Erstellt am 23. Mai 2016, 12:51

von Jutta Hahslinger

Treuer Weggefährte sahnte Millionen ab. 75-Jähriger wurde wegen Betruges und Untreue an besachwalteter Klosterneuburgerin (95) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
„Ich bin rund um die Uhr für sie da gewesen“, erklärt der 75-Jährige vor Gericht und beteuert zu den Betrugs- und Untreuevorwürfen seine Unschuld. Er habe immer nur im Sinne und zum Wohle der langjährigen Gefährtin gehandelt.

Er habe doch mit dem Einverständnis der Klosterneuburgerin (95) die Geldbehebungen getätigt, und er habe das Geld stets ihr zukommen lassen. Als Beispiel führt er den Einbau eines Liftes an. Er habe sich „immer nur gekümmert“, präsentiert sich der Pensionist als treuer und helfender Weggefährte der betagten und wohlhabenden Klosterneuburgerin.

„Sie haben sich finanziell noch gekümmert, als die Frau bereits besachwaltet und nicht mehr geschäftsfähig war, und es Ihnen somit nicht mehr zustand, finanzielle Angelegenheiten zu erledigen“, entgegnet Richter Manfred Hohenecker und zeigt die kostspielige Betreuung des Angeklagten auf: „Sie haben sich ja fürstlich entlohnen lassen: Mit Casinobesuchen, ein Auto um 100.000 Euro oder stattliche 150.000 Euro für eine Bauüberwachung.“

"Generalmanager meiner Tante"

„Er trat wie ein Generalmanager meiner Tante auf. Er verhinderte jeden Kontakt, hat sie manipuliert und über Millionen abgehoben. Er hat es wie einen Selbstbedienungsladen gesehen“, schildert ein Verwandter des Opfers. Der Angeklagte schüttelt dazu nur entrüstet den Kopf. Er habe von der Besachwaltung nichts gewusst, beteuert er.

„Sie haben am Tag der Besachwaltung noch 60.000 Euro behoben und haben sich zuvor erfolglos als Sachwalter angebiedert. Sie haben zurecht befürchtet, keinen Zugriff auf das Vermögen der Frau mehr zu haben und sind in Panik geraten“, sagt Richter Hohenecker und bringt es auf den Punkt: „Sie haben einfach den Hals nicht voll bekommen und die Hilflosigkeit einer Frau schamlos ausgenutzt.“

Er verurteilt den leugnenden Pensionisten für eine nachweisbare Schadenssumme von 496.000 Euro zu einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe und spricht sich für die Zeit der Anhaltung gegen eine Fußfessel aus.
Der 75-Jährige meldet sofort Rechtsmittel an.