und Bestände angeboten worden.

Doch auch diese Option erbrachte keinen Ausweg aus der Misere. Museumsleiter Heinz Hadwig berichtet, dass die Halle laut Sachverständigen der NÖ Landesregierung nicht für die Zwischenlagerung von Museumsobjekten geeignet sei.

„Wir wollen das Bestmögliche, aber wir müssen es uns auch leisten können.“ Konrad Eckl, Kulturstadtrat

Eckl bestätigt jedenfalls konkrete Pläne, die Lagerhalle am Kasernenareal „in Übereinstimmung mit den Ergebnissen des kooperativen Planungsprozesses“ als Museums- und Kulturstandort zu adaptieren. „Wichtig ist es, auf aktuelle Bedürfnisse der Kulturlandschaft Klosterneuburgs bestmöglich einzugehen – damit meine ich aber mehrere Akteure und nicht nur die Museen, aber auch die finanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Wir wollen das Bestmögliche, aber wir müssen es uns auch leisten können.“
Der Kulturstadtrat sieht durchaus auch positive Entwicklungen wie den „wirklich äußerst gelungenen neu gestalteten Gedenkraum“ der Österreichischen Franz-Kafka-Gesellschaft in Kierling. Der Künstlerbund, vor zwei Jahren aus der Rostock-Villa ausgezogen, setze ebenfalls „sehr erfreuliche Aktivitäten auch über die Grenzen von Klosterneuburg hinaus“.

Die Schaffung von Ersatzflächen für das Pioniermuseum am Kasernengelände soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Eckl grundsätzlich: „Wie die Gesellschaft an sich, so ist auch das kulturelle Leben
einem ständigen Wandel unterworfen – ein Umstand, dem man aber aus meiner Sicht nicht mit Furcht und dem Festklammern am Bestehenden begegnen sollte, sondern man sollte die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zukunft erkennen und anpacken.“

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