Erstellt am 27. April 2016, 13:04

von Ewald Baringer

Spekulationen um Museum?. Reaktionen der Kommunalpolitiker zwischen Bedauern und Mutmaßungen.

Flaggschiff zeitgenössischer österreichischer Kunst vor dem endgültigen Untergang?  |  NOEN, Krause, Johansen

Das Essl Museum schließt mit 1. Juli seinen Ausstellungsbetrieb, das Gebäude soll weiterhin als Depot der Sammlung Essl Verwendung finden. Hinter den Kulissen wird allerdings bereits eifrig spekuliert.

„Das Gebäude ist bekanntlich ein Superädifikat auf Stiftsgrund, und der Pachtvertrag mit dem Stift ist unverändert aufrecht. Das finde ich sehr bedauerlich, denn es gibt andere interessante Arten der Nachnutzung“, meint etwa Stadtrat Stefan Mann (SPÖ).

Nämlich welche? Mann konkretisiert: „Etwa als Proberaum für Musiker oder als Museum der Stadt, auch eine Schule könnte ich mir gut vorstellen.“ Allerdings muss er einräumen, dass dies zum einen auch eine Kostenfrage sei. Auch gebe es zurzeit keine Anhaltspunkte dafür, ob das Gebäude überhaupt für einen direkten Vertrag mit dem Stift frei wird.

Dass Land und Bund eine Kostenübernahme des Museumsbetriebs abgelehnt hätten, findet Mann verständlich. Wobei das Land - vorausgesetzt eine Beteiligung des Bundes - ja einen Teil der Kosten übernommen hätte.

„Ohne Geld - keine Sammlung"

Dies wiederum stößt dem freiheitlichen Stadtrat Josef Pitschko sauer auf: „Das Land löst den Bezirk Wien-Umgebung auf, um jährlich angeblich eine Million Euro einzusparen, und erklärt sich bereit, das Essl-Museum mit 800.000 Euro jährlich zu fördern? Da könnte man ja auf die Idee kommen, Landeshauptmann Dr. Pröll hat Klosterneuburg abgewertet und an Tulln angegliedert, um Geld für das Essl-Museum zu bekommen!“

Klar ist für ihn jedenfalls: „Ohne Geld lässt sich eine Sammlung zeitgenössischer Kunst nicht auf aktuellem Stand halten und entwickelt sich zu einem Lager von Archivmaterial mit zweifelhaftem künstlerischen Wert.“ Im Hinblick auf den absehbaren Finanzbedarf Klosterneuburgs für die anstehenden Projekte hätte die FPÖ der kolportierten erforderlichen Subvention durch die Gemeinde von jährlich bis zu 400.000 Euro keinesfalls zugestimmt. Und Pitschko hofft sogar noch auf einen positiven Aspekt: „Wenn sich das Land jährlich 800.000 Euro als Subvention des Essl-Museums erspart, könnte es denselben Betrag für allfällige Mehrkosten einer Statutarstadt Klosterneuburg bereit stellen.“

Eckl: „Bittere Pille für den Kulturstandort“

Mehr Empathie bringt Kulturstadtrat Konrad Essl für das Museum auf, dessen Schließung er als „bittere Pille für den Kulturstandort“ bezeichnet. Eckl: „Das Haus war seit seiner Eröffnung im Jahr 1999 eines der großen kulturellen Aushängeschilder der Stadt. Besonders der unermüdlichen Arbeit und der Freude an der Kunst des Ehepaars Agnes und Prof. Karl-Heinz Essl sind großer Dank und Respekt geschuldet. Sie haben nicht nur der österreichischen Kunstszene ein prächtiges Haus geschaffen, sondern auch ihre Begeisterung für die Kunst aktiv an die Menschen herangeführt und öffentlich erlebbar gemacht. Die Sammlung und das Museum genießen national und international einen exzellenten Ruf – und sind somit neben einer bedeutenden Kulturinstitution auch ein Markenbotschafter der Stadt Klosterneuburg.“

Eckl bedauert, dass der Standort Klosterneuburg von Bundesminister Ostermayer aufgegeben werde: „Trotz erklärter Unterstützung seitens des Landes Niederösterreich und der Stadt Klosterneuburg blieb die ebenfalls benötigte Unterstützung des Bundes für den Fortbestand des Essl-Museums aus. Ein Leerstehen des prächtigen Hauses, das zurecht als Architekturikone bezeichnet werden darf, kann in niemandes Interesse sein. Eine alternative kulturelle Nutzung wäre vonseiten der Stadtgemeinde jedenfalls wünschenswert.“

Bedauern über die Schließung des Museums bringt auch Teresa Arrieta (PUK) zum Ausdruck. Klosterneuburg verliere ein „Leuchtturmprojekt für moderne Kunst sowohl aus Österreich als auch international.“ Arrieta würdigt auch den „wichtigen Beitrag“, den das Essl Museum zur Integration, der vor Krieg und Verfolgung geflohenen Menschen aus der Magdeburgkaserne geleistet habe.

"Ein herber Verlust"

Als herben Verlust und „großen Schnitt“ für die Stadt empfindet VP-Gemeinderat und Tourismusobmann Friedrich Veit die Museumsschließung. Das Essl Museum sei über die Jahre zu einem „wichtigen Bestandteil Klosterneuburgs geworden, nicht nur der Kulturszene“, so Veit, der sich an Spekulationen über weitere Szenarien nicht beteiligen will.

Keine Reaktionen auf das Ersuchen nach kurzer Einschätzung allfälliger Folgen für die Stadt Klosterneuburg sind bis Redaktionsschluss von Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, Grün-Obmann Sepp Wimmer und Wirtschaftskammer eingelangt.