Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:48

von Christoph Hornstein

Von Graugänsen und Braunhemden. Dem weltberühmten Forscher wurde wegen seiner NS-Vergangenheit das Ehrendoktorrat von der Uni Salzburg aberkannt.

Der weltberühmte Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz ist unweit von Klosterneuburg in St. Andrä/Wördern begraben.  |  NOEN, Hornstein

Genialer Wissenschaftler oder Nazi-Kollaborateur? Oder beides? Diese Frage wird jetzt in der Person des wohl bedeutendsten österreichischen Wissenschaftlers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz heftigst diskutiert. Der Grund dafür liegt in der Entscheidung der Universität Salzburg, die 1983 verliehene Ehrrendoktorwürde abzuerkennen. Für das in Klosterneuburg ansässige „Konrad-Lorenz-Institut“ stellt das kein Problem dar. Leiter Johannes Jäger: „Werden dazu kein öffentliches Statement abgeben.“

 

Mitte dreißig, suchte Konrad Lorenz sogar um die Mitgliedschaft in der NSDAP an. Er schrieb damals in seinem Ansuchen: „Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist.“ Schon lang vor dem Anschluss habe er sehr erfolgreich für den Nationalsozialismus geworben, seine „wissenschaftliche Lebensarbeit“ stehe „im Dienste nationalsozialistischen Denkens“. Dieses Dokument des Naturforschers war für die Universität Salzburg nun ausschlaggebend für die Aberkennung des Ehrendoktorats. Konrad Lorenz‘ wissenschaftliche Arbeit mit dem Vergleich von tierischem und menschlichem Verhalten passte genau in die Rassenideologie des Deutschen Reichs. 

Institut wurde in Altenberg gegründet

1942, als Heerespsychiater und Neurologe, wurden ihm im Lazarett Posen im deutsch besetzten Polen bis heute nicht völlig geklärte Aufgaben übertragen. Er selbst hat sich über diese Zeit nie geäußert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Lorenz auch in sowjetische Gefangenschaft kam, gründete er sein „Institut für vergleichende Verhaltensforschung“, unweit von Klosterneuburg, in Altenberg, wo er in der elterlichen Villa auch wohnte. 1989 starb Lorenz. Er ist am Friedhof St. Andrä/Wördern begraben.
Für den Direktor des Konrad-Lorenz-Instituts in Klosterneuburg, Johannes Jäger, ist für sein Institut kein Schaden entstanden: „Es gibt ja keine neuen Fakten, lediglich einen historischen Grund, dass wir Konrad-Lorenz-Institut heißen.“ Auch werde in Klosterneuburg keine Verhaltensforschung betrieben. Lorenz‘ Arbeit aus den 1970ern und 80ern wären die Grundlagen für die Arbeit in Klosterneuburg.


KONRAD LORENZ IM ZITAT

In einer Veröffentlichung von 1940 erörtert Lorenz unter anderem die Notwendigkeit einer „Ausmerzung ethisch Minderwertiger“:
„Versagt diese Auslese, misslingt die Ausmerzung der mit Ausfällen behafteten Elemente, so durchdringen diese den Volkskörper in biologisch ganz analoger Weise und aus ebenso analogen Ursachen wie die Zellen einer bösartigen Geschwulst […] Sollte es mutationsbegünstigende Faktoren geben, so läge in ihrem Erkennen und Ausschalten die wichtigste Aufgabe des Rassepflegers überhaupt […] Sollte sich dagegen herausstellen, dass unter den Bedingungen der Domestikation keine Häufung von Mutationen stattfindet, sondern nur der Wegfall der natürlichen Auslese die Vergrößerung der Zahl vorhandener Mutanten und die Unausgeglichenheit der Stämme verschuldet, so müßte die Rassenpflege dennoch auf eine noch schärfere Ausmerzung ethisch Minderwertiger bedacht sein, als sie es heute schon ist.“