Erstellt am 01. Oktober 2015, 06:02

von Martin Gruber-Dorninger

„Stift Klosterneuburg ist mein Lebensinhalt“. Walter Heinz Simek leitet als „Laie“, wie er selbst sagt, die wirtschaftlichen Geschicke. Zum 80er spricht er mit der NÖN.

Walter Heinz Simek ist seit 17 Jahren der Kämmerer des Stifts Klosterneuburg. Vergangene Woche feierte er seinen 80. Geburtstag.  |  NOEN, Martin Gruber-Dorninger

Kaum jemand in Klosterneuburg, der den Stiftskämmerer Walter Heinz Simek nicht kennt. Vergangene Woche feierte er seinen 80. Geburtstag. Der Theologe blickt auf ein spannendes Leben zurück, bei dem, wie könnte es auch anders sein, das Stift eine wichtige Rolle einnimmt. Aber auch für sein Engagement für Kinder und Jugendliche ist er bekannt, so offenbarte zuletzt Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, dass er unter Simek als Ministrant fungierte.

NÖN: Sie sind den meisten nicht nur als Geistlicher ein Begriff, sondern vor allem als Lehrer. Was waren Ihre Tätigkeiten?
Walter Heinz Simek: Von 1962 bis 65 war ich Religionslehrer an der Weinbauschule, von 1987 bis 2002 Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie an der Hochschule St. Pölten, 1994 bis 2005 Professor an der Pädagogischen Akademie in Krems. Die Lehre war mir neben meiner Tätigkeit als Seelsorger immer am liebsten. Da kommt man in direkten Kontakt mit den Menschen.

Für die Kinder und Jugendlichen hatten Sie immer ein Herz. Das zeigte sich auch durch Ihre Tätigkeit in der Stiftspfarre (1974-2009). Was haben Sie gemacht?
Simek: Unter anderem war ich bei der Jungschar, habe Kinder-, Jugend- und Familientreffen organisiert. Dies habe ich immer als eine Möglichkeit gesehen, dem Rückgang an Kirchengängern entgegenzuwirken.

In einem Alter, in dem „normale“ Menschen in Pension gehen, sind Sie Kämmerer geworden. Wie kamen Sie dazu?
Simek: Neben der Theologie war ich auch stets sehr an der Mathematik interessiert. Das Rechnen hat mir immer Freude bereitet. Ich wurde dann gefragt, ob ich das übernehmen wolle, und ich habe zugestimmt.

Sie müssen verantwortungsvoll mit Geld umgehen. Sind Sie privat eher vorsichtig oder gönnen Sie sich auch einmal etwas?
Simek (lacht): Meine Mutter hat schon immer gesagt, dass man keine Schulden machen soll. Ich bin daher stets bescheiden geblieben. Als Kämmerer war es mir zunächst fremd, dass wir als Unternehmen das eine oder andere Mal auch einen Kredit aufnehmen müssen. Ich bin da sehr dahinter, dass diese Schulden schnellstmöglich beglichen werden. Privat brauche ich mir nichts zu gönnen, ich bekomme im Stift alles, was ich zum Leben brauche.

Mussten Sie in die Rolle des Kämmerers erst hineinwachsen?
Simak: Natürlich war das damals eine gewisse Umstellung. Ich konnte mich jedoch jedes Mal auf sehr gute Mitarbeiter verlassen. Ich habe zwölf Betriebsleiter, die allesamt Profis sind. Ich bin der einzige Laie. Dafür bringe ich eine große Portion an Hausverstand mit.

Sie haben auch die Einführung eines Sozialstatuts des Stiftes garantiert. Was bedeutet das?
Simek: Das Stift ist auch ein Unternehmen und erwirtschaftet jährlich um die 30 Millionen Euro. Das Statut garantiert, dass zehn Prozent des Ertrages für soziale Zwecke aufgewendet werden. Das machte auch Projekte in Rumänien und Bulgarien möglich. Das ist aber nur der Tropfen auf dem heißen Stein.