Erstellt am 15. Juni 2016, 05:35

von Christoph Hornstein

Unmut macht sich breit. Mit der Rundum-Versorgung in der Chirurgie ist es vorbei. Das stößt auf wenig Gegenliebe bei den Klosterneuburgern. SPÖ ortet baldiges Aus des Spitals.

 |  NOEN

Während das Landesklinikum Klosterneuburg um Aufklärung bemüht ist, flattert eine Beschwerde nach der anderen in die NÖN-Redaktion. Auch politisch wird gegen die Umstellung auf Tagesklinik weiter gekämpft. Die SPÖ, mit ihrem für Gesundheit zuständigen Stadtrat Stefan Mann, wehrt sich gegen die Tatsache, dass die Chirurgie in der Nacht und am Wochenende nicht mehr besetzt ist. Der Stadtrat spricht von einem Skandal: „Die medizinische Versorgung der drittgrößten Stadt in Niederösterreich ist nicht mehr sichergestellt.“

„Die Umsetzung der operativen Tagesklinik betrifft ausschließlich die Chirurgie und die Unfallchirurgie“, bemüht sich das Landesklinikum Klosterneuburg, in zahlreichen Aussendungen klarzustellen. Ganz will sich das aber in den Köpfen der Menschen dieser Stadt nicht festsetzen und stößt auf wenig Akzeptanz. Zu sehr hat man sich auf eine Rundum-Versorgung des eigenen Krankenhauses gewöhnt.

Seit Mittag leidet Gisela Schrenk an furchtbaren Schmerzen beim Harnlassen und beim Harndrang. Um 21 Uhr beschließt ihr Ehemann, ins Spital zu fahren. „Ich darf ihnen leider nichts verschreiben“, soll der behandelnde Arzt gesagt und das Ehepaar ohne Untersuchung und Medikamente wieder fortgeschickt haben. Im Ambulanzprotokoll ist zu lesen: „Patient nicht vital bedroht. Folglich keine notärztliche Maßnahme erforderlich. Hierorts keine radiologische
Diagnostik sowie fachärztliche Befundung möglich.“

Unverständnis bei der Bevölkerung

„Ich verstehe das nicht“, so Ehemann Erwin Schrenk, „da wird immer gesagt, die Umstellung auf Tagesklinik beträfe nur die Chirurgie, und dann schickt man meine Frau mit starken Schmerzen einfach nach Hause.“

Wie in Zukunft mit Unfällen im Landesklinikum umgegangen wird, zeigt der nächste Fall. Ein herabfallendes scharfes Messer bohrt sich in den Fuß einer Mitarbeiterin des Restaurants „Tam“ in Klosterneuburg. Die Chefin packt ihre Angestellte zusammen und fährt sofort ins Klosterneuburger Spital. Dort wird die Wunde erstversorgt, dann aber informiert, dass eine weitere Behandlung im Landesklinikum Klosterneuburg nicht möglich sei. Sie müsse dafür in ein anderes Krankenhaus fahren.

Chirurgische Eingriffe werden nur auf Voranmeldung mit einem Termin untertags durchgeführt. Das klappt aber so auch nicht, erzählt eine Klosterneuburgerin, die nicht genannt werden will: „Ich hatte einen Termin für einen kleinen chirurgischen Eingriff bekommen und wurde dafür zeitig in der Früh ins Spital gebeten“, erzählt die berufstätige Frau. Ihr sei gleich ein Bett zugewiesen worden mit der Bitte um Geduld, denn man wisse nicht genau, wann die Operation durchgeführt werden könne. „Ich bin dann bis am Abend im Bett rumgekugelt. Kurz vor 19 Uhr hat man mir dann gesagt, dass ich wieder nach Hause gehen kann und morgen wieder kommen soll“, so die verärgerte Klosterneuburgerin.

Penible Nachforschung versprochen

Die NÖN bat das Spital um eine Stellungnahme. Seitens des Landesklinikums Klosterneuburg sei man bemüht, allen Vorwürfen penibel nachzugehen. Das erfordere aber Zeit, da mit allen behandelnden Ärzten Gespräche geführt werden müssten. Eine ausführliche Stellungnahme werde nachgeliefert.

Politisch wehrt man sich weiter gegen die Umwandlung der chirurgischen Abteilung in eine Tagesklinik. In einer Petition an die Landesregierung haben sich alle Parteien für den Erhalt der chirurgischen Abteilung ausgesprochen. Stadtrat Mann befürchtet aber Ärgeres: „Das ist nur der erste Schritt dahin, dass das Landesklinikum in den nächsten Jahren ganz geschlossen wird.“