Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:02

von Christoph Hornstein und Martin Gruber-Dorninger

Stadtpolitik mit Wahlanalyse. Schmuckenschlager bedauert Wahlkampf zu Lasten der Flüchtlinge. Pitschko freut sich über FP-Gewinne.

Eine Stippvisite von Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager beim Amtskollegen Michael Häupl in Wien dürfte die Wahl wohl eher nicht beeinflusst haben.  |  NOEN, zVg

Unerwartet und kurios. Die Wien-Wahl 2015 brachte nicht das von allen erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen Häupl gegen Strache. Und kurios, denn die SPÖ feierte den klaren Vorsprung auf die FPÖ wie einen Wahlsieg, obwohl sie knapp fünf Prozent Wähler verlor.

Etwa 5.000 Klosterneuburger gingen am letzten Sonntag zu den Wahlurnen in Wien. Es sind Klosterneuburger, die in Wien hauptgemeldet sind. Wie sie wählten, ist in keiner Statistik ersichtlich. Dass sie wählten, ist wahrscheinlich, denn die Wahlbeteiligung mit 74,4 Prozent überraschte.

Wahlkampf im Zeichen eines pikanten Duells

Dass sich der Wahlkampf fast ausschließlich auf das Duell Häupl gegen Strache fokussierte, kostete den anderen Parteien Stimmen. Allen voran der ÖVP, die das erste Mal in Wien mit einem einstelligen Wahlergebnis in die politischen Keller sackte. Aber auch die Grünen mussten Federn lassen, denn wer Strache nicht als Bürgermeister wollte, musste diesmal Rot wählen. Der Einzug der NEOS in den Wiener Gemeinderat überraschte in seiner Klarheit. Die Strache-FPÖ als klarer Duell-Verlierer kann sich allerdings mit dem historisch besten Wahlergebnis trösten.

Was sagen nun Klosterneuburgs Stadtpolitiker zum Ausgang der Wien-Wahl?

„Erstmals konnten zwei Parteien vom Flüchtlingsthema, so traurig das ist, profitieren. Die FP legt weiterhin ungebremst zu. Obwohl sie nicht Nummer eins wurde, ist das Ergebnis historisch einmalig, und die Schlüsse daraus muss auch die Bundespolitik ziehen“, analysiert Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager.

Anerkennung kommt von Schmuckenschlager für den Döblinger Bezirksvorsteher Adi Tiller: „Er hat es wieder auf den ersten Platz geschafft und wird mit beinahe 40 Amtsjahren in die Geschichte eingehen“, so Schmuckenschlager.

Wahlergebnis besser als Umfragen

Für Stadtrat Stefan Mann (SP) ist jeder Stimmverlust schmerzlich, das Wahlergebnis sei aber dennoch viel besser, als die Umfragen im Vorfeld prophezeiten. „Offensichtlich ist es der SPÖ in den letzten Tagen gelungen, den Bürgen die möglichen Konsequenzen des Wahlergebnisses klar zu machen. Es wurden Haltung, Charakter und Menschlichkeit gewählt, Opportunismus und Hass wurden eine klare Absage erteilt“, so Mann.

„Vassilakou hat einen Fehler gemacht, es könnte die Glaubwürdigkeit darunter leiden.“ Sepp Wimmer, Grüne Klosterneuburg

Für Sepp Wimmer (Grüne) kam das Ergebnis nicht überraschend: „Der Wahlkampf wurde zu einem Duell hochstilisiert, dies hat schlussendlich Häupl mehr geholfen.“ Was Wimmer allerdings überraschte, war die Ankündigung seiner Parteikollegin und Spitzenkandidatin Maria Vassilakou, wenige Stunden vor der Wahl, bei Stimmeneinbußen zurückzutreten. „Sie ist eines unserer größten Talente in der Partei. Dieser politische Fehler dürfte ihr nicht passieren. Sollte sie nun doch bleiben, leidet die Glaubwürdigkeit enorm“, so Wimmer.

FPÖ in Arbeiterbezirken mit starken Gewinnen

„Die FPÖ hat vorwiegend in den bevölkerungsreichen traditionellen Arbeiterbezirken Simmering, Floridsdorf und Favoriten enorm zugelegt“, erklärt FP-Stadtrat Josef Pitschko. Das verdeutliche seiner Meinung nach, dass die von SPÖ und Grünen gepriesene Integration vollkommen gescheitert sei. „In der Bevölkerung besteht aufgrund der bisherigen Erfahrungen des Zusammenlebens mit integrationsunwilligen Zuwanderern ein unübersehbares Gefühl der Unsicherheit und der Besorgnis“, interpretiert Pitschko.

„Wien ist die Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Das Ergebnis gewährleistet, dass dies auch so bleibt.“ Peter Hofbauer

Erleichtert über das Wahlergebnis zeigte sich Stadtrat Johannes Kehrer (PUK): „Der Sieg der SPÖ ist deutlicher als erwartet, das aufgespielte Duell hat aber den Grünen Stimmen gekostet. Die ÖVP hängt völlig in der Luft und wird zur Kleinstpartei, der Einzug der NEOS und somit mehr Fraktionen im Gemeinderat können nie schaden.“ Als Verkehrsstadtrat hofft Kehrer auf eine grüne Verkehrsstadträtin, „wenngleich für Klosterneuburg in Wahrheit der Bezirksrat im 19. Bezirk wichtiger ist, weil hier direkter Kontakt besteht.“

Peter Bachmann (NEOS) zeigt sich ob des Ergebnisses vor allem für seine Partei zufrieden: „Es ist gut, wenn es in den Nachbarbezirken auch Vertreter der NEOS gibt. Es gibt sicher Themen, in denen man enger zusammenarbeiten kann.“ Außerdem sei es immer gut, wenn man im Gemeinderat sitzen und mitbestimmen könne.

Wien bleibt Stadt mit Lebensqualität

Peter Hofbauer, von der gleichnamigen Liste, als ehemaliger Sozialdemokrat auch im Klosterneuburger Gemeinderat, meint: „Wien ist weltweit die Metropole mit der höchsten Lebensqualität. Das Wahlergebnis gewährleistet, dass dies auch in Zukunft so bleibt.“ Er macht auch weiterhin kein Hehl daraus, dass es auch im Interesse Klosterneuburgs sein könnte, die Babenbergerstadt an Wien anzugliedern. „Das soll emotionslos geprüft werden“, so Hofbauer.

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