Erstellt am 22. Juni 2016, 05:10

von Martin Gruber-Dorninger

Wieviel verträgt die Stadt. Wächst Klosterneuburg tatsächlich kontrolliert oder ist Maximum erreicht?

Sepp Wimmer sind die Einwohner, die Klosterneuburg derzeit hat, genug. Ausnahme ist die Gestaltung des neuen Pionierviertels.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

Vor fast genau 30 Jahren erläuterte die Stadtgemeinde ihren Bürgern, dass Klosterneuburg maximal bis zu 35.000 Menschen als Wohnort dienen könne. Es wird nun an allen Ecken und Enden in der Babenbergerstadt gebaut, sodass bei dem einen oder anderen der Eindruck entstanden sein könnte, dass man mit diesen Mitteln versucht, diese Zahl nach oben zu treiben. „Davon kann keine Rede sein“, kontert Stadtrat Christoph Kaufmann, verantwortlich für Stadtplanung und - Entwicklung.

Sepp Wimmer von den Grünen sieht keinen Grund, warum Klosterneuburg noch weiter wachsen sollte. „Wachstum, Wachstum, Wachstum, hieß es einst. Diese Haltung ist vollkommen antiquiert, und die ÖVP hält immer noch daran fest“, so Wimmer. Es könnten durch mehr Einwohner zwar mehr Einnahmen für die Stadtgemeinde lukriert werden, es müsste aber auch gleich wieder in die Infrastruktur investiert werden. „Das ist ein Nullsummenspiel auf Kosten des Umweltschutzes. Mehr Menschen bedeuten mehr Verkehr, dichtere Verbauung und dadurch weniger Lebensqualität“, argumentiert Wimmer.

Kaufmann sieht keinen Anlass zur Panik. „Die Maßnahmen, die 1986 gesetzt wurden, haben voll gegriffen. In den letzten 30 Jahren ist Klosterneuburg im Durchschnitt um rund 100 Menschen pro Jahr gewachsen“, so Kaufmann. Dies sei deutlich unter dem Durchschnitt des Wiener Umlandes. Die vielen Baumaßnahmen sind aber auch ihm nicht entgangen. „Der große Bedarf an neuem Wohnraum entsteht vor allem durch die Klosterneuburger selbst. 80 Prozent der neu errichteten Wohnungen gehen an Klosterneuburger“, erklärt Kaufmann. Ältere Leute, die bisher in den Randlagen ein Haus besaßen, würden lieber ins infrastrukturell besser aufgestellte Zentrum ziehen wollen. „Vielen ist der Garten oder das Haus selbst zu groß, um es in Schuss zu halten, und sie wollen daher in eine Wohnung“, führt Kaufmann aus. Diesem Wunsch versuche man seitens der Stadtgemeinde nachzukommen und erreiche dies durch die Optimierung vorhandener Flächen im bereits verbauten Gebiet.

Maximum für Wimmer bereits erreicht

Dies ist Wimmer zu wenig, denn, seiner Meinung nach, gäbe es abgesehen vom neuen Pionierviertel noch gewidmete Wohnbauflächen für 4.000 Einwohner. Dies würde mit den Zweitwohnsitzern das angestrebte Ziel von maximal 35.000 Einwohnern sprengen.

In diese Diskussion steigt auch Gemeinderat Peter Hofbauer (Liste Hofbauer) ein, der mehr Transparenz fordert. „Ich verlange die Offenlegung aller relevanten Daten. Was ist die aktuelle Einwohnerzahl, wie viel Bauland gibt es noch und auf welche Zahl wird der Bevölkerungszuwachs dann geschätzt?“, so Hofbauer. „Nichts ist transparenter als Zahlen. Die Bevölkerungswanderungen sind von der Statistik Austria erfasst und von jedermann nachlesbar“, kontert Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager. Die Infrastruktur sei heute ausreichend, sie müsse aber immer angepasst werden. „So ist im Kindergarten- und Schulbereich einiges zu tun. Dies liegt nicht an der Zahl der Menschen, sondern vor allem an Änderungen der Altersklassen und Gruppengrößen“, erklärt der Bürgermeister. Neue Ideen auf Bundes- und Landesebene würden größere Städte vor große Herausforderungen stellen.

"Wachstum, Wachstum, Wachstum, hieß es einst. Diese Haltung ist vollkommen antiquiert, und die ÖVP hält immer noch daran fest."Sepp Wimmer (Grüne)

Der Bereich „Mobilität“ sei jedenfalls das Thema der Zukunft. „Bislang war die Zahl der Autobesitzer steigend. Allerdings dreht dieser Trend in Wien bereits“, glaubt Schmuckenschlager auch mit der Ausweitung des Parkpickerls auf den 18. und 19. Bezirk an höheren Druck auf die Menschen, auf Öffis umzusteigen. „Hier wurde durch die neue Tarifreform ein wichtiges Wahlziel der ÖVP erreicht“, schließt Schmuckenschlager.