Klosterneuburg

Erstellt am 11. Juli 2016, 13:34

von Martin Gruber-Dorninger

Klosterneuburgs "gute Seele" geht in Pension. Edith Mroz gilt nach 25 Jahren im Dienst der Gemeinde als wandelndes Archiv.

Alle Fraktionen mit den Vertretern Peter Hofbauer, Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, Roland Honeder, Peter Bachmann, Karl Schmid, Johannes Kehrer und Jaqueline Eschlböck bereiteten Edith Mrotz (Mitte) bei der letzten Gemeinderatssitzung einen unvergesslichen Abschied.  |  Hornstein

Was haben Bundespräsident Heinz Fischer und die Vorzimmerdame von Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, Edith Mroz, gemeinsam? - Beide hatten am Freitag ihren letzten Arbeitstag im Amt. Lange bevor der derzeitige Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager noch an eine politische Karriere denken konnte, versah Mroz ihren Dienst bereits im Klosterneuburger „Regierungsgebäude“. Nach 25 Jahren ist nun aber Schluss, und die gute Seele im Vorraum des Bürgermeisterbüros geht in die wohlverdiente Pension. Im Gespräch mit der NÖN erzählt sie über die prägendsten Erlebnisse in ihrer Tätigkeit und warum sie berechtigterweise auch als das wandelnde Gemeinderats-Archiv bezeichnet werden kann.

Aufgewachsen ist Edith Mroz, mit Mädchenname Filler, in Waldenstein im Bezirk Gmünd. Nach der Schule verschlug es sie nach Wien. „Ich komm aus dem Land und wollte eigentlich nicht in der großen Stadt leben“, so Mroz, was wohl ein Grund dafür war, dass es sie nach Klosterneuburg verschlug. In einem Job in der Raiffeisenbank-Zentrale traf sie auf ihren Mentor und späteren Bürgermeister Gottfried Schuh, der damals als Direktor der Geschäftsführung der Zentralen Raiffeisenwerbung vorstand. Er erkannte die Talente von Mroz und bot ihr einen Job auf der Gemeinde an. „Acht Jahre war ich dann im Personalamt und 17 Jahre im Bürgermeisteramt, und ich bereute es keinen einzigen Tag“, war Mroz bis zu ihrem letzten Arbeitstag Feuer und Flamme für ihren Beruf. Das Geheimnis: „Man sollte sich schon sehr für Politik interessieren, und das über alle Parteigrenzen hinweg, sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben“, verrät sie.

„Das war schon oft amüsant, wie es da im Gemeinderat zuging. Ich habe mich gut unterhalten.“

Edith Mroz

Über ihre Chefs, sprich die Bürgermeister der drittgrößten Stadt des Bundeslandes Niederösterreich, spricht sie in höchsten Tönen: „Klarerweise gab es bei beiden (Schmuckenschlager und Schuh) immer wieder Tage, an denen sie ziemlich zerstört waren. Sie haben versucht, sich das nicht anmerken zu lassen. Gespürt habe ich aber schon, wenn es ihnen nicht gut ging.“ Freundlich und professionell wären beide an jedem Tag ihrer Amtszeit gewesen.

Am 1. Juli saß sie das letzte Mal auf ihrem Platz im großen Sitzungssaal des Rathauses. Wie immer protokollierte sie die Gemeinderatssitzung mit. „Das war meine 110. Sitzung, und die hatte es in sich. So heiß war es, glaube ich, noch nie im Sitzungssaal“, so Mroz. Eine Stunde Debatte in der Gemeinderatssitzung bedeute einen Tag Arbeit. „Das gesprochene Wort muss auf Papier beziehungsweise in ein Textverarbeitungsprogramm gebracht werden. Dabei sollte aber auch nicht der Sinn verloren gehen, wenn beispielsweise jemand eine sarkastische Meldung abgibt“, erklärt Mroz ihre doch recht diffizile Arbeit. Beschwerden hat es nie gegeben. „Ich bin mit allen gut ausgekommen, egal von welcher Partei. Wenn es einmal ein Problem gegeben hat, hat man sich zusammengesetzt“, so Mroz.

110 Gemeinderatssitzungen bedeuten, bei einer durchschnittlichen Dauer von sechs Stunden und einer Bearbeitung von einem Tag pro Stunde, zwei volle Jahre Transkription. „Ja, das war schon viel Arbeit, aber ich habe das gerne gemacht. Es gehörte zu meinem Beruf“, erklärt sie. Auch während der Sitzung dachte sie nie daran, dass eine besonders lange Wortmeldung mehr Arbeit bedeuten könnte. „Spitzenreiter in meiner Zeit war natürlich Gemeinderat Peter Hofbauer, das kann ich sicher sagen, gefolgt von Bernd Schweeger, wenn es um Umweltthemen ging“, erinnert sich Mroz. Dabei hat sie aber nie ihren Sinn für Humor verloren. „Das war schon oft amüsant, wie es da im Gemeinderat zuging. Ich habe mich gut unterhalten. Ich mochte sie alle, nur manchmal gingen sie mir schon auf den Wecker“, verrät Mroz.

Der Gemeinderat hat sie jedenfalls auch tief ins Herz geschlossen. Bei der letzten Gemeinderatssitzung dankten ihr die einzelnen Mandatare, und sie bekam Blumen und die besten Glückwünsche. „Ich kam mir vor wie eine Filmdiva, nur der rote Teppich hat noch gefehlt“, beschreibt Mroz dieses Ereignis auch als eines ihrer schönsten Erlebnisse in ihrer Tätigkeit. Dazu gehörte aber auch der Parteienverkehr. „Es war immer ein gutes Gefühl, wenn jemand erbost bei uns angerufen hat und ich in wenigen Worten Missverständnisse klären konnte und der Bürger danach beruhigt war“, zeigt Mroz einmal mehr, warum sie für diesen Beruf wie geschaffen war. Zum Abschluss verriet sie auch noch, wie Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager seinen Kaffee am liebsten trinkt: „Schwarz, ohne Zucker und ohne Milch.“